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Baustelle in der Ortsmitte

„Nach Corona der zweite Schlag“ - Marquartsteiner Gewerbe leiden unter Sanierung der B 305

Mitten durchs Marquartsteiner Zentrum führt die Baustelle der B 305.
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Mitten durchs Marquartsteiner Zentrum führt die Baustelle der B 305.
  • Heidi Geyer
    VonHeidi Geyer
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Neben Dreck und Staub bis zu 60 Prozent Umsatzeinbrüche – das ist die Bilanz der Gewerbetreibenden im Marquartsteiner Zentrum. Die Ortsdurchfahrt wird saniert, daher wird der Verkehr umgeleitet. Nun wird auch Kritik an Bürgermeister Andreas Scheck laut.

Marquartstein – Den Lockdown haben sie überstanden, nun haben viele Marquartsteiner Gewerbetreibende eine Baustelle vor der Tür, die das Geschäft bremst. Das Ortszentrum ist zwar trotz Sanierung der Ortsdurchfahrt der B 305 zu erreichen, allerdings bleiben die Kunden aus.

„Wir haben 60 Prozent Umsatzeinbrüche“, sagt Rudolf Ammer-Landbauer, Wirt des Gasthofs Prinzregent. „Leute, die zum Essen kommen wollen, finden zum Teil nicht her“, meint er. Denn zwar kann das Ortszentrum angefahren werden, aber zum Teil nur umständlich. Claudia Pfeiffer ist Inhaberin des Maerz Bekleidungsgeschäfts im Hinterbergerbau direkt an der Bundesstraße. „Wir haben viele Kunden aus Schleching und Kössen, die werden aber derzeit über Staudach umgeleitet“, sagt sie im Gespräch mit der Chiemgau-Zeitung. Ihr Geschäft wäre zwar über Süßen und Lanzing erreichbar und damit viel schneller. Allerdings ist in Raiten beschildert, dass man nur bis zum Steinbruch fahren kann. „Einige Kunden rufen sogar an und fragen, ob wir geschlossen haben“, bilanziert Pfeiffer.

„Kreuzung muss entschärft werden“

Für die Geschäftsleute war es ohnehin wegen des Lockdowns ein schweres Jahr. „Nun kommt auch noch das“, meint Pfeiffer. Wobei sie grundsätzlich großes Verständnis für die Baustelle habe: „Es ist sehr wichtig, dass die Kreuzung an der Lanzinger Straße entschärft wird und ich weiß auch, dass man das eben mal tun muss.“

Unzufrieden ist auch Kornelia Osanna, die im Marquartsteiner Zentrum einen Friseursalon betreibt. „Meine Kunden nehmen die Umleitung in Kauf, schließlich geht man ja nicht so oft zum Friseur“, sagt die Friseurin.

Kein Wasser beim Friseur?

Allerdings braucht sie neben Kamm und Schere auch Wasser, um ihre Arbeit machen zu können. Dumm nur, wenn das nicht fließt. Wegen der Bauarbeiten an der B 305 sollte ihr am vergangenen Mittwoch das Wasser abgestellt werden, erfuhr sie einige Tage vorab. Osanna rief daraufhin alle ihre Kunden an und verschob die bereits vereinbarten Termine. Nur um dann am Montag von der Gemeinde zu erfahren: Das Wasser wird zu diesem Termin nun doch nicht abgestellt, sondern erst zu einem späteren Termin.

