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Folgen der Pandemie

Schule nach Corona - Wie groß sind die Defizite bei den Schülern in den westlichen Chiemgaukommunen? 

Der Tag des Buches an der Grundschule Rimsting ist heuer vielleicht wichtiger denn je. Denn Schulleiterin Eva Sigmund macht Lernlücken vor allem bei Erstklässlern aus, die während der Corona-Pandemie wechselnd im Präsenz- und Distanzunterricht waren.
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Der Tag des Buches an der Grundschule Rimsting ist heuer vielleicht wichtiger denn je. Denn Schulleiterin Eva Sigmund macht Lernlücken vor allem bei Erstklässlern aus, die während der Corona-Pandemie wechselnd im Präsenz- und Distanzunterricht waren.  
  • Jens Kirschner
    VonJens Kirschner
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Die Corona-Pandemie hat Schülern, Lehrern und Eltern einiges an Flexibilität abverlangt. Aber wie groß sind die Stofflücken, die gerade durch die wechselnden Unterrichtsformen entstanden sind?

Chiemgau – Wie groß sind die Lernrückstände bei Schülern nach dem coronabedingten Präsenz-, Wechsel- und Distanzunterricht? Der Deutsche Lehrerverband fordert spätestens zum kommenden Herbst mögliche Lücken, die sich bei Buben und Mädchen aufgetan haben könnten, durch entsprechende Tests zu erfassen.

Belastung durch Corona-Zeit

Eine „Lernstandserhebung“ nennt der Lehrerverband jene unbenoteten Arbeiten, die aufzeigen sollen, wie groß die Stofflücken sind, die sich bei den Schülern inzwischen ergeben haben. „Dass Lücken da sind, ist ganz klar“, sagt Eva Sigmund von der Grundschule Rimsting. Bei einigen Kindern fielen diese sogar eklatant aus, zum Beispiel beim Schriftspracherwerb. Dies sehe man an Schülern jener zweiten Klassen, die im Schuljahr zuvor am Heimunterricht teilnehmen mussten.

„Wir stellen in unserer täglichen Arbeit fest, dass gerade in den zweiten Klassen teils erhebliche Lücken, hauptsächlich in Deutsch vorhanden sind“, mahnt die Schulleiterin. Das führe mitunter auch dazu, dass Eltern den Schulpsychologen mit der Vermutung aufsuchten, ihr Kind leide unter Legasthenie.

Mehraufwand für Lehrer

Dabei bemühe sich das Kollegium, diese Lücken durch intensives Üben mit den Schülern wieder zu schließen. Ein Mehraufwand, den die Lehrer zu stemmen hätten. Für Eva Sigmund jedoch keine Überraschung: „Wir wissen alle, dass die Coronazeit unendlich viel von den Kindern, den Eltern, aber auch den Lehrern gefordert hat. Diese Mehrbelastung ist noch nicht vorbei“, mahnt sie.

Anders bewertet die Situation die Leiterin der Grundschule Gstadt-Breitbrunn, Heidrun Möderl. „Ich behaupte jetzt mal, dass es bei uns keine großen Lernrückstände gibt“, sagt sie im Gespräch mit den OVB-Heimatzeitungen. Man sei im Rahmen der Coronapandemie dazu angehalten gewesen, festzulegen, welcher Stoff für die Schüler einer Jahrgangsstufe besonders wichtig ist, damit sie auch in der folgenden Klasse mitkommen können. Tests, wie sie der Deutsche Lehrerverband fordert, sieht sie eher bei den weiterführenden, nicht bei den Grundschulen.

Betroffene Erstklässler

Die Hoffnung, dass sich mit dem Heim- und Wechselunterricht während der Pandemie-Phasen nur wenige Lücken im Lernstoff bei den Schülern auftun würden, hatte jedoch auch Möderls Schulleiter-Kollegin aus Rimsting. Vor einem halben Jahr habe man jedoch im Kollegium wahrgenommen, dass gerade die Schüler der ersten Klasse, die auf Distanz zu Hause unterrichtet wurden, Lücken aufwiesen. Es bleibt dabei: „Wir bemühen uns, diese Lücken auszugleichen und hoffen, dass wir das hinbekommen“, sagt Eva Sigmund.

Angelika Elsner ist die Leiterin des Staatlichen Schulamts Rosenheim, das auch für die Grundschulen im Landkreis verantwortlich zeichnet. Sie beruhigt: „Wir hatten ein Schuljahr in Präsenz, da wurde viel an Lernstoff wieder aufgeholt“, sagt Elsner. Sie ist überzeugt, dass jede Schule mit „herausragendem Engagement“ versucht habe, vieles wieder aufzuholen.

Unterschiedlich durch die Pandemie

Ebenso verweist Elsner auf das Förderprogramm „gemeinsam.Brücken.Bauen“ der bayerischen Staatsregierung, mit dem pandemiebedingte Nachteile für Schüler ausgeglichen werden sollten, darunter mit Ferienkursen. Jedoch: „Dieser Prozess wird noch ein Schuljahr brauchen, vielleicht auch länger“, sagt die Schulamtsleiterin über den Zeitbedarf, um bestehende Lücken beim Lernfortschritt der Schüler zu schließen.

Die Schüler seien ganz unterschiedlich durch die Pandemie gekommen. Und besagtes Förderprogramm hält sie für einen guten Weg, um Lernrückstände aufzuholen. „Aber gut Ding will Weile haben“, sagt sie und betont, dass „gemeinsam.Brücken.Bauen“ auch deswegen auf zwei Jahre angelegt sei. So oder so gestalte sich die Situation schwierig, weil man nie wisse, was die Schulen in Sachen Covid-19 noch erwarte. Dabei gibt sie sich optimistisch, dass Wechsel- und Distanzunterricht wohl künftig nicht zu befürchten seien und der Schulbetrieb normal weiterlaufen könne, trotz Corona.

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