Neuer Eingang fürs kulturelle Zentrum

Eichenholz dominiertim künftigen Foyer: im Hintergrund der Eingang in den Saal, rechts eine Sichtschutzwand vor den Toilettenzugängen und links die Theke der Garderobe. Der alte Kronleuchter bleibt wahrscheinlich erhalten.

Prien – Der größte Veranstaltungssaal weit und breit bekommt bis Mitte 2020 einen repräsentativen und funktionellen Eingang und auch ein neues Foyer.

Das hat der Marktgemeinderat am Mittwochabend gegen die Stimmen der Bürger für Prien (BfP) beschlossen. Architekt Professor Dr. Michael Körner überzeugte die Mehrheit mit seinem Entwurf, für den nach einer ersten Schätzung rund 990 000 Euro veranschlagt sind.

Der Saal selbst bleibt unangetastet, muss aber wegen der Bauarbeiten nach bereits fix terminierten Veranstaltungen nach dem 18. November voraussichtlich bis Ende Juli 2020 geschlossen werden. Häufige örtliche Nutzer, vor allem Prienarria und Schulen, sollten gestern von der Prien Marketing GmbH (die Tourismustochter der Gemeinde betreibt den Saal) schriftlich informiert werden, nachdem am Abend zuvor die politischen Weichen gestellt wurden.

Weil sogar eine Schließung aus Brandschutzgründen im Raum stand, bestand Handlungsbedarf. Als es durch einen glücklichen Umstand beziehungsweise einen zweiten Gutachter gelang, statt der ursprünglich befürchteten 750 000 Euro die Brandschutzauflagen mit etwa 250 000 Euro erfüllen zu können, hatte sich der Marktgemeinderat da rauf verständigt, das gesparte Geld in einen neuen Eingang samt Foyer zu investieren. Dort wäre ohnehin einer der größten Teilbeträge des Brandschutzpakets angefallen.

Der Eingangsbereich gilt unbestritten als „wenig repräsentativ“. Diese Formulierung wählte am Mittwochabend auch Architekt Körner. Seinen Entwurf hatte ein eigens gebildetes Kompetenzteam aus den Reihen des Gemeinderats aus drei Varianten ausgewählt, ohne die Namen der Planer zu kennen. Körner hatte im Markt Prien zuletzt die Umgestaltung der Galerie im Alten Rathaus geplant.

Als „Zentrum des kulturellen Lebens“ benannte der Architekt den Saal zu Beginn seiner Präsentation. Über eine überdachte Treppe an der Straßenseite gelangen die Gäste durch einen großzügigen Windfang ins Foyer, in dem Eichenholz dominiert. Über solche gestalterischen Details wie die Wahl des Holzes oder Bodenbelags muss allerdings im weiteren Verfahren noch politisch entschieden werden. Fest steht, dass an der Südseite, wo jetzt noch der Eingang ist, ein funktioneller und großzügiger Catering- und Garderobenbereich entstehen wird. Außen soll an der Südseite eine Rampe auch Rollstuhlfahrern den barrierefreien Zugang ermöglichen.

Erste Schätzung: 990 000 Euro brutto

Nach Körners erster grober Schätzung kostet der Neubau von Eingang und Foyer etwa 990 000 Euro brutto. In der Summe aus nicht abgerufenen Haushaltsansätzen aus Vorjahren, einen Teilbetrag, der heuer eingestellt worden war und einer Summe, die für 2020 im Finanzplan steht, hat der Markt Prien 960 000 Euro zur Verfügung, erklärten gestern Seifert und Kämmerer Georg Schmid auf Nachfrage der Chiemgau-Zeitung.

In der Sitzung hatte es zum Teil hitzige Diskussionen über die Investition gegeben. Der weit überwiegende Teil des Gremiums lobte den Entwurf und unterstrich die Notwendigkeit der Maßnahme. BfP-Fraktionssprecher Christoph Bach dagegen zweifelt eine funktionelle Verbesserung an und sprach von „ineffizient verbranntem Geld nur für einen hübschen Eingang“. Mit ihm votierten seine Fraktionskollegen Werner Waap und Eva Munkler dagegen, Körner mit der Detailplanung zu beauftragen, sodass bis Ostern der Bauantrag auf dem Tisch liegt.

CSU-Fraktionschef Michael Anner lobte den Entwurf als „Lösung mit guter Kosten-Nutzen-Mischung, mit der wir den Saal gut bespielen können“. Er erinnerte daran, dass Künstler auch schon ein Gastspiel wegen des jetzigen Foyers abgesagt hätten. Auch wegen der Bühnentechnik soll das wiederholt vorkommen.

Die CSU hatte in jüngerer Vergangenheit auch schon den Komplett-Neubau eines großen Veranstaltungssaals ins Gespräch gebracht, dafür fehlt der Gemeinde aber das Geld. Zudem wurde in den vergangenen Jahren in den König Ludwig Saal ohnehin schon mehrfach Geld gesteckt, unter anderem in Dachsanierungen, den Bau neuer Künstlergarderoben und eine neue Catering-Küche.

Zustimmung zum Neubau von Eingang und Foyer kam auch aus den Reihen der SPD (Thomas Ganter: „Wir kriegen einen König Ludwig Saal, der diesen Namen auch verdient“), Freien Prienern und ÜWG.

„Zwei Fliegen mit einer Klappe“

Ein Wortgefecht entwickelte sich noch zwischen Bach und Zweitem Bürgermeister Hans-Jürgen Schuster, bis Seifert beide zur Ruhe mahnte. Schuster hatte Bachs Ablehnung kritisiert, weil auch BfP-Vertreter Tobias Ihm im Kompetenzteam der Körner-Planung zugestimmt habe.

Während Bach von einem „Prachteingang vor einem Gebäude, das potthässlich ist und von Süden aussieht wie eine Lagerhalle“ sprach und den Teilneubau infrage stellte, betonten andere Redner, dass wegen der Brandschutzauflagen ohnehin investiert werden müsste. „Wir schlagen zwei Fliegen mit einer Klappe“; ar gumentierte beispielsweise Peter Fischer (ÜWG).

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