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INSELDOM WIRD HERGERICHTET FÜR FÜHRUNGEN

Nach fast 100 Jahren geht Tür wieder auf

Beeindruckend sind die Gewölbeund erhaltenen Deckengemälde des Inseldoms. Offensichtlich sind hier aber auch die Schäden, die der Zahn der Zeit hier hinterlassen hat.
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Beeindruckend sind die Gewölbeund erhaltenen Deckengemälde des Inseldoms. Offensichtlich sind hier aber auch die Schäden, die der Zahn der Zeit hier hinterlassen hat.

Von außen eher unscheinbar, vereint keines der Gebäude auf der Herreninsel so viele Spuren historischer Epochen in sich wie der Inseldom. Seit fast 100 Jahren ist er für die Öffentlichkeit aus Sicherheitsgründen gesperrt. Nun wird er für mindestens 1,3 Millionen so hergerichtet, dass voraussichtlich ab 2019 wieder Gruppenführungen möglich sind. Bayerns Finanzminister Markus Söder stellte gestern die Pläne vor.

Herreninsel/Chiemsee – Seit Jahrzehnten setzt sich der rührige Verein der Freunde von Herrenchiemsee für die Öffnung der früheren Bischofskathedrale ein, seit Jahren unterstützt sie ebenso beharrlich der CSU-Landtagsabgeordnete Klaus Stöttner, und Inselbürgermeister Georg Huber hatte den Glauben eigentlich schon aufgegeben, dass sich in dieser Sache einmal Entscheidendes tut.

Wenn schon nicht die Sonne angemessen lachte, als Bayerns Finanzminister gestern Instandsetzungsmaßnahmen ab 2018 in Aussicht stellte, strahlten Vereinsvorsitzender Dr. Friedrich von Daumiller, Stöttner und Huber dafür um die Wette, denn „für uns ist das ein Jubeltag, der in die Vereinsanalen eingehen wird“, sagte von Daumiller und Stöttner sprach ebenfalls von einem „großen Tag für Herrenchiemsee“. Er hatte 2015 mit Otto Lederer, Klaus Steiner und weiteren Fraktionskollegen im Landtag beantragt, Konzepte für die Wiedereröffnung zu entwickeln. Um seinem Anliegen Nachdruck zu verleihen, hatte er Söder im Herbst 2015 schon einmal auf die Insel begleitet.

In der Vergangenheit geisterten mitunter utopische Summen von bis zu 40 Millionen Euro beziehungsweise 80 Millionen Mark umher, wenn es um den Inseldom ging. Jetzt liegt ein realistisches und spruchreifes Konzept vor. „Für eine Wiedereröffnung sind Erschließungs- und Sanierungsmaßnahmen nötig. Hierfür werden wir mindestens 1,3 Millionen Euro investieren“, kündigte Söder vorbehaltlich eines entsprechenden Beschlusses im Zuge der Haushaltsberatungen an.

Die Planung beinhaltet einen freistehenden Glasaufzug, den Einbau einer Stahlsteg- und Plattformkonstruktion zum Teil aus Glas, die Instandsetzung von Treppen sowie Brandschutzmaßnahmen, zählte der Minister auf. Offene Bodenflächen sollen geschlossen werden, freigelegte Fundamente bleiben jedoch sichtbar.

Die Freunde von Herrenchiemsee wollen sich zusammen mit der örtlichen Schlösserverwaltung um Führungen für Gruppen bemühen, die nach den Arbeiten möglich sind. Jetzt geht das nicht. Im Boden klaffen Löcher, die Treppen, die über Zwischenböden bis nah an die Deckengewölbe führen, rosten, Balken knarren.

Das einst prunkvolle Gotteshaus, ursprünglich Teil des Augustiner Chorherrenstifts, eines der ältesten Klöster nördlich der Alpen, war ab 1215 Kathedrale der Bischöfe des Bistums Chiemsee. In den Jahren 1676 bis 1679 wurde die Domstiftskirche durch den Graubündner Barockbaumeister Lorenzo Sciasca weitgehend neu gestaltet. Die Fresken sind an vielen Stellen noch recht gut erhalten.

„Wir schließen eine alte, kleine Narbe im historischen Herz der Insel.“ Markus Söder, Finanzminister

Nach der Säkularisation ließ der Münchner Großkaufmann Alois von Fleckinger Anfang des 19. Jahrhunderts die Türme und den Chor abreißen und richtete eine Brauerei ein. Seit deren Schließung 1917 stand das Bauwerk leer. Zu Kriegszeiten fanden aber immer wieder Flüchtlinge dort vorübergehend eine Bleibe. Davon zeugen viele Inschriften an den Wänden, die eine weitere historische Facette vor Augen führen.

In den Jahren 1995 bis 1997 hatte die staatliche Schlösserverwaltung mit Investitionen von rund zwei Millionen Euro in Dachstuhl, Dacheindeckung sowie Außenfassaden den Inseldom schon teilweise instandgesetzt, um dem weiteren Verfall vorzubeugen.

Söder würdigte den Inseldom gestern als „steinernes Zeugnis der wechselvollen Geschichte Bayerns. Wir schließen eine alte, kleine Narbe im historischen Herz der Insel.“

Mit einer speziellen Beleuchtung sollen die verschiedenen historischen Epochen bei den Führungen visualisiert werden. Das entspricht dem Ziel der Freunde von Herrenchiemsee, „Geschichte für Kenner und Liebhaber erlebbar zu machen“, kommentierte von Daumiller. Auch Huber sah dies als vordringliches Ziel. Weitergehende Träume, zum Beispiel, die Türme der Kirche wieder aufbauen zu wollen, die nach der Säkularisation abgerissen worden waren, seien unrealistisch. „Man kann das Rad der Geschichte nicht zurückdrehen“, so Huber.

Wer vor der Instandsetzung schon ein paar Blicke auf den Inseldom werfen möchte, kann dies auf großformatigen Bildern und Infotafeln nur wenige Schritte vom verschlossenen Eingang entfernt in einem Erdgeschossraum des Chorherrenstifts. Schüler des Priener Ludwig-Thoma-Gymnasiums hatten vor Jahren diese kleine Ausstellung entwickelt.

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