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Reparatur kostet 200.000 Euro

Nach dem Untergang des Flaggschiffs „Rolf“: Wasserwacht Prien muss mit Leihboot retten

Ende August 2020 mussten die Priener Wasserwachtler ihren Rolf an Land heben. Seitdem liegt er – inzwischen unter einer Plane geschützt – auf dem Vereinsgelände in Stock.
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Ende August 2020 mussten die Priener Wasserwachtler ihren Rolf an Land heben. Seitdem liegt er – inzwischen unter einer Plane geschützt – auf dem Vereinsgelände in Stock.
  • Dirk Breitfuß
    vonDirk Breitfuß
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Der 29. August 2020 war ein schwarzer Tag für die Wasserwacht Prien-Rimsting. Über Nacht war „Rolf“, das Rettungsboot, an seinem Ankerplatz gesunken. Jetzt können die Priener auf ein Leihboot zurückgreifen, das aber wegen der offenen Kabine nicht für den Personentransport geeignet ist.

Prien – Rolf soll repariert werden. Das wird wohl knapp 200.000 Euro kosten, hat ein Gutachter errechnet. Wann das Rettungsboot wieder einsatzfähig sein wird, ist derzeit unklar.

„Rolf“ wurde fast komplett geflutet

Ein gerissener Dichtungsring auf der Welle des Jet-Antriebs war wohl schuld, dass Ende August vergangenen Jahres der Maschinenraum von Rolf fast komplett geflutet wurde, erzählen Vorsitzender Christian Frölich und sein Stellvertreter Werner Vietz im Gespräch mit der Chiemgau-Zeitung.

Durch ein Loch in diesem Dichtungsring drang Wasser ins Boot.

Als das 7,5 Tonnen schwere „Vielzweck-Rettungsboot“ durch das eindringende Wasser schon in Schieflage geraten war, strömte durch ein Loch im Auspuff, das unter Isoliermaterial verborgen lag, zusätzlich Wasser ein.

Neuanschaffung würde wohl 400.000 Euro kosten

Es gibt nur wenige vergleichbare Boote auf deutschen Binnengewässern. Deshalb war die Bestandsaufnahme der Schäden und die Untersuchung mit Hilfe eines Gutachters, ob eine Reparatur bei einem 20 Jahre alten Boot wirtschaftlich vertretbar wäre, ein langwieriger Prozess.

Weil aber der Rumpf von Rolf noch völlig intakt ist, kommt eine Neuanschaffung nicht infrage. Die hätte wohl an die 400.000 Euro gekostet. „Alles, wo ,Boot’ draufsteht, ist eben teuer“, flüchtet sich der Zweite Vorsitzende angesichts solcher Summen in Sarkasmus.

Finanzierung der teuren Reparatur noch nicht geklärt

Zudem steckt die Priener Wasserwacht kontinuierlich viel Geld in die Instandhaltung von Rolf, damit er ihr noch lange Dienste leistet. Allein aus den vergangenen zehn Jahren summieren sich Vietz zufolge die Belege über Unterhaltungs-Kosten auf 76 .000 Euro.

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Erst seit Weihnachten liegen Zahlen für die weiteren Überlegungen auf dem Tisch. Rund 190.000 Euro wird es laut Frölich kosten, Rolf wieder flott zu machen. Jetzt muss sich die Wasserwacht über die Finanzierung den Kopf zerbrechen. Wäre Rolf bei Sturm im Chiemsee versunken, hätte eine Versicherung gegriffen. Die bleibt bei dem Wasserschaden, der durch den Defekt von Verschleißteilen verursacht wurde, aber außen vor.

Leihboot für unbestimmte Zeit

Vor dem Beginn der Wachsaison am letzten April-Wochenende haben die Priener immerhin rechtzeitig ein Leihboot bekommen – auf unbestimmte Zeit, wie Vietz betont. Es hat, ebenso wie Hans, das Schlauchboot mit Alurumpf, einen Außenbord-Motor, sodass die Eingewöhnung für die mehr als zwei Dutzend Bootsführer nicht zu schwierig ist.

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Die Feuertaufe hatte das Aushilfsboot schon Anfang April bestanden. Beim ersten Alarm der Saison galt es, bei starkem Wind, einen vermissten Kajakfahrer im Schafwaschener Winkel zu finden. Die Priener entdeckten den Mann am Ufer und nahmen ihn an Bord.

Reparaturtermin von „Rolf“ noch unklar

Wann Rolf repariert wird, ist derzeit noch offen. Das über elf Meter lange Schiff mit dem 600-PS-Motor, der die Retter schnell an Unglücksstellen bringen kann, ist eine Spezialanfertigung. Nur eine Handvoll ähnlicher Boote fährt laut Vietz auf deutschen Binnengewässern. Die Schiffe der Wasserwachtenin Bernau gebaut von der Firma Heistracher von der Fraueninsel und Chieming, gebaut von einer Werft in Wilhelmshaven, seien ähnliche Modelle.

Wahrscheinlich muss Rolf irgendwann die Reise an die Nordsee antreten, um wieder flott gemacht zu werden.

Bis zu 50 Personentransporte pro Saison

Nach dem Ausfall von Rolf kam es Vietz zufolge 2020 zu keinerlei Engpässen in der Rettung. Weil Corona-bedingt Schloss und Museen sowie Gastronomie auf den Inseln die meiste Zeit geschlossen blieben, sei der Andrang nicht so groß gewesen wie in anderen Jahren. Medizinische Notfälle auf den Inseln sind eigentlich in der Sommersaison oft Auslöser für Einsatzfahrten.

Die Priener Wasserwacht habe in den vergangenen Jahren meist zwischen 40 und 50 solcher Fahrten absolviert. Die Vertretung übernimmt bis auf weiteres die Wasserwacht Bernau auf Grundlage der sogenannten Ausrücke-Verordnung für den Chiemsee.

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Rolf hat seit seiner Taufe am 26. Mai 2001 die Priener Wasserwachtler schon zu 2100 Einsätzen gebracht. Darunter waren laut Vorsitzendem Christian Frölich allein 750 Rettungsdienst-Fahrten. Diese Einsätze mit Personentransport sind mit dem offenen Leihboot heuer nicht möglich. Deshalb muss bei Bedarf die Nachbar-Wasserwacht aus Bernau in die Bresche springen. Das ist in einem Vertrag der Rettungsdienste am Chiemsee so festgeschrieben.

Versorgung von Kranken und Verletzten auf Chiemsee gewährleistet

Benannt ist das Flaggschiff der Priener nach Rolf Kleinhans, einem verdienten, ehemaligen Vorsitzenden der Wasserwacht.

Die Versorgung von Kranken und Verletzten auf dem Chiemsee und den Inseln ist sichergestellt, auch wenn die Wasserwacht Prien wegen ihres ausgefallenen Bootes keine Personentransporte durchführen kann. Das versicherte Stefan Rotter Vorsitzender der Wasserwacht Bernau, im Gespräch mit der Chiemgau-Zeitung. Die Bernauer übernehmen bis auf Weiteres diese Fahrten.

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„Es ist immer genug Personal da“, betonte Rotter. Im Spätsommer 2020, als die Bernauer nach dem Ausfall von Rolf auch schon eingesprungen waren, habe sich dies in den Einsatzzahlen kaum ausgewirkt, berichtete Bernaus oberster Wasserwachtler. Auch im Chiemseepark Felden hat die Wasserwacht, wie in Prien, bereits ihren regelmäßigen Wachdienst an den Wochenenden nach der Winterpause wieder aufgenommen.

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