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Am Landgericht Traunstein

Neuauflage von Samerberg-Prozess: Revisionsverhandlung gegen BMW-Fahrer hat begonnen

Der inzwischen 28-jährige Angeklagte (rechts), hier mit seinen Verteidigern Maria-Theresa Herzog und Florian Eder aus Freilassing, soll eine Mitschuld tragen an einem Horrorunfall am 20. November 2016 in Rosenheim, bei dem zwei Frauen (21 und 15) starben und drei Menschen schwer verletzt wurden.
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Der inzwischen 28-jährige Angeklagte (rechts), hier mit seinen Verteidigern Maria-Theresa Herzog und Florian Eder aus Freilassing, soll eine Mitschuld tragen an einem Horrorunfall am 20. November 2016 in Rosenheim, bei dem zwei Frauen (21 und 15) starben und drei Menschen schwer verletzt wurden.
  • Michael Weiser
    VonMichael Weiser
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Am Ende waren zwei junge Frauen aus Samerberg tot, drei weitere Menschen waren schwer verletzt. Was sich in den Sekunden vor dem Horrorunfall am 20. November 2016 an der Miesbacher Straße in Rosenheim abgespielt hat, gilt es in der Revisionsverhandlung gegen einen Unfallbeteiligten zu klären.

Traunstein – Und wieder geht es um jene paar Momente, in denen alles noch hätte gut werden können. Um die vier Sekunden zwischen Erkennen der Bedrohung und Kollision, in denen zwei BMW-Fahrer am Abend des 20. November 2016 die falsche Entscheidung gefällt haben sollen.

So sah es zumindest zuletzt das Landgericht Traunstein:Die beiden sollen einem dritten Fahrer, der seinen Überholvorgang abbrechen wollte, das Einscheren verwehrt haben. Weil sie sich damit mitschuldig gemacht haben an einem verheerenden Unfall mit zwei Toten und drei schwer Verletzten, verurteilte sie das Landgericht im Herbst 2019.

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Unter anderem wegen fahrlässiger Tötung und fahrlässiger Körperverletzung verhängte das Landgericht gegen die beiden jungen Männer aus dem Landkreis Rosenheim Haftstrafen: zwei Jahre und fünf Monate für den einen, zwei Jahre und drei Monaten für den zweiten. Das Urteil gegen diesen zweiten Fahrer, einen mittlerweile 28 Jahre alten Riederinger, hob das Bayerische Oberste Landesgericht, wegen eines Formfehlers auf.

Ein Alptraum ohne Ende

Am Donnerstag begann die Revision. Eingangs verlas die Vorsitzende Richterin Heike Will die Ersturteilsschrift. Es folgten Aussagen der Nebenkläger: Ralf Rüth, Vater der bei dem Unfall getöteten Melanie, und Magdalena Daxlberger, die bei dem Unfall schwer verletzt wurde und ihre jüngere Schwester Ramona verlor.

Sie schilderte die Sekunden jener Herbstnacht als Alptraum, der nicht enden will, und berichtete von seelischen Belastungen und körperlichen Beschwerden, die sie noch nach über viereinhalb Jahren plagen. An den Unfall selbst könne sie sich nicht erinnern, doch hat die Kollision Spuren an ihr und ihrem Leben hinterlassen: „Ich schaue heute nicht mehr so aus wie vor dem Unfall.“

Brandrede gegen illegale Autorennen

Ralf Rüth, von Heike Will nach dem Sachschaden am Kleinwagen seiner Tochter befragt, hob zu einem Plädoyer gegen Raserei und illegale Autorennen an, das die Richterin verständnisvoll, aber bestimmt unterband.

In unserem Dossier finden Sie alle weiteren Artikel rund um die Raserprozesse.

Am kommenden Dienstag wird der Prozess fortgesetzt. Dann kommt aller Voraussicht der Kumpel des beschuldigten Riederingers zu Wort, der Fahrer des zweiten BMW. Das gegen ihn ergangene Urteil ist rechtskräftig, er steht daher nicht mehr als Beschuldigter vor Gericht, sondern als Zeuge. Insgesamt sind noch sechs weitere Termine bis Mitte Juni anberaumt.

Für die Familien der beiden jungen Frauen, die bei dem Unfall starben, bedeute nochmals schwere Tage der Prüfung. Magdalena Daxlbergers Tränen vorm Landgericht ließen erkennen, wie sehr die erneute Schilderung des schicksalhaften Abends die Angehörigen belastet.

Vater fordert schwerere Strafen für illegale Autorennen

Mutter Manuela Daxlberger sagte, es sei „extrem, was damit alles wieder hochkommt“. Für sie und ihre Familie sei es unheimlich schwer, keinen Abschluss und keine Ruhe zu finden, sagte sie den OVB-Heimatzeitungen.

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Ralf Rüth äußerte Unverständnis über die Revisionsverhandlung und die damit verbundene enorme emotionale Belastung für die Familie. Der Formfehler, der Grund für die Aufhebung des Urteils gewesen sei, habe keinerlei Ausswirkung auf das Urteil gehabt. Der einzige Makel des Berufungsverfahrens 2019 sei, dass eine nicht weiter erhebliche Erlaubnis für den einen Beschuldigten, den Saal zu verlassen, nicht in die Akten eingetragen worden sei. „Man hätte abwägen müssen, ob es das wert ist“, sagte Rüth.

Den OVB-Heimatzeitungen gegenüber äußerte Rüth, wozu er vor Gericht nicht gekommen war: Illegale Autorennen müssten mit schwereren Strafen geahndet werden, die Menschen würden vor Rasern nicht ausreichend geschützt. Immerhin sei es den Familien der jungen Frauen gelungen, neben dem gänzlich einsichtigen eigentlichen Unfallfahrer aus Ulm die Verantwortung der beiden BMW-Fahrer für die tödliche Kollision vor Gericht prüfen zu lassen.

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Härtere Strafe gegen den Angeklagten nicht möglich

Ob und für wie lange Sebastian M. ins Gefängnis muss, werden die nächsten Tage der Revisionsverhandlung ans Licht bringen. Fest steht bereits, dass die Strafe nicht schwerer als beim Berufungsverfahren im November 2019 ausfallen wird. Grund für das sogenannte „Verschlechterungsverbot“ ist die Tatsache, dass lediglich der Anwalt des BMW-Fahrers, nicht aber die Staatsanwalt Revision beantragt hatte.

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