Hans-Dieter Dummert

Nach 2750 Einsätzen in Prien und im Chiemgau: Der Nikolaus in der Corona-Zwangspause

Nikolaus Hans-Dieter Dummert bei einem seiner ungezählten, früheren Einsätze im Eichental.
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Nikolaus Hans-Dieter Dummert bei einem seiner ungezählten, früheren Einsätze im Eichental.
  • Anton Hötzelsperger
    vonAnton Hötzelsperger
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Seit 40 Jahren schlüpft der Priener Pfarrgemeinderatsvorsitzende Hans-Dieter Dummert in den roten Mantel und besucht am 5. Dezember die Familien in ihren Stuben. Nun zwingt ihn Corona in die Zwangspause. Kein Grund, sich nicht an aufregende und amüsante Einsätze zu erinnern.

Prien – Der Nikolaus kommt überall hin — zumindest normalerweise. Einmal herrschte so arges Schneetreiben, dass er vor einem steilen Berg in Hötzelsberg kapitulierte. Ein ander Mal stolperte eine Oma über den Nikolausstab und einmal staunte ein Autofahrer nicht schlecht, wer da aus dem Fahrzeug ausstieg, auf das er soeben aufgefahren war. Nach 40 Jahren als Nikolaus hat Hans-Dieter Dummert aus Prien wahrlich viel zu erzählen.

Die weiteste Anreise vom Prien aus zu einem Freund nach Schwaben

Der langjährige Pfarrgemeinderatsvorsitzende erinnert sich gut und gerne: „Insgesamt habe ich 2.750 Besuche abgestattet, meine Auftrittsorte waren über Prien hinaus im ganzen Chiemgau. Die weiteste Anfahrt hatte ich mal bis ins Schwabenland aufgrund einer privaten Freundschaft.“ Hans-Dieter Dummert besuchte aber nicht nur private Haushalte, sondern auch Institutionen aller Art, zum Beispiel Kindergärten, Schulen, Altenheime, Krankenhäuser, Kirchenchöre, Ministranten oder die Polizei-Inspektion.

Premierenabend endet mit geklebtem Stab

Wie kam Hans-Dieter Dummert zu seiner Nikolaus-Karriere? Im Herbst 1973 bestellte er für seinen Sohn den Nikolaus. Harald Josef Reichvilser hatte das Amt bereits 25 Jahre inne. Er konnte allerdings wegen eines Unfalls nicht mehr als Nikolaus gehen. „Er schlug vor, dass ich es doch selbst machen sollte – ich überlegte und sagte zu“.

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Der 5. Dezember 1973 war Premieren-Tag. Bereits am Morgen war Dummert höchst aufgeregt, erinnert er sich. Doch nach 19 Familien-Besuchen war die Premiere erfolgreich – bis auf den dritten Besuch. „Da passierte mir beim Eintritt ins Wohnzimmer ein Malheur, ich hatte den Stab an den Schrank gelehnt, die aufgeregte Oma stolperte drüber, der Stab fiel krachend zu Boden und zerbrach. Dank eines guten Klebers konnten wir die Fahrt durch Prien fortsetzen“.Wenige Tage später wurde der Heilige Nikolaus noch für die Weihnachtsfeier beim örtlichen Roten Kreuz bestellt, dabei galt es 13 maschinengeschriebene Seiten in Versform zu verlesen, die Verse dichtete Paula Wörndl.

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1974 besorgte sich Hans-Dieter Dummert ein eigenes Gewand, nachdem er sich im ersten Jahre das von Josef Reichvilser ausgeliehen hatte. „Mein Chaffeur war auch der Krampus. 15 Jahre lang machte dies Edi Guggenbichler, er hatte einen prächtigen Hasenfellmantel“, erzählt Dummert. In jenem Jahr stand auch noch ein Sonderbesuch beim Altenclub an. Die Leiterin war damals Regina Moosbauer, die geistliche Betreuung lag in den Händen von Pfarrer Andreas Blas. Ein Jahr später wurde Pfarrer Konrad Huber der Hausherr in der Priener Kirche sowie im Priener Pfarrhof und Pfarrheim.

„Aber zum Bieseln darf ich doch aufstehen?“

Natürlich gibt es nach so vielen Jahren viele lustige Begebenheiten zu erzählen, so 1974 als er einen Buben ermahnen sollte, nicht nachts herum zu geistern, sondern brav in seinem Bett zu bleiben. Darauf antwortete der Bub: „Aber zum Bieseln darf ich doch aufstehen?“. Gerne erinnert er sich an die Besuche im Kindergarten St. Irmengard bei Schwester Oberin Radolfa, nach dem ersten Jahr folgten noch weitere 34 Jahre.

Straße war in Öd vom Schnee verweht

In den 40 Jahren begegneten Hans-Dieter Dummert natürlich alle denkbaren Witterungsumstände. 1998 tobte ein besonders arger Schneesturm, da war zum Beispiel in Öd bei Rimsting keine Straße mehr zu erkennen. Einer Familie im nahen Hötzelsberg musste abgesagt werden, ein Raufkommen auf den steilen Berg war einfach nicht möglich. Einmal, zehn Jahre später im Jahr 2008, kam es am Seestraßen-Kreisel zu einem unverschuldeten Unfall. „Da staunte der Unfallverursacher, der auf unser Auto aufgefahren war, nicht schlecht, als aus unserem Auto der Krampus ausstieg“, erinnert sich Dummert amüsiert.

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Bub wünscht dem Nikolaus die ewige Ruhe

Zum Abschluss seines Rückblicks erzählt Hans-Dieter Dummert noch eine Anekdote von einem Buben, der normalerweise recht vorlaut war. „Als der Vater bei meinem Besuch den schweigenden Buben bat, doch etwas zu beten, sagte dieser: Oh Herr, gib ihm die Ewige Ruhe.“

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Erster Preis beim Nikolaus-Treffen

1990 nahm Hans-Dieter Dummert als einer von 15 Nikolaus-Kollegen an einem Nikolaus-Treffen in Traunstein beim Christkindlmarkt teil. Bei der Prämierung bekam er vom damaligen Traunsteiner Oberbürgermeister den Ersten Preis. Das „Silber-Jubiläum“ des Nikolauses in Person von Hans-Dieter Dummert wurde 1997 im Sitzungssaal des Priener Rathauses mit den Priener Seniorinnen und Senioren und mit dem damaligen Bürgermeister Lorenz Kollmannsberger gefeiert.

Im Jahr 2010 trat Hans-Dieter Dummert für eine Kindersendung sogar zur Mittagszeit im ARD-Fernsehen auf.

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