Nachruf

Grabenstätter Bäckermeisterwitwe Ferdinande Daxeder im Alter von 105 Jahren verstorben

Ferdinande Daxeder ist mit 105 Jahren verstorben.
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Ferdinande Daxeder ist mit 105 Jahren verstorben.
  • vonMarkus Müller
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Mit der allseits geschätzten Bäckermeisterwitwe Ferdinande „Fernande“ Daxeder ist vor wenigen Wochen eine der ältesten Bürgerinnen im Landkreis Traunstein mit 105 Jahren verstorben.

Grabenstätt – Am 28. März 2020 feierte die 1915 während des Ersten Weltkrieges in Hüsten im Hochsauerland geborene Lehrerstochter und zweifache Mutter, Großmutter und dreifache Urgroßmutter noch ihren 105. Geburtstag, ein drei Viertel Jahr später verstarb sie. Zahlreiche Besucher wollten sich bei der Beerdigung von der Verstorbenen persönlich verabschieden, doch wegen der Corona-Bestimmungen und einer begrenzten Anzahl an Sitzplätzen mussten einige draußen bleiben.

Der Grabenstätter Ortsheimatspfleger Gustl Lex hält den Nachruf

Sieben rumänischen Minoriten-Patres konzelebrierten das Requiem. Ortsheimatpfleger Gustl Lex hielt die Trauerrede. Er kannte Daxeder bereits als Kind. In seiner Rede ging er auf das arbeitsreiche und erfüllte Leben der Verstorbenen ein, die nach dem Besuch der Volksschule auf einer Handarbeitsschule von Ordensschwestern die Paramentenstickerei erlernte und dabei ein großes Talent entwickelte. Anschließend erhielt sie eine Lehrstelle als Köchin im benachbarten Schloss Melschede bei der Baronin von Wrede.

Mit 21 Jahren arbeitete die Sauerländerin in der Schlossküche

Da die Familie von Wrede seit 1924 in Grabenstätt ein Schloss (heutiges Rathaus) als Sommerresidenz besaß, kam Daxeder im Sommer 1936 mit 21 Jahren zum ersten Mal in den Chiemgau, um in der Grabenstätter Schlossküche zu arbeiten. „Nachdem s’Schloss sei Brot auch vom Daxeder, der Bäckerei am Mühlbach bezogen hat, hat Fernande amoi bei der Abholung Max den Bäckermoaster kenna glernt, der sich sofort für de überaus fesche Schlossköchin interessiert“, so Lex in seiner Trauerrede.

Weitere Nachrufe und Todesanzeigen finden Sie auf unserem Trauerportal.

Nach der Hochzeit im Bäckerladen gearbeitet

1938 folgte die Hochzeit, standesamtlich in Grabenstätt und kirchlich im Hochsauerland. Daxeder arbeitete von nun an im Bäckerladen und im März 1939 kam Sohn Max auf die Welt. Nach dem Krieg wurde die zwischenzeitlich geschlossene Bäckerei wiedereröffnet. Tochter Erika kam im Februar 1947 auf die Welt und 1954 richteten die Eheleute am Marktplatz die Bäckerei und einen Laden ein. Im Juni 1964 traf Daxeder ein schwerer Schicksalsschlag, denn ihr Mann Max starb mit 62 Jahren an Leukämie. Max Daxeder junior führte die Bäckerei weiter und die zierliche „Fernande“, so wurde sie seit ihrer Kindheit genannt, ging mit in die Backstube.

Der Sohn starb in den Armen der 90-Jährigen Fernande Daxeder

41 Jahre lang buken Mutter und Sohn miteinander, bis erneut das Schicksal zuschlug. „De Fernande is mittlerweile 90 Jahr alt, da stirbt am Samstag den 12. November 2005, mitten unter der Arbat in der Backstubn, da Max in ihre Händ“, so Lex. Es sei eine Katastrophe gewesen, die die Bäckerei zum Erliegen gebracht habe, aber nicht die Fernande. „Obwohl ihr der plötzliche Verlust gewaltig zugesetzt hat, moastert sie mit ihrem Gottvertrauen a diese Prüfung“, so Lex. Sie sei dann in den verdienten Ruhestand gegangen und habe ihren 100. Geburtstag 2015 in geistiger und körperlicher Frische feiern können.

Noch mit 100 Jahren reges Interesse an Kirche und dem Gemeindeleben

Auf die sonntäglichen Gottesdienstbesuche wollte sie bis ins hohe Alter nicht verzichten und interessierte sich für alles, was in der Gemeinde und in der Welt passierte. Daxeders Gesundheit ließ zwar in den letzten beiden Jahren nach, doch ihre Familie und insbesondere ihre drei Urenkel (Kinder von Tochter Erika) bereiteten ihr viel Freude. „Mit guate 105 Jahr hat der Herrgott sie beim Nama gruafa: `Fernande kimm Hoam!´, hat er gsagt. Woast no, wiast damals Hoamweh ghabt hast, als‘d auf Grabnstätt kemma bist? Bei mir gibts koa Hoamweh mehr, kimm, gehn ma zu deim Advent, zu deiner Ankunft, bei mir in die ewigen Hoamat“, schloss Lex seine Rede.

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