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Eine Alternative zum Zweitfahrzeug?

Mobilität auf dem Land: Warum Grassau über Carsharing-Modelle diskutiert

Rebecca Karbaumer informierte auf Einladung der SPD, hier mit dem Ortsvorsitzenden Tobias Gasteiger im vollen Kleinen Heftersaal über Carsharing Modelle.
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Rebecca Karbaumer informierte auf Einladung der SPD, hier mit dem Ortsvorsitzenden Tobias Gasteiger im vollen Kleinen Heftersaal über Carsharing Modelle.
  • VonTamara Eder
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Mobilität auf dem Land beschäftigt in Grassau nicht nur die SPD, die die öffentliche Diskussion mit der Carsharing-Expertin Rebecca Karbaumer anregte und sich über viele Interessierte im Kleinen Heftersaal Grassau freute.

Grassau – Neben Bürgermeister Stefan Kattari und Bürgermeister Stefan Schneider aus Bergen zugleich Vorsitzender des Ökomodell Achental, beteiligte sich auch der Agenda 21 Arbeitskreis „Nachhaltige Mobilität“ sowie die Initiatoren des Carsharing Projekts „Mitanandmobil“ in Bergen. Carsharing, so SPD Ortsvorsitzender Tobias Gasteiger, sei in aller Munde. Hinsichtlich des sich derzeit in der Aufstellung befindlichen neuen Flächennutzungsplanes müsse über Mobilität und damit verbundenen Flächenverbrauch diskutiert werden.

Rebecca Karbaumer aus Bremen, dort zuständig für strategische Verkehrsplanung, Carsharing sowie Aufsichtsrätin des Schweizer Unternehmens „Mobility Genossenschaft“ und seit vielen Jahren mit Carsharing Programmen vertraut, kennt die Gemeinde von ihren Besuchen.

Über Mobilität neu nachdenken

„Ein Geheimrezept für ein erfolgreiches Carsharing Projekt habe ich nicht. Es gehört ganz viel Herz dazu“, betonte sie eingangs. Wichtig sei der einfache und schnelle Zugang, Bereitstellung verschiedener Fahrzeugtypen und leichte Abrechnung. In Großstädten habe Carsharing eine verkehrsentlastende Wirkung. Carsharing in Grassau könne eine realistische Alternative zum Zweit- und Drittfahrzeug sein, betonte sie. Die Vorteile seien eine bewusste Nutzung, Kostenersparnis, da keine Pflege und Wartung erfolgen, sowie Versicherungskosten dauerhaft bezahlt werden müssen. Attraktiv werde Carsharing durch eine unkomplizierte Buchung, Verfügbarkeit, einen kurzen Weg zur Carsharing Station wie durch eine einfache Bedienbarkeit des Fahrzeugs.

Geeignete Standorte finden

Im ländlichen Raum brauche es eine gewisse Dichte an Nutzern und Stationen. Damit ein Carsharing-Auto eigenwirtschaftlich fährt, brauche es 45 Kunden pro Fahrzeug, geeignete Standorte, zentrale Lage, müsse zu Fuß oder mit dem Rad gut erreichbar sein. Wenn man die Balance hingekommt, läuft es“, sagte sie. Wichtig seien Kooperationspartner und eine Ankernutzung durch die Gemeinde, Unternehmen, Sozialeinrichtungen, Verbände. Auch der Tourismus sollte nicht außer Acht gelassen werden. Auch erklärte sie, dass es verschiedene Geschäftsmodelle gebe und verwies auf den Carsharing Verein Bergen mit ehrenamtlicher Organisationsstruktur.

Mitanandamobil erfolgreich

Christin Kirst, Initiatorin „Mitanandmobil“ informierte über das Bergener Modell. Zwei Fahrzeuge, ein E-Golf und der Kleinbus der Gemeinde stehen zur Verfügung. Neben einer Mitgliedereinlage, eine Kaution von 600 Euro, zahle das Mitglied ein Nutzungsentgelt pro Stunde und Kilometer. Auch kommerzielle Anbieter hätte man angefragt, die aber zu teuer waren. Nach einem Jahr sei man sehr zufrieden. Die Fahrzeuge werden monatlich bis zu 1500 Kilometer bewegt. Rebecca Karbaumer fügte hinzu, dass laut Berechungen unter einer jährlichen privaten Fahrleistung von 10.000 Kilometer die Nutzung eines Carsharing Fahrzeugs bedeutend günstiger sei.

