Nein zu weniger Autos am Traunsteiner Stadtplatz

Ein zeitweise autofreier Stadtplatz in Traunstein? Diesen Antrag der Grünen lehnte der Stadtrat mit 18 zu 13 Stimmen ab. Es gab zu viele Einwände seitens der Stadträte, die darüber lange debattierten.
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Ein zeitweise autofreier Stadtplatz in Traunstein? Diesen Antrag der Grünen lehnte der Stadtrat mit 18 zu 13 Stimmen ab. Es gab zu viele Einwände seitens der Stadträte, die darüber lange debattierten.

Der Traunsteiner Stadtrat hat den Antrag der Grünen auf eine zeitweise Verkehrsberuhigung des Stadtplatzes abgelehnt. Diese wollten damit vor allem der Gastronomie helfen, sich in Corona-Zeiten abends und am Wochenende mehr ausbreiten zu können. Doch im Stadtrat löste dies ordentlich Wirbel und eine heftige Debatte aus.

Traunstein – Mit 18 zu 13 Stimmen lehnte der Traunsteiner Stadtrat den Antrag der Grünen ab, den Stadtplatz im Sinne der Wirtschaftsförderung während der Covid-19-Pandemie in einen verkehrsberuhigten Bereich umzuwandeln.

Laut Dr. Patrick Nepper (Grüne), der den Antrag vortrug, sollte damit abends und am Wochenende für bessere Rahmenbedingungen für Gastronomie und Gewerbe gesorgt werden.

„Nur ein zeitlich begrenzter Versuch“

Der Antrag sah vor, den Stadtplatz von der Zufahrt am Heimatmuseum bis zum neuen Brunnen einschließlich der Schaumburgerstraße und des Taubenmarkts von Montag bis Freitag ab 18 Uhr, am Samstag ab 12 Uhr sowie an Sonntag und Feiertagen ganztägig für Kraftfahrzeuge zu sperren. Die Maßnahme sollte bis zum Ende der Sommerferien am 7. September befristet werden. Ausnahmen sollte es für Anwohner und Personen mit Sonderparkausweisen geben.

Zweite Bürgermeisterin Burgi Mörtl-Körner (Grüne) sagte, man wolle mehr Aufenthaltsqualität schaffen, „damit mehr Leute nach Traunstein kommen“.

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Den Hinweis von Oberbürgermeister Dr. Christian Hümmer (CSU), dass zwei Drittel der Kunden aus dem Umland mit dem Auto kommen, konterte sie mit der Bemerkung, diese könnten ohnehin nicht alle auf dem Stadtplatz parken: „Schließlich wäre es nur ein zeitlich begrenzter Versuch, an dem kein Geschäft kaputt geht.“

Nils Bödeker (SPD/Linke) verwies auf die vielen Versuche in der Vergangenheit, den Stadtplatz autofrei zu gestalten. Die Fronten seien verhärtet, weshalb er einen runden Tisch vorschlug, um ein gemeinsames und zukunftsfähiges Verkehrskonzept zu schaffen.

Oberbürgermeister Dr. Christian Hümmer (CSU) meinte, die Schwäche des Antrags sei, dass die konzeptionelle Ausrichtung über die Köpfe der Bewohner und Gewerbetreibenden am Stadtplatz hinweg entschieden worden sei. Eine Änderung des Verkehrskonzepts könne es daher nicht mit einem einfachen Antrag und Beschluss geben.

Radfahrer sollen schieben

Denis Holl (SPD/Linke) war gegen den Antrag, weil er nur eine Einzelmaßnahme sei. Außerdem war er für ihn nicht vollständig und radikal genug. Er verlangte „ein Konzept aus einem Guss“, zum Beispiel eine Belebung durch Veranstaltungen.

Robert Sattler (SPD/Linke) wandte sich gegen jedes Konzept, „bei dem der Autofahrer der Böse, der Radfahrer der Gute und der Fußgänger der Depp“ sei. Alle hätten die Berechtigung, Raum zu bekommen. „Wenn die Radfahrer schieben müssten“, so Sattler, dann sei er auch für den Antrag.

Karl Schulz (CSU) wies auf die drei Teilfußgängerzonen auf dem Maxplatz, dem Stadtplatz und dem Bahnhofsvorplatz hin.

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Wer seine Existenzgrundlage nicht mit einem Geschäft am Stadtplatz zu sichern habe, könne „von außen leicht schwadronieren“. Wenn man das Parkhaus am Klosterberg hätte, könnte man zumachen.

Als „realitätsfremd“ bezeichnete Ernst Haider (UW) den Antrag. Er drehte den Spieß um und sagte, gerade der Einzelhandel mit seinen Parkflächen sei für die Aufenthaltsqualität wichtig. Man könne an ein neues Konzept denken, wenn die Voraussetzungen dafür geschaffen seien. Als Beispiel dafür nannte er das Parkhaus Klosterberg.

Klaus Schneider (CSU) stellte schließlich den Antrag auf ein Ende der Debatte, da die wichtigsten Argumente ausgetauscht worden seien. Sein Antrag wurde mit 30 zu 1 Stimmen angenommen.

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