Neuer Verein aus Prien hilft Flüchtlingen aus Afrika, sich zuhause Existenz aufzubauen

Demba Tounkara hat bei Elektro Langl in Prien Elektriker gelernt und will nun im Senegal die elektrischen Sicherheitsstandards verbessern.

Politiker propagieren es immer mal wieder, ein junger Verein us Prien tut es einfach: Vision Yamale unterstützt Schwarzafrikaner mit Rat, Tat undGeld, damit diese in ihre Heimatländer zurückkehren und sich eine eigene Existenz aufbauen können. Die ersten Projekte sind erfolgreich angelaufen.

Von Dirk Breitfuß

Prien – Was manche Politiker zum Höhepunkt der Flüchtlingskrise gefordert haben, haben engagierte Priener mustergültig umgesetzt. Sie haben Afrikanern die Rückkehr in ihre Heimatländer ermöglicht und ihnen Perspektiven für eine eigene berufliche Existenz geschaffen. Das Priener Modell hat bundesweit Schlagzeilen gemacht und bis ins Bundesentwicklungsministerium in Berlin Aufmerksamkeit erregt. Und es wächst weiter.

„Prine am Kimze“ war das erste Aushängeschild der Priener Initiative. Der Senegalese Babakar Segnane war der erste Schwarzafrikaner, dem die Rückkehr in die Heimart ermöglicht wurde. Er baute einen Schuppen um und eröffnete ein kleines Lokal. Er nannte es so, wie er bei seinem Aufenthalt hier den Namen des Ortes verstanden hatte: „Prine am Kimze“.

Über ein Dutzend Landsleute angestellt

Inzwischen hat Segnane mehr als ein Dutzend Landsleute einstellen können, hat einen Veranstaltungssaal eröffnet, züchtet Hühner, baut verschiedene Sorten Gemüse an und ist erfolgreich isn Catering-Geschäft eingestiegen. Damit er das örtliche Krankenhaus dreimal täglich mit Essen beliefern kann, haben ihm seine Priener Freunde den Kauf eines gebrauchten Lieferwagens ermöglicht. Weil sein Lieferservice „systemrelevant“ ist, darf der Senegalese weiterarbeiten. In seinem Heimatland sind die Corona-Zahlen bisher noch recht niedrig, es gelten aber strengte Ausgangssperren, hat er seinen Priener Freunden berichtet.

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Segnanes Blitzkarriere gilt als beispielhaft. Vor wenigen Monaten bewirtete er auch die Teilnehmer zweier Kurse für Heimkehrer, die sich eine Existenz aufbauen wollen, die auf Initiative der deutschen Gesellschaft für internationale Zusammenarbeit zustande kamen. Begleitet wurde sie von der Prienerin Helke Büchner-Fussell. Sie ist die treibende Kraft der Initiative in „Prine am Kimze“ und Vorsitzende des Vereins „Vision Yamale e.V. – Rückkehr- und Aufbauprojekte in Afrika“.

Yamalé ist ein Begriff aus der Landessprache des Senegals, Wolof, und bedeutet sinngemäß übersetzt „auf gleicher Augenhöhe miteinander in Beziehung sein“. Der Name soll nicht nur den gegenseitigen Respekt dokumentieren, sondern steht auch für die Schwierigkeiten in der Kommunikation: Während manche Deutsche dazu neigen, Schwarzafrikaner erstmal zu unterschätzen. neigen die Afrikaner zur Naivität, weil sie glauben, für die reichen Deutschen könne Hilfe keinerlei Problem sein. „Wir definieren usn über unseren Wohlstand und die Afrikaner denken sich, die reichen Europäer können doch leicht etwas abgeben“, beschreibt Büchner-Fussell im Gespräch mit der Chiemgau-Zeitung. Zum Umgang auf Augenhöhe gehört für den Verein Vision Yamale auch, dass Segnane in absehbarer Zeit das Darlehen zurückzahlt, das zu seinem gelungenen Start in die Selbstständigkeit beigetragen hat. Solche Vereinbarungen sind für Büchner-Fussell und ihre Mitstreiter auch wichtig, um ihren afrikanischen Partnern die Spielregeln der freien Wirtschaft bewusst zu machen. Das gilt auch für Felix Fred. Auch der Nigerianer war in Prien gestrandet und hatte keine Bleibeperspektive. Der Priener Förderkreis hat ihm eine zweckgebundene Anschubfinanzierung mitgegeben, damit sich der Endzwanziger in seinem Heimatland Werkzeug kaufen und eine Hütte umbauen kann, um in seinem Beruf als Kunstschmied Fuß zu fassen. Allerdings gestaltet sich die Kommunikation mit Fred zurzeit äußerst schwierig, bedauert Büchner-Fussell. Denn nicht nur Geld, auch guter Rat gehört zum Angebot des Vereins für seine Schützlinge.

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Fast schon in den Startlöchern sitzt Demba Tounkara. Der Senegalese lernt bei Elektro Langl in Prien, hat seine Prüfungen vor sich und sich vorgenommen, dann die schlechten Sicherheitsstandards in seinem Heimatland zu verbessern. Für ihn wird gerade ein Projektplan entwickelt, damit sein Traum vom selbstständigen Leben in der Heimat wahr werden kann. Weil Fachleute aus verschiedenen Bereichen ihr Know How im Verein einbringen, kann „Vision Yamale“ wirtschaftlich professionelle Unterstützung leisten. Denn die Mitglieder verstehen sich nicht nur als Freunde ihrer Schützlinge. Sie wollen nachhaltige Arbeit im Sinne der internationalen Richtlinien für Entwicklungsarbeit leisten.

Dass Büchner-Fussell bei ihrem jüngsten Besuch im Senegal ein Referat über die Priener Vereins-Arbeit gehalten hat, und zwar bei einem Empfang des Auswärtigen Amtes, lässt ahnen, dass „Vision Yamale“ auf dem besten Weg ist.

Knapp 40 Mitglieder hat der Verein Vision Yamale wenige Monate nach seiner Gründung. Die Vorstandschaft ist jetzt komplett:

Vorsitzende: Helke Büchner-Fussell;

Zweiter Vorsitzender: Fabakary Jawneh;

Dritter Vorsitzender: Pfarrer Mirko Hoppe;

Schriftführerin: Dr. Lucinde Braun;

Schatzmeisterin: Brigitta Zinsser;

Rechnungsprüfer und Leitung des Strategie-Teams: Pirmin Willmann.

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