Neue Wasserleitung im Bankett

Die schrittweise Erneuerung alter und zum Teil maroder Wasserleitungen und Abwasserrohre schlägt seit Jahren in den Haushaltsplänen der Marktgemeinde mit sechsstelligen Beträgen zu Buche. Für heuer stehen allein für Verbesserungen im Wasserleitungsnetz 615000 Euro im Etat - über die Hälfte davon für ein Einzelvorhaben auf Frasdorfer Gemeindegebiet.

Prien - Die Versorgung von Ortsteilen aus der südwestlichen Nachbargemeinde mit frischem Wasser aus Prien ist zwischen den Kommunen seit Jahrzehnten vertraglich vereinbart. Wildenwarter, Greimelberger und Hendenhamer, die keine eigenen Wasserquellen haben (in Frasdorf selbst stellt ein Zweckverband die Versorgung sicher), zahlen ihre Gebühren an die Marktgemeinde wie die Priener Bürger auch.

Solche Investitionen fließen alle vier Jahre in die turnusmäßige Gesamtkalkulation der Wassergebühren mit ein. Die Wasserversorgung gehört zu den sogenannten kostenrechnenden Einrichtungen einer Kommune. Diese darf mittel- und langfristig damit also keine Überschüsse erwirtschaften, aber auch keine Verluste einfahren.

Vor fünf Jahrzehnten

gebaut

Die bisherige Frischwasserleitung, die von Prien aus diese Frasdorfer Ortsteile erschließt, wurde 1965 gebaut, ist also 50 Jahre alt und entsprechend sanierungsbedürftig, weiß Priens Wassermeister Tobias Kollmannsberger.

Die finanziellen Weichen für die Erneuerung hatte der Marktgemeinderat schon in seiner Haushaltsklausur im Oktober 2014 gestellt und dann auch 350000 Euro in den Etat für heuer eingestellt.

In der Woche nach Ostern, also ab 7. April, sollen die Arbeiten an der 1,6 Kilometer langen Leitung beginnen. Ursprünglich war geplant, sie im Zuge des Neubaus der Staatsstraße Frasdorf-Wildenwart zu verlegen. Der soll Mitte Juni anlaufen. Inzwischen haben aber Strom- und Telekommunikationsversorger angemeldet, auch diverse Leitungen unter dem Radweg verlegen zu wollen, der parallel zur neuen Straße verlaufen wird. Deshalb hat der Markt Prien umdisponiert. In Abstimmung mit dem Straßenbauamt Rosenheim, das für die Straßenbaumaßnahme verantwortlich zeichnet, sei entschieden worden, die Wasserleitung auf der anderen, der südöstlichen Fahrbahnseite zu verlegen.

Weil der Trassenverlauf exakt feststeht und bisherige Wellen im Fahrbahnverlauf beim Neubau ausgeglichen, also begradigt werden sollen, kann der Markt Prien die Wasserleitung schon vorher verlegen und ist damit auch zeitlich unabhängig vom Straßenbauamt.

Größere Verkehrsbeeinträchtigungen sind Kollmannsberger zufolge dabei nicht zu erwarten. Die neue Leitung wird sozusagen im künftigen Bankett verlaufen, in bis zu sechs Metern Tiefe. Sie liegt dann auf öffentlichem Grund, was die Instandhaltung vereinfacht. Die alte Leitung aus den 1960er Jahren verläuft Kollmannsberger zufolge zu 90 Prozent durch Privatgrundstücke.

Gebaut wird die Leitung im sogenannten Spülbohrverfahren, das sich bei ähnlichen Maßnahmen in jüngerer Vergangenheit, zum Beispiel in der Alten Rathausstraße und aktuell in der Osternacher Straße, als kostengünstiger und schneller bewährt hat als frühere Bauweisen. Mit einer Spezialmaschine werden abschnittsweise Tunnel in den Untergrund gebohrt. Wird der Bohrer wieder herausgezogen, zieht er die Rohre mit in den Untergrund.

Den Auftrag für diese Spülbohrung vergab der Marktgemeinderat auf Vorschlag der Verwaltung, die fünf Angebote eingeholt hatte, an den "wirtschaftlichsten" Anbieter für knapp 133000 Euro netto. Die Firma aus dem Passauer Raum führt zurzeit auch die Spülbohrungen in der Osternacher Straße durch.

Ein weiterer Auftrag für benötigte "Armaturen" wurde für gut 20000 Euro netto an ein anderes Unternehmen vergeben. Insgesamt rechnet der Markt Prien momentan inklusive eigener Material- und Personalkosten mit einem Gesamtvolumen von rund 225000 Euro. Gegenüber der ursprünglichen Kalkulation erhofft sich der Markt Prien Einsparungen im "hohen, fünfstelligen Bereich", sagte Bürgermeister Jürgen Seifert in der Sitzung.

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