Chiemsee-Gemeinden rüsten sich gegen Mückenplage: Das ist geplant

  • Dirk Breitfuß
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Durch das Hochwasser in Flüssen und Bächen wird auch der Chiemsee-Pegel in den nächsten Tagen mit Verzögerung noch weiter steigen. Wenn in Ufernähe Wiesen überschwemmt werden, schlüpfen dort Milliarden Steckmücken.

Chiemsee – Der Abwasser- und Umweltverband (AUV) Chiemsee, Zusammenschluss aller zehn Anliegergemeinden, wappnet sich schon, um eine Mückenplage zu verhindern. Am Donnerstag reisen vier Biologen der Firma Icybac vom Niederrhein an, mit der der AUV bei der Mückenbekämpfung seit 1998 zusammenarbeitet.

Hubschrauber soll Mitte nächster Woche aufsteigen

Sie werden sich am Wochenende ein Bild über die Zahl der Mückenlarven in den Überschwemmungsgebieten machen. AUV-Geschäftsführer Thomas Weimann geht fest davon aus, dass eine Mückenbekämpfung nächste Woche notwendig wird, berichtete er am Dienstag Vormittag nach Absprache mit AUV-Vorsitzendem Andreas Fenzl der Chiemgau-Zeitung.

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Icybac verteilt dann vom Hubschrauber aus Bti auf den überschwemmten Flächen. Das Eiweißpräparat Bacillus thuringiensis israelensis ist am Chiemsee schon oft erfolgreich eingesetzt worden, zuletzt 2015. Das Mittel tötet die Mückenlarven ab.

Das sind die Voraussetzungen für den Einsatz von Bti

Damit Bti verwendet werden darf, müssen mehrere Voraussetzungen erfüllt sein. Der Pegel in Seebruck am Abfluss des Chiemsees in die Alz muss bei mindestens 1,16 Metern liegen und bei Schöpfproben müssen bestimmte Mindest-Zahlen von Mückenlarven gefunden werden. Für einen Bti-Einsatz plant der AUV nach Erfahrungen aus der Vergangenheit rund 160 ein.

Neun der zehn Mitgliedsgemeinden zahlen, je nach Einwohnerzahl und Größe des Gemeindegebiets, ihre Beiträge. Nur Seeon-Seebruck nicht. Die Kommune am nördlichen Ufer des Bayerischen Meeres hatte nach einem knappen Mehrheitsbeschluss des damaligen Gemeinderates im Frühjahr 2019 ihren Ausstieg aus der gemeinsamen Mückenbekämpfung erklärt. Bis zu zwei Bti-Einsätze in einem Jahr sind nach den Vorgaben des Bayerischen Umweltministeriums am Chiemsee erlaubt.

Zeitplan für den Einsatz

Weimann rechnet damit, dass spätestens am Montag Ergebnisse der Proben und ein entsprechendes Angebot der Partnerfirma Icybac vorliegen. Dann könnte der Bti-Hubschrauber Mitte nächster Woche starten.

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Wenn die Konstellation günstig für die Mückenentwicklung ist, ist Eile geboten. Hochwasser und warme Temperaturen sