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Abschied von einer besonderen Frau

„Mach’s gut, Angel, auf Deiner Wolke“: Priener Kabarettistin Angelika Beier verstorben

Unterwegs fühlte sie sich lebendig: Anfang Januar ist die mit dem Münchner Kabarettpreis ausgezeichnete Prienerin, Angelika Beier, verstorben.
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Unterwegs fühlte sie sich lebendig: Anfang Januar ist die mit dem Münchner Kabarettpreis ausgezeichnete Prienerin Angelika Beier verstorben.

Sie absolvierte eine Töpferlehre und arbeitete zunächst in Wasserburg in ihrer eigenen Werkstatt. 1979 startete Angelika Beier als Kabarettistin in Ensembles wie „Blackout“, dann im Alter von 50 Jahren ihre Solokarriere. Im Alter von 66 Jahren ist sie nun nach kurzer, schwerer Krankheit verstorben.

von Raphaela Kreitmeir

Prien/München – „Das Leben ist zu schön, um es zu Hause auf der Couch zu vertrödeln“, war ein Leitsatz von Angelika Beier. Darum stand sie an ihren Wohnorten in Prien und München auf der Bühne, vor allem aber war sie unterwegs. „Ich bin ein Wandervogel“, beschrieb sie sich selbst im Januar 2021 in einem Interview mit der „Rosenheimerin“. „Ich liebe es, mich auf neue Menschen und neue Situationen einzustellen.

Mit 50 noch Solokarriere gestartet

In einer anderen Stadt vor immer neuem Publikum spielen zu können – da fühle ich mich lebendig.“ Für diese Lebens- und Spielfreude liebte sie ihr Publikum. Und auch das Feuilleton feierte Angelika Beier. „Spritzig und charmant, nachdenklich und forsch, mit spitzer Zunge und voller schauspielerischem Elan hat die Münchner Vollblut-Kabarettistin das Publikum mit ihrem lebensnahen Programm begeistert“, schrieb das Feuilleton. Ihre Spielfreude war inspirierend, ihre Leidenschaft für die Kleinkunst einzigartig. Ursprünglich war sie Keramikerin, machte ihre Lehre bei der Inseltöpferei auf der Fraueninsel. „Meine Eltern wollten halt, dass ich etwas Vernünftiges lerne“, erklärte sie im Interview, „dabei habe ich schon in meiner Kindheit am liebsten gelacht, getanzt, gesungen und gespielt“. Dass sie genau das seit 1979 auch beruflich machen konnte, bezeichnete sie als das zweitgrößte Glück ihres Lebens. Das größte Glück war 1993 die Geburt ihres Sohnes Max, der inzwischen auch seit Jahren auf der Bühne und vor der Kamera steht. Aber zurück zum Anfang.

Am Sonntag Geburtstag

Angelika Beier wurde am 15. Januar 1956 in Prien geboren und wenn Sie jetzt auf das Datum dieser Ausgabe Ihrer Zeitung blicken, erkennen Sie, dass an diesem Sonntag Angelikas Geburtstag wäre. Sie kann ihn nicht mehr feiern, aber wenn Sie für einen Moment an Angelika Beier denken, wird sie sich dort, wo sie jetzt ist, freuen. Ganz bestimmt.

Nach der Töpferlehre auf der Fraueninsel eröffnete sie in Wasserburg ihre eigene Werkstatt. Als sich dann allerdings 1979 die Möglichkeit bot, „Blackout“, eine siebenköpfige Kabarettgruppe, mit zu gründen, hat sie sehr schnell zwei Dinge erkannt: Sie kann nicht gleichzeitig mit vollem Einsatz Keramik und Kabarett machen (mit halbem Einsatz etwas zu tun, würde nicht zu ihr passen) und auf Tournee zu sein ist genau das, was das Leben für sie interessant und bunt macht. Also konzentrierte sie sich voll und ganz auf die Bühne und feierte in unterschiedlichen Formationen Erfolge. Zehn Programme spielte sie allein im Revuekabarett „Blackout“ – mit dabei waren unter anderem der Priener Musiker und Krimi-Autor Thomas Bogenberger und der Priener Kabarettist und Schauspieler Uli Bauer. Ab 1993 war Angelika Beier Teil des Ensembles „Bauer, Beier, Zauner“: Dabei traf skurriler Humor auf gehaltvolle Texte und ging mit mitreißenden Songs eine Liaison ein, die das Publikum begeisterte und 2002 mit dem Kabarettpreis der Stadt München ausgezeichnet wurde.

Facettenreich und mit scharfem Witz

Mit 50 Jahren startete Angelika Beier ihre Solo-Karriere. Authentisch, facettenreich, mit scharfem Witz und Temperament thematisierte sie in „FrühReif“ das Abenteuer, als Frau älter zu werden, und inszenierte in „RausZeit“ spannende, absurde, bizarre, rasante, komische, große und kleine Alltagsfluchten. In ihrem dritten Solo-Programm „Zwischen Sex und 60“ begab sie sich mit Vollgas in die zweite Lebenshälfte und in „Durchboxen statt botoxen“ machte sie ihr persönliches Lebensmotto zum Überlebensprinzip ihrer Bühnenfiguren. Überregionale Medien werteten ihr Wirken mit folgenden Worten: „Um es gleich zu sagen: Die Trägerin des Münchner Kabarettpreises sieht einfach gut aus. Ihr Alter hat damit wenig zu tun. In Sachen Lebensklugheit und Humor fallen freilich Beiers intensiv durchlebte Jahrzehnte durchaus ins Gewicht.“ Humor war für Angelika Beier ein Lebenselixier, das sie an ihr Publikum weitergegeben hat. „Wer lacht, fühlt sich innerlich viel leichter. Lachen schenkt eine Auszeit vom Alltag“, betonte sie in diversen Interviews.

Normalerweise stünde sie jetzt im Scheinwerferlicht auf der Bühne, würde spielen, singen, tanzen und dem Publikum eine Auszeit vom Alltag schenken. Aber die Scheinwerfer bleiben dunkel. Angelika Beier ist am 7. Januar nach kurzer, schwerer Krankheit im Kreis ihrer Familie gestorben.

Beeindruckende Lebensphilosophie

Die Trauer ist groß – Kabarettist und Schauspieler Uli Bauer: „Angelika war eine großartige Kollegin und für mich privat fast wie eine Schwester. Sie hat mich 1979 zum Kabarett geholt und wir sind über 20 Jahre in verschiedenen Formationen gemeinsam auf der Bühne gestanden. Mit ihrer offenen, herzlichen und liebenswerten Art hat sie viele Menschen zum Lachen gebracht und glücklich gemacht. Danke Angelika.“

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Musiker und Krimi-Autor Thomas Bogenberger hat mit Angelika Beier 40 Jahre zusammengearbeitet. „All‘ ihre Programme durfte ich begleiten, in Einspielungen, mit Musik und Stimme, so war ich immer mit ihr unterwegs. Es war mir eine Ehre. Angelikas unverwüstlich positive Haltung, ihr großes Herz und ihre ansteckende Lebensfreude werde ich vermissen. Sie wird im Himmel einfach weiterspielen. Mach’s gut, Angel, auf Deiner Wolke.“

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