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Dehoga-Sprecher Willi Mehlhart über Situation in Bernau

Nach Corona-Lockdown: Urlauber-Ansturm im Sommer am Chiemsee

Die Bernauer Hoteliers sind gut gerüstet für die Gäste, wie hier Dehoga-Sprecher Willi Mehlhart mit seiner Frau Dorothea.
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Die Bernauer Hoteliers sind gut gerüstet für die Gäste, wie hier Dehoga-Sprecher Willi Mehlhart mit seiner Frau Dorothea.
  • Tanja Weichold
    VonTanja Weichold
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Die Hotelbetten der Gemeinde Bernau am Chiemsee sind traditionell über den Sommer sehr gut gefüllt, heuer allerdings schienen die Gäste nach dem langen Corona-Lockdown regelrecht nach Urlaub ausgehungert zu sein.

Bernau – Nach den langen Monaten der Corona-Schließungen verzeichnen Bernauer Hoteliers und Gastronomen bislang eine starke Sommersaison. Willi Mehlhart, Sprecher des örtlichen Hotel- und Gaststättenverbandes (Dehoga), blickt im Gespräch mit den OVB-Heimatzeitungen nach einem verhaltenen Start Ende Pfingsten auf einen „enormen Zulauf“ von Gästen zurück. Auch für den Oktober füllen sich die Plätze bereits.

Gutes Geschäft trotz schwierigem Wetter

Trotz der „schwierigen Wetterlage im Sommer“ haben seiner Wahrnehmung nach auch die Gastronomen ein gutes Geschäft gemacht. Die Hotels in Bernau am Chiemsee seien in der Sommersaison traditionell sehr gut ausgelastet. Auch heuer seien sie „enorm voll“ gewesen. Was auffallend gewesen sei: „Wir konnten besonders viele Anfragen nicht bedienen.“ In seinem Hotel Jägerhof seien dies pro Tag bis zu zehn gewesen, darunter sehr viele spontane Anfragen, zum Beispiel von Radtouristen.

Im Gespräch mit Kollegen sei deutlich geworden, dass das Check-In-Verfahren aufgrund der Corona-Bedingungen sehr aufwendig gewesen sei. Bereits im Vorfeld seien den Gästen E-Mails geschickt worden mit dem Hinweis auf die geltenden Regeln. „Das alles kostet Zeit“, so Mehlhart.

Er fügt allerdings an: „Es entwickeln sich Automatismen. Die Reinigungskraft hält ihre Hand beim Vorbeigehen gewohnheitsmäßig unter den Desinfektionsspender, da denkt sie schon gar nicht mehr drüber nach.“ Auffallend sei auch gewesen, dass die Gäste „fast ausschließlich“ geimpft seien.

„Die sind alle froh gewesen, dass sie einfach einmal wegfahren konnten“, so seine Beobachtung. Die Urlauber in seinem Haus stammten heuer zu 95 Prozent aus Deutschland. Vor Kurzem habe er nach zwei Jahren zum ersten Mal wieder einen amerikanischen Gast begrüßt, merkt er an.

Wenn er die Gäste-Bewertungen Revue passieren lässt, muss er allerdings auch ein wenig Wasser in den Wein gießen. „Der Verkehr ist ein Ärgernis, von Bernau bis Prien hat man teilweise eine Viertelstunde gebraucht.“ Der Reiseverkehr habe zeitweise die Autobahn verstopft und auch zwischen Grassau und Bernau gehe es oft nur im Stop-and-Go-Tempo voran.

Aufgestoßen seien seinen Gästen auch die „hohen Parkgebühren am See“. Wie berichtet hatte der Gemeinderat im Februar eine deutliche Erhöhung beschlossen. Ein Grund dafür war die Tatsache, dass Bernau weit unter dem Durchschnitt anderer Gemeinden lag. Eine weitere Begründung lautete damals, dass viele Tagestouristen ihre Autos in Bernau-Felden abstellen, mit dem Rad losfahren und vor Ort kein Geld ausgeben würden.

Der Herbst lässt sich bereits gut an

„Immer ein Kritikpunkt der Gäste“ sei die Landwirtschaft. Traktoren auf den Straßen und spätes Arbeiten am Feld bei Flutlicht sowie Gerüche von der Gülle würden bemängelt.

