Nach Mückenbekämpfung am Chiemsee warnt Biologe: Starkregen fördert Plagen

Der Hubschrauber mit dem Bti-Spezialanhänger beim Start am Campingsplatz in Übersee-Feldwies.
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Der Hubschrauber mit dem Bti-Spezialanhänger beim Start am Campingsplatz in Übersee-Feldwies.
  • Dirk Breitfuß
    vonDirk Breitfuß
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Der Einsatz des Eiweißpräparats BTI am 10. August hat die meisten Stechmückenlarven rund um den Chiemsee abgetötet, aber bei Weiten nicht alle. Trotzdem sind die Verantwortlichen mit dem Ergebnis der Aktion zufrieden.

Chiemsee – Die Mückenbekämpfung am 10. August am Chiemsee war erfolgreich. Aber bestimmte Starkregenkonstellationen können eine explosionsattige Vermehrung der Stechmücken begünstigen. Der Austritt von Seeon-Seebruck aus der Solidargemeinschaft der Chiemseegemeinden wird sich negativ auf Mückenplagen auch in anderen Gemeinden auswirken. Das sind die wichtigsten Erkenntnisse der Firma Icybac nach der jüngsten Bekämpfungsaktion, die Biologe Dirk Reichle in einem Bericht ausführlich nachbearbeitet hat.

Etwa 200.000 Euro hatten sich die Mitgliedsgemeinden des Abwasser- und Umweltverbands (AUV) Chiemsee den Hubschraubereinsatz am 10. August kosten lassen. Nach Dauerregen und Hochwasser war der Pegel des Bayerischen Meeres in kürzester Zeit um fast einen Meter gestiegen. Sobald die Wiesen in Ufernähe unter Wasser stehen, beginnen sich die Stechmückeneier dort zu entwickeln.

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Überflutungen schon Anfang Juli

Schon Anfang Juli standen viele Wiesen unter Wasser, aber der Chiemseepegel stieg an der Messstelle in Seebruck damals nur bis 1,11 Meter, fünf zu wenig. Denn ein Pegel von 1,16 an dieser Stelle ist eine der Bedingungen im Genehmigungsbescheid der Regierung, damit Mücken bekämpft werden dürfen. Deshalb waren AUV und die Firma Icybac aus Speyer am Rhein, die seit den späten 1990er Jahren die BTI-Einsätze im Chiemsee durchführt, damals machtlos und mussten mit ansehen, wie sich eine Generation der Stechmücken entwickelte und Einheimische wie Urlauber gleichermaßen pisackte.

„Es kam bereits zum Massenschlupf von Überschwemmungsmückenlarven“ schreibt Reichle in seinem Bericht. Und weiter: „Betrachtet man in Bezug auf die letzten beiden Jahre den Genehmigungsbescheid, so muss man feststellen, dass Starkregenereignisse hierin nicht berücksichtigt sind.“

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Damit es im August nicht noch schlimmer kam, drängte die Zeit. Denn die Larven brauchen nur wenige Tage, um sich zu fertigen Stechmücken zu entwickeln. Am 6. August steig der Pegel über den Grenzwert und schnell bis auf 1,54 Meter an. Am 7. und 8. August nahmen vier Biologen von Icybac Proben rund um den See, denn Mindestzahlen von Larven darin sind eine weitere Bedingung für den Bti-Einsatz. Der folgte am Montag, 10. August und hat wohl Schlimmeres verhindert. Denn die damaligen Temperaturen über 30 Grad beschleunigen die Mückenentwicklung.

Stechmückenfallen rund um den Chiemsee

Zufrieden mit dem Erfolg ist AUV-Vorsitzender Andreas Fenzl (CSU). Der Rimstinger Bürgermeister möchte noch den Abschlussbericht von Icybac abwarten, bevor er ein umfangreicheres Resümmee zieht. Unabhängig davon werde sich der AUV in einer der nächsten Sitzungen ausführlich mit dem Thema Mückenbekämpfung beschäftigen. Unter anderem müssen die finanziellen Weichen gestellt werden, um für die nächsten Jahre vorbereitet zu sein.

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Zehn Tage nach dem Hubschraubereinsatz stellten die Biologen von Icybac an 17 Standorten rund um den See Fallen auf. In den Spezialkonstruktionen mit Trockeneisbehälter zur CO2-Produktion, Ventilator, Glühlämpchen als Lockmittel und Fangnetz sammelten sie über Nacht Stechmücken ein. „Größere Insekten, unter anderem Nachtschmetterlinge, werden wegen des zu schwachen Luftstroms des Ventilators nicht eingesaugt“, betont Icybac, dass die Fangaktion gezielt den Stechmücken galt.

Mücken haben „hohe Wanderfreudigkeit“

In einer Falle zählten die Biologen die Mücken genau und wogen sie ab. Dies galt dann als Referenzwert, um je nach Gewicht die Mückenzahlen in den anderen Fallen zu schätzen. Die meisten Individuen gingen den Biologen in Gollenshausen ins Netz, nämlich 1102. Dies führt Reichle vor allem darauf zurück, dass im benachbarten Seebruck kein Bti eingesetzt worden war, weil sich der damalige Gemeinderat 2019 mit knapper Mehrheit gegen eine weitere Beteiligung an der AUV-Aktion ausgesprochen hatte.

„Überschwemmungsmücken zeichnen sich durch eine hohe Wanderfreudigkeit aus“; erklärt der Biologe, dass die Insekten einen Aktionsradius von mehren Kilometern haben.

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Weil die Mückenplage in Seebruck heuer sehr extrem war, wurden dort inzwischen schon Stimmen laut, die ablehnende Haltung zu revidieren. Viele Einheimische und Urlauber hatten in der Zeit nach der Bti-Bekämpfung in allen anderen Chiemseegemeinden über extrem viele Mückenstiche geklagt.

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