Landrat Wolfgang Berthaler weist Kritik von Hoteliers in Prien an Behörde in Rosenheim zurück

Amt musste "unverzüglich reagieren"

Prien - Für Diskussionen sorgt die Sperrung von Hotelzimmern in Prien wegen mangelnden Brandschutzes durch das Landratsamt (wir berichteten). Landrat Wolfgang Berthaler weist die Kritik der betroffenen Hoteliers zurück: Der Eindruck, die Behörde handle zu schnell, übe sich nicht in Geduld, sorge für wirtschaftlichen Schaden und möglicherweise für rote Zahlen in der Jahresbilanz, "kann so nicht stehen gelassen werden".

Grundsätzlich sei jede Gemeinde oder Stadt verpflichtet, den Brandschutz in öffentlich zugänglichen Gebäuden wie Schulen, Kindergärten, Theatern, Hotels, Gaststätten oder Kirchen in Abständen überprüfen zu lassen. Im konkreten Fall fanden laut dem Landrat auf Veranlassung der Gemeinde Prien im Oktober vergangenen Jahres so genannte Feuerbeschauungen in den Hotels "Reinhart" und "Fischer am See" statt. Der externe Brandschutzexperte habe Mängel festgestellt und sie im Herbst 2014 der Gemeinde und den Eigentümern mitgeteilt. "Das Landratsamt selbst wurde erst ein knappes Dreivierteljahr später über den Sachverhalt informiert. Hätte das Landratsamt im Oktober oder November 2014 Kenntnis erhalten, hätten die Mängel im Brandschutz im Winter beseitigt werden können." Und Berthaler weiter: "Im Übrigen müssen sich Eigentümer und Pächter die Frage gefallen lassen, warum sie nicht selbst tätig wurden, obwohl ihnen die Missstände bekannt waren." Im Hotel "Luitpold" habe die Feuerbeschau Mitte Juni dieses Jahres stattgefunden.

"Wenn die Brandexperten bei einer Feuerbeschau unter anderem zu dem Ergebnis 'Gefahr für Leib und Leben' kommen, dann ist das Landratsamt Rosenheim gezwungen, unverzüglich zu reagieren", betont der Landrat weiter. Diese Formulierung bedeute, dass der erste Fluchtweg schwer mangelhaft und ein zweiter Fluchtweg "nicht vorhanden oder ebenfalls schwer mangelhaft" sei.

Der Pächter des Hotels "Fischer am See", Manfred Beer, wird mit der Aussage zitiert, die Behörde habe nicht reagiert. "Warum er den Ortstermin Ende Juli verschwieg, wissen wir nicht", so Berthaler. Dessen Aussage "es sei weiter nicht gewiss, was genau zu machen sei, vor allem was das Landratsamt sehen möchte" überrasche. Brandschutzvorschriften für Übernachtungsbetriebe und Gaststätten seien allgemeingültig. Zudem kennen laut Berthaler Eigentümer und Pächter die nach der Feuerbeschau erstellte Mängelliste. Zur Erstellung von Brandschutzkonzepten gebe es Fachleute.

"Der Vorwurf, mit den Sperrungen wirtschaftlichen Schaden zu verursachen, muss mit einer Gegenfrage beantwortet werden. Sie lautet: Wer übernimmt in der Zwischenzeit die Verantwortung im Brandfall? Hypothetisch gesprochen, sollten bei einem Feuer Personen zu Schaden kommen, die in einem Zimmer übernachtet haben, das aufgrund des Ergebnisses der Feuerbeschau 'Gefahr für Leib und Leben' eigentlich gesperrt sein müsste, dann hätten das Landratsamt, die Gemeinde sowie Eigentümer und Pächter ein Problem mit der Staatsanwaltschaft."

Der Landrat erinnert daran, dass in der Nacht zu Pfingstsamstag ein Gästehaus einer Eventfirma in Schneizlreuth brannte. "Obwohl der Firma die Genehmigung, im Dachgeschoss Gäste übernachten zu lassen, mangels Brandschutz verweigert worden war, schliefen dort mehrere Personen." Der Geschäftsführer sitze bis heute in Untersuchungshaft, gegen ihn werde wegen des Verdachts der fahrlässigen Tötung in sechs Fällen sowie der fahrlässigen Körperverletzung in acht Fällen ermittelt. "Im übertragenen Sinne ist das kein kleiner Tsunami, sondern ein großer." re

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