Für den Herbst verzeichnen die Bernauer Hoteliers laut Mehlhart schon „gute Buchungen“. Auffallend sei, dass die Gäste angesichts der unsicheren Entwicklung wegen Corona Vorsicht walten lassen und oft nicht weiter als vier Wochen im Voraus planen wollen. „Da grassiert wohl die Angst, dass uns angesichts der steigenden Zahlen das gleiche Schicksal wie vergangenen Herbst ereilen könnte“, meint der Dehoga-Sprecher.

Absagen wegen Corona werden von den Hotels allerdings sehr kulant gehandhabt, wobei er selbst nicht an einen erneuten Lockdown glaube, wie Mehlhart sagt. Für wahrscheinlicher hält er eine 2-G-Regel, dass also nur noch geimpfte und genesene Gäste kommen dürfen.

„Einigermaßen gut“ durch die Krise

Die Lockdown seien für Existenzen in der Branche „höchst bedrohlich“ gewesen. Dank Staatshilfen und dem guten Sommer glaubt er aber, dass zumindest die Bernauer Tourismusunternehmer bislang „einigermaßen gut“ durch die Krise gekommen seien.

Die erhöhten Parkgebühren in Felden sorgten für Kritik.

Parken teurer:

Willi Mehlhart, Bernauer Sprecher des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbandes (Dehoga), meldet leise Kritik an, dass die angekündigten Park-Vergünstigungen in Bernau-Felden mit der Kurkarte bislang noch nicht umgesetzt seien.

Auf Nachfrage erklärte dazu Bürgermeisterin Irene Biebl-Daiber (CSU): „Im Moment haben wir dort unten Kassenautomaten, die keine QR-Codes oder Strichcodes einlesen können, das weiß Herr Mehlhart auch. Wir sind gerade dabei, das ganze Parkleitsystem auszuschreiben und das dann auch mit neuen Kassenautomaten, die dann die Kurkarten auch einlesen können.“ Wie viel Nachlass es dann gebe, müsse der Gemeinderat noch diskutieren. Die Parkgebühren kommen nach der Saison noch einmal auf die Tagesordnung, wenn Erfahrungswerte gesammelt sind.

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Attraktives Angebot für die Besucher:

Großes Lob spricht Willi Mehlhart, Bernauer Sprecher des Hotel- und Gaststättenverbandes, der örtlichen Tourist-Info aus. Das Angebot an Veranstaltungen sei sehr gut gewesen: „Die haben einen guten Job gemacht.“ Er führt als Beispiele die Gartenkonzerte und das erstmals auf die Beine gestellte Open-air-Kino an. Außerdem seien Give-Aways (kleine Geschenke) gekauft worden, die an die Gäste verteilt und sehr gut angekommen seien. „Das ist gut für die Stammgastpflege“, so der Hotelier. Das gut ausgebaute Wege- und Themennetz führt er als Grund für den auffallend starken Radtourismus an, der sich wiederum positiv auf die Hotelbelegungen auswirkt. Und auch der Salz-Alpen-Steig erweise sich als attraktives Angebot, wegen dem Urlauber explizit anreisen.

Deutlich mehr Gäste, längerer Urlaub:

Chiemsee-Alpenland-Geschäftsführerin Christina Pfaffinger erklärt auf Nachfrage: „Im Vergleich zum Juni vergangenen Jahres waren es heuer 23,6 Prozent mehr Übernachtungen.“ Nicht nur deutlich mehr Urlauber seien in der Region gewesen, sie seien auch länger geblieben. „Der Trend geht aktuell wieder zum echten Jahresurlaub mit 14 Tagen und länger“, so Pfaffinger. In erster Linie wollten sich 90 Prozent der Gäste erholen und die Natur genießen. Radeln und Wandern seien die klassischen Urlaubsaktivitäten: „Gerade diese beiden Segmente erfuhren durch die Pandemie nochmals einen deutlichen Aufwind.“ Deutlich fehlten für den städtischen Bereich und für die Sehenswürdigkeiten noch Gruppen, Tagungen und ausländische Gäste, die Hoffnungen ruhen auf 2022.

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