Zum Thema Flächennutzungsplan informierte Rebecca Karbaumer, dass beim Wohnungsneubau der Stellplatzschlüssel reduziert werden könnte, wenn ein entsprechendes Mobilitätskonzept vorgelegt werde. Dies könnte auch in Grassau interessant werden.

Auch einen Fahrplan zur Realisierung nannte sie. Neben der Wahl der Organisationsstruktur sollte auch der Erwerb oder Leasing eines Fahrzeugs, Nennung der Hauptverantwortlichen, Suche nach Bündnispartnern, Standortsuche, Versicherung und Tarifmodelle und Finanzierungsmöglichkeiten bedacht werden. Ihre Empfehlung sei zunächst ein kleines Angebot, wie in Bergen mit zwei Fahrzeugen zu erwägen und dann gezielt darauf aufmerksam zu machen. Einen Leitfaden zur Gründung biete der Bundesverband Carsharing wie auch Carsharing Vaterstetten. Die positiven Beispiele bezögen sich meist auf Städte. Von der Einwohnerzahl, so Kattari, würden die neun Gemeinden des Ökomodells dies auch erreichen, jedoch seien die Distanzen zu möglichen Carsharing Standorten dann groß.

Kooperation mit Bergen möglich

Christin Kirst erklärte, dass in Bergen die Organisation stehe und es egal sei, ob sich weitere Gemeinden anschließen. „Man könnte voneinander profitieren, die bestehende Infrastruktur nutzen und die Erfahrung muss nicht jeder neu machen“, sagte sie. Es sei kein Problem weitere Fahrzeuge in das Buchungssystem aufzunehmen. Man sei offen für eine Zusammenarbeit.

In Bergen wird Carsharing bereits erfolgreich umgesetzt. Mit dem E-Golf kamen die Initiatoren nach Grassau.

Dr. Hans Grabmüller meinte, man solle über die Gemeindegrenzen hinausdenken und das Ökomodell einbeziehen. Peter von Rönne interessierte, ob Carsharing auch mit einem Bürgerfahrdienst zu verbinden sei. Die Experten nannte Beispiele aus dem Ausland, erklärte aber, dass dies hierzulande aufgrund des Beförderungsgesetzes schwierig sei. Laut Georg Beyschlag müsse auch der Tourismus einbezogen werden. Wie ein Carsharing Fahrzeug Touristen zur Verfügung gestellt werden könnte, erklärte Bürgermeister Stefan Schneider aus Bergen.

Touristen mit einbeziehen

Hier sei die Touristinformation Mitglied im Carsharing Verein und könne das Fahrzeug, dass an der Tourist-Information platziert ist, an die Gäste weiterleiten. Grabmüller fragte, ob ein Carsharing Fahrzeug für den Urlaub genutzt werden kann. Das, so Rebecca Karbaumer, hänge von der Flottengröße ab. In Bergen sind die Fahrzeuge maximal vier Tage am Stück buchbar.

Wird ein Urlaub aber frühzeitig angezeigt, kann dies abgesprochen werden, ergänzte Christin Kirst. Bürgermeister Kattari resümierte, dass in Grassau aufgrund der Ortschaften mindestens vier Standorte angelegt werden müssten, um einen großen Teil der Bevölkerung zu erreichen.

Es müsse aber nicht nur über Carsharing, sondern auch über einen Rufbus nachgedacht werden. Dies war auch ein Anliegen von Altbürgermeister Rudi Jantke, der bereits vor zehn Jahren im Ökomodell zwei Kleinbusse, die tagtäglich im Achental unterwegs sind, anregte. Letztlich verwies Helmut Bielenski auf den Arbeitskreis Nachhaltige Mobilität. Dieser Arbeitskreis habe bereits Daten erhoben, die ausgewertet und in einer Infoveranstaltung vorgestellt und diskutiert werden.

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