Schmiererei in Oberwössen: Staatsanwalt ermittelt - Zusammenhang mit Entscheidung im Gemeinderat?

Die Schmierereien am Gasthof „Zur Post“am Oberwössener Ortseingang sorgen in der Gemeinde für Ärger. Die Kripo ermittelt gegen den Verursacher und überzeugte ihn, die Schrift zu übermalen.
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Die Schmierereien am Gasthof „Zur Post“am Oberwössener Ortseingang sorgen in der Gemeinde für Ärger. Die Kripo ermittelt gegen den Verursacher und überzeugte ihn, die Schrift zu übermalen.
  • vonLudwig Flug
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Polizei und Staatsanwaltschaft ermitteln wegen Schmierereien in Oberwössen.

Unterwössen – An der Hauswand des ehemaligen Wirtshauses „Gasthof zur Post“ prangte der Schriftzug „Oberwössen Nazidorf“. Ein neuer Höhepunkt in einer Reihe von Schmierereien und sonstiger kurioser Vorfälle, seit der Gasthof 2017 im Rahmen einer Zwangsversteigerung an die Alpiness GmbH übergegangen ist.

„Geschäftsführer ist tatverdächtig“

„Die Kriminalpolizei Traunstein hat ein Ermittlungsverfahren eingeleitet“, erklärt Martin Emig, Sprecher des Polizeipräsidiums Oberbayern Süd, der Chiemgau-Zeitung. Erste Maßnahme: Die Kollegen der Kripo hätten mit dem mutmaßlichen Verursacher der Schmiererei gesprochen. „Tatverdächtig ist der Geschäftsführer“, bestätigt Emig. Die Polizei habe ihn davon überzeugt, den anstößigen Inhalt zu übermalen. Was auch bereits geschehen ist. Nichtsdestotrotz müsse die Kripo zusammen mit der Staatsanwaltschaft klären, ob ein Fall von Volksverhetzung vorliege.

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Bauprojekt in Oberwössen als Hintergrund?

Der Geschäftsführer der Alpiness GmbH wollte nach Angaben von Bürgermeister Ludwig Entfellner (CSU) den alten Gasthof in sieben bis acht Eigentumswohnungen umwandeln. Die Wohnungen wollte er im Rohbauzustand verkaufen, die neuen Eigentümer sollten den Ausbau dann selbst organisieren. „Das ist für uns unvorstellbar“, erklärt Entfellner. Die Vorgabe der Gemeinde sei gewesen, „das Vorhaben in einen Bebauungsplan zu schreiben“, so der Rathauschef weiter. Der Geschäftsführer habe dem widersprochen.

Zahl der Wohnungen im Haus entscheidend

Laut Fremdenverkehrssatzung seien in dem Bereich nur drei Wohnungen anstelle des Gasthofs genehmigungsfähig, erläutert Entfellner. Damit sollen Eigentumswohnungen beschränkt und Ferienunterkünfte gefördert werden.

Geschichte des Gebäudes

Der Gasthof hat eine wechselhafte Geschichte hinter sich. Der letzte Wirt hatte 2013 aufgehört. Die anschließende Nutzung als Asylbewerberunterkunft endete nach zwei Jahren – das Landratsamt Traunstein hatte Bedenken wegen des Brandschutzes und schloss die Unterkunft. Im Zwangsversteigerungsverfahren wechselte der Gasthof 2017 dann für 330 000 Euro den Eigentümer.

Nicht die erste Schmiererei

Eine Münchener Steuerberaterin erwarb das Objekt. Sie betraute , die österreichische Alpiness GmbH, Ramingstein, samt ihrem Geschäftsführer damit, das Projekt zu entwickeln. Die Alpiness ist ebenfalls als Eigentümerin eingetragen, wie Thomas Müllinger, Geschäftsleiter der Gemeinde Unterwössen, bestätigt.

Der Geschäftsführer liegt ob seiner Pläne im Clinch mit der Gemeinde Unterwössen. Die aktuelle Wandschmiererei war nicht die erste an den Wänden des alten Gasthofs. Im Juni 2018 prangte der Satz „BGM Entfellner verhindert Fertigstellung – Willkür ohne Gesetzesgrundlage“ in roter Schrift an der Hauswand. Der Versuch der Alpiness GmbH, für drei deutlich mehr als 100 Quadratmeter große Wohnungen die Baugenehmigung zu erhalten, war gescheitert, wie Entfellner erklärt. Der Gemeinderat verweigerte seine Zustimmung. Darauf erschien der Schriftzug mit den Vorwürfen gegen den Bürgermeister auf der Hauswand.

Seitdem begleiten kuriose Maßnahmen das Projekt, die die Oberwössener verärgern. Am Straßenrand steht neben den alten Toiletten ein mannshoher Kühlschrank mit offener Tür. Ein kleiner Weihnachtsbaum liegt am Boden.

Auf dem Grundstück verteilt stehen abgemeldete Fahrzeuge, teilweise mit Unfallschäden. Bürgermeister Ludwig Entfellner, Zweiter Bürgermeister Johannes Weber und Gemeinderat Bartl Irlinger haben im Vorfeld wenig Handhabe gesehen, gegen das Aussehen des Objektes vorzugehen. Der neue Anwurf „Nazidorf“ habe jetzt allerdings eine Grenze überschritten. Auf der anderen Seite kritisierte wiederum der Geschäftsführer, per Post ein anonymes Schreiben mit Beschimpfungen erhalten zu haben, so Entfellner.

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Diesen Brief hat er auf die Seitenscheibe eines abgemeldeten Fahrzeuges geklebt. Darin spricht ein unbekannter Autor angeblich im Namen der Oberwössener Dorfgemeinschaft. Das Schreiben enthält wüste Drohungen gegen die Firma Alpiness GmbH.

Morddrohungen aus der Gemeinde?

In mehreren E-Mails an die Chiemgau-Zeitung erklärt der Alpiness-Geschäftsführer, Morddrohungen erhalten zu haben, doch die Polizei Grassau habe „das nicht interessiert.“ Nach Angaben von Polizeisprecher Emig weiß die Polizei in Grassau bisher nur von Beleidigungen. Sie habe ihn einbestellt, um mit ihm über den Drohbrief zu sprechen. Bisher vereinbarte Termine habe er allerdings platzen lassen.

Bürgermeister Entfellner will die Emotionen einfangen: „Was mich beunruhigt, ist, dass sich die Leute im Dorf beleidigt fühlen könnten. Unsere Aufgabe ist es, zu beschwichtigen. Gegenseitige Schuldzuweisungen, Drohungen und Beleidigungen sind einer guten Dorfgemeinschaft nicht zuträglich. Ich rufe alle zu mehr Sachlichkeit, Besonnenheit und respektvollem Umgang miteinander auf. Alles Weitere sollte man den zuständigen öffentlichen Stellen und Behörden überlassen.“

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