Hundesteuerhinterzieher im Visier

Nach Prien nun auch in Gstadt: Hundedetektive suchen schwarze Schafe

Ein professioneller Dienstleister sucht nach Schwarzhunden. Er soll in nächster Zeit die wahre Stückzahl von Vierbeinern im Gemeindegebiet Gstadt ermitteln.
+
Ein professioneller Dienstleister sucht nach Schwarzhunden. Er soll in nächster Zeit die wahre Stückzahl von Vierbeinern im Gemeindegebiet Gstadt ermitteln.
  • Tanja Weichold
    vonTanja Weichold
    schließen
  • Karl Wastl
    schließen

Nach Prien schickt nun auch die Gemeinde Gstadt bezüglich der steuerlichen Erfassung Hundedetektive los. Beauftragt wird das spezialisierte und zertifizierte Unternehmen Springer aus dem nordrhein-westfälischen Düren. Und schon bald könnte eine weitere Gemeinde dem Beispiel folgen.

Gstadt – Zwar treten die Hundeerfasser nicht als streitbare Schnüffler und Wadlbeisser in letzter Konsequenz auf, doch untersuchen sie immerhin im Rahmen von Befragungen an der Haustüre, ob alle Hundehalter ihre Vierbeiner angemeldet haben. Der Gemeinderat fasste in seiner Sitzung am Mittwoch einen einstimmigen Beschluss.

Als Spürhund im Auftrag der Kommune unterwegs

Rathaus-Geschäftsführer Thomas Wagner kontaktierte nach einem entsprechenden Auftrag des Gemeinderats an die Verwaltung die Firma Springer. Dessen Angebote präsentierte Wagner bei der Sitzung. Der professionelle Dienstleister werde mit seinen Mitarbeitern eine gesetzeskonforme Befragung aller Haushalte der Gemeinde durchführen. Das heißt auch, dass nur volljährige Personen interviewt werden.

Nach einer ausreichenden Legitimation befrage der Beauftragte die Bürger im Auftrag der Kommune, ob Hunde im Haushalt vorhanden sind, nach Anzahl, Rasse und Dauer der Hundehaltung.

Befragte können ihre Daten auf Wunsch selbst digital versenden

Die erfassten Daten könnten vor dem Versenden noch im Beisein des Bürgers korrigiert und sogar, wenn gewünscht, von ihm selbst versandt werden. Die Technik sei passwortgeschützt und so vor dem Zugriff Unbefugter sicher, erklärte Thomas Wagner dem Gemeinderat. Über die Vergütung wolle man erst nach der Sitzung der Nachbarkommune Breitbrunn einen Konsens finden.

Bürger mit Briefen vorab die Chance einräumen, ihre Hunde zu melden

Georg Anderl (Bürgerliste) präferierte eine briefliche Vorabinformation mit einer entsprechenden Frist an die Gemeindebürger. Vielleicht könne dann der eine oder andere Tierbesitzer seine verabsäumte Anmeldung nachholen. Dritter Bürgermeister Dominikus Schneider (FW) möchte von einer leistungsbezogenen Vergütung des Dienstleisters absehen, da ansonsten „ein verkehrter Eindruck“ entstehe.

Mehr zum Thema:

Steuerflüchtlingen auf der Spur: Hundedetektive spüren in Prien 88 illegale Vierbeiner auf

Nach eingehender Beratung sah das Gremium die Vorteile einer strukturierten Hundebestandsaufnahme und beschloss einhellig, das Angebot des Dienstleisters wahrzunehmen.

Kosten werden mit der Nachbarkommune Breitbrunn abgestimmt

Die Kosten werden mit der Nachbarkommune nach deren Beschlussfassung abgestimmt. Thomas Wagner erklärte auf Nachfrage unserer Zeitung, dass sich ein Auftrag nur allein in der Gemeinde Gstadt nicht rentiere, deshalb sei angedacht, Breitbrunn dazu zu nehmen. In Gstadt seien aktuell 41 Hunde gemeldet, in Breitbrunn doppelt soviele, nämlich 82. Ohne näher darauf einzugehen, sagte er: „Wir haben die Erfahrung gemacht, dass es eine Dunkelziffer gibt von Besitzern, die ihre Hunde nicht anmelden.“

Weitere Nachrichten aus dem Chiemgau finden Sie hier.

In Gstadt kostet jeder Hund 60 Euro Steuer pro Jahr. Für Kampfhunde müssen Frauchen und Herrchen 800 Euro berappen. Zwar sei eine Steuer rechtlich nicht an eine Gegenleistung geknüpft, doch verweist Wagner darauf, dass Hunde für die Gemeinde einen gewissen Aufwand bedeuten. Ein Beispiel seien die schon seit Jahren aufgestellten Hundetoiletten.

Tierschutzverein bekommt künftig 400 Euro mehr

Ein weiteres tierisches Thema in der gleichen Sitzung war eine neue Vereinbarung mit dem Tierschutzverein Rosenheim e.V. Der hatte der Gemeinde den Vertrag gekündigt, weil die bisherige Fundtierpauschale von 20 Cent nicht mehr ausreicht, die Kosten zu decken. Das Angebot des Vereins, den Vertrag gegen künftig 50 Cent je Einwohner pro Jahr aufrecht zu erhalten, nahm das Plenum einhellig an. Für die Gemeinde sind das bei rund 1200 Einwohnern künftig Mehrkosten von rund 400 Euro jährlich, erklärte Geschäftsführer Wagner auf Anfrage.

Sie haben eine Meinung zu diesem Thema? Klicken Sie hier und schreiben Sie uns einen Leserbrief.

Fundtierpauschale beinhaltet Rundumsorglospaket

Bürgermeister Bernhard Hainz (FW) informierte in der Sitzung, dass die Angaben des Statistischen Landesamtes über die gemeldeten Gstadter Hauptwohnsitze als Berechnungsgrundlage maßgeblich seien. Dafür verpflichten sich die Tierschützer, alle Fundtiere aus dem Gemeindegebiet aufzunehmen, soweit nach Art und Gattung eine tierschutzrechtliche Unterbringung möglich ist. Mit der jährlichen Pauschale seien alle Ansprüche auf Fundtiersatz gegen die Kommune abgegolten, so das Gemeindeoberhaupt weiter. Sogar notwendige Behandlungen und dergleichen mehr wären darin inkludiert.

Kommentare