Neue Serie über Chiemgauer Friedhöfe –Auswahl für die letzte Ruhe in Übersee

Der idyllische Friedhof auf dem Westerbuchberg. Steffl
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Der idyllische Friedhof auf dem Westerbuchberg. Steffl

Auf den ersten Blick haftet Friedhöfen nichts Positives an. Doch auch Friedhöfe haben ihre schönen Seiten und sogar ein Leben. Wir starten unsere neue Serie über die Chiemgauer Friedhöfe in Übersee.

Von Corina Steffl

Übersee – Im Oktober und November rückt ein Ort stärker in den Fokus, den viele Menschen das ganze Jahr über eher weniger im Blick haben: der Friedhof. Dabei sind Friedhöfe vielerorts schöne Orte voller Erinnerungen und Begegnungen. Und auch voller Leben. Deshalb starten wir heute unsere Reihe „Chiemgauer Friedhöfe“. Los geht es mit den drei sehr unterschiedlichen Friedhöfen von Übersee.

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Der „Dom vom Achental“, die Pfarrkirche St. Nikolaus aus rotem Backstein, ragt weithin sichtbar in den Himmel über Übersee. Rund um die Kirche befindet sich der Kirchenfriedhof. Als die Kirche 1902-1904 im neugotischen Stil anstelle der früheren Barockkirche am selben Platz neu gebaut wurde, existierte der Friedhof schon lange.

Zeitreise auf dem Friedhof des „Achental-Doms“

Eingebettet in eine gekieste Fläche liegen die Gräber, die meist mit steinernen Einfassungen und Grabmalen ausgestattet sind, rings um die Kirche verteilt. Auf vielen alten Grabsteinen kann man Hausnamen und Berufsbezeichnungen entziffern, die es heute gar nicht mehr gibt, wie etwa die „Postmeistersgattin“. Sie versetzen einen auf einen Schlag in eine andere Zeit und deren Alltag.

Dass es in Übersee auch einen gemeindlichen Friedhof gibt, ist sogar Einheimischen manchmal nicht bekannt. Das ist fast nicht zu glauben, denn der Gemeindefriedhof befindet sich nur einen Steinwurf von Kirche, Schule und Rathaus entfernt und doch in wunderbar ruhiger Ortsrandlage.

Durchschnaufen auf dem Bankerl

Von der Kirche aus Richtung Buchwald gelegen, schließt sich die Weite der „Filzn“ an das von Bäumen gesäumte Friedhofsareal an. Die Gräber befinden sich auf einer Rasenfläche und sind ebenerdig mit Steinplatten eingefasst.

Wer sich ausruhen, durchschnaufen und nachdenken möchte, ist auf diesem Friedhof gut aufgehoben, denn es gibt zwei schöne Sitzbänke, von denen man den gesamten Friedhof im Blick hat. Es lassen sich viele Vögel beobachten, die in den Gehölzen und auf der Rasenfläche herumhüpfen und nach Nahrung suchen.

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Irmi Speckbacher (64) geht gerne dorthin: Hier auf dem Gemeindefriedhof ist es angenehm ruhig und friedlich und die Vögel zwitschern.“ Das Bepflanzen der Gräber macht sie gern, je nach Saison legt sie neue kleine Beete an.

Gräber, die nicht mehr oft gepflegt werden, gibt es zwar wenige, doch selbst jene zeigen, dass der Friedhof ein Ort für das Leben ist. Hier entwickeln sich einstmals kleine Ziersträucher zu blühenden Büschen und wilde Rosen siedeln sich an.

Ort für Sternenkinder

Die Satzung des vergleichsweise jungen Friedhofs erlaubt verschiedene individuelle Formen von Grabdenkmälern, solange sie die erlaubte maximale Höhe von 1,50 Meter nicht überschreiten und der Würde des Ortes entsprechen. Ein Sternenkindergrab gibt Eltern einen physischen Ort, an dem sie den Verlust ihres fehl- oder totgeborenen Kindes betrauern können.

Wer diese beiden Friedhöfe besuchen will, kann das leicht in einem tun, sie liegen nur 350 Meter Fußweg auseinander!

Verstecktes Kleinod auf dem Westerbuchberg

Die Kirche St. Peter und Paul auf dem Westerbuchberg, einem Ortsteil von Übersee, gehört nach den Urkunden zu den ältesten Kirchen im südlichen Chiemgau. Teilweise stammen ihre Mauern noch aus dem 13. Jahrhundert. Auf dem Friedhof, der die Kirche umgibt, bietet sich eine herrliche Aussicht auf die Berge und die Kendlmühlfilzn.

Efeu und Apotheker-Rose

Es gibt nur wenige Gräber auf dem kleinen Kirchhof, es sind dort aber zum Beispiel der bekannte Maler Franz S. Gebhardt-Westerbuchberg und die Schauspielerin Lucie Englisch begraben. An der Ostseite der Kirche wächst am Fuße des Kreuzes neben dichtem Efeu eine uralte Apotheker-Rose. Leider wird sie oft mit dem Gras abgemäht und kann sich nicht so recht entfalten, aber sie kämpft sich wohl schon seit Jahrhunderten so durch – unverwüstlich und voller Leben.

Hornveilchen können selbst Kälte gut ertragen.
Der Gemeindefriedhof in Übersee ist eine kleine grüne Oase.

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