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Ihr Kollege Michael Oberessl betreibt in der Staudacher Straße einen Friseursalon: „Die Laufkundschaft gleich null“, ist seine Bilanz. Und er fragt sich, ob man es nicht hätte es besser lösen können: „Dass man so schnell wie möglich die Kreuzung an der Lanzinger Straße öffnet, zumindest einspurigen Verkehr durchlässt, auf dem Teil, der bereits geteert ist.“

Er hätte sich gewünscht, dass mehr Parkplätze in der Staudacher Straße freigegeben werden und die Brücke zumindest für den Verkehr in eine Richtung freigegeben werde. Vermisst habe er hingegen einen Ortstermin von Bürgermeister Andreas Scheck (BfM) gemeinsam mit den Gewerbetreibenden. Kornelia Osanna sieht das auch so: „Es hapert an der Kommunikation.“ In Marquartstein sei ohnehin nicht mehr viel Gewerbe übrig und sie hätte es begrüßt, wenn Scheck sich dafür Zeit genommen hätte. Zumal die Gemeinde auch von den Gewerbesteuereinnahmen lebe.

Die alte Achenbrücke ist tagsüber für den Durchgangsverkehr gesperrt.

Bürgermeister Scheck äußert sich zu Kritik

Bürgermeister Scheck kann die Kritik nicht verstehen: „Wir geben uns größte Mühe.“ Einen Ortstermin habe er nicht für zielführend gehalten. In Bezug auf den Termin, zu dem das Wasser abgestellt werden sollte und der dann doch verschoben wurde, sagt er: „Wir haben früher informiert, als wir es eigentlich müssten, denn das sind 48 Stunden und ist uns in diesem Fall zum Verhängnis geworden.“

Natürlich sei es nicht toll, dass Termine verschoben werden müssen, aber man müsse auch sehen, dass man zehn Jahre zuverlässig Wasser ohne jede Unterbrechung geliefert hab und Baustellen seien eben komplex: „Aber davon geht die Welt nicht unter.“ Beim Hinterbergerbau habe man sich sehr bemüht, die Situation zu verbessern. Dies bestätigen auch die Gewerbetreibenden, etwa bei der Parkplatzsituation.

Gerüchteküche brodelt im Dorf

In Marquartstein gehen viele Gerüchte um, unter anderem ist schon jetzt von einer Verzögerung der Baustelle die Rede. „Tatsächlich haben wir im Bauabschnitt eins Verzögerungen gehabt, unter anderem weil teerhaltige Fahrbahnbeläge gefunden wurden und dafür ein spezielles Verfahren nötig ist“, erklärt Scheck. Man habe entsprechend umgeplant und der Bauabschnitt zwei sei planmäßig gestartet.

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Auf die Vorschläge, die Baustelle und die Umleitung anders zu organisieren positioniert sich Scheck abermals klar. Man habe verschiedene Varianten geprüft, diese seien aber nicht umsetzbar. „Priorität hat für uns der Öffentliche Nahverkehr. Auf der Achenbrücke geht daher kein Einbahnverkehr“, so Scheck. Wenn die Baustelle fertig sei, werde auch die Attraktivität des Zentrums höher. „Und davon profitieren auch die Gewerbetreibenden“, sagt der Bürgermeister.

Ein Verbot, das keinen kümmert

Die alte Achenbrücke in Marquartstein ist für die Dauer der Baustelle tagsüber für den Verkehr gesperrt. Ausgenommen sind Linienbusse des RVO und Radfahrer und Fußgänger. Nur: Viele halten sich nicht daran. Beim Ortstermin der Reporterin fahren minütlich Autos über die Brücke – Einheimische wie Auswärtige. Sogar ein Fahrschulauto mit Rosenheimer Kennzeichen ist dabei. Übersehen kann man die Umleitung und die Sperrung der Brücke kaum. Auch Google Maps leitet Verkehrsteilnehmer nicht über die alte Achenbrücke, sondern über die Umleitung. Bürgermeister Andreas Scheck (BfM) vermutet jedoch, dass auch einige Autofahrer fehlgeleitet werden, die ein altes Navi benutzen. Aber er findet auch: „Das Verhalten vieler Verkehrsteilnehmer, die sich bewusst nicht daran halten, ist traurig.“ Die Polizei Grassau kontrolliert den Verkehr auf der alten Achenbrücke. „Ein Verstoß kostet 30 Euro“, berichtet Oberkommissar Jörg Weiberg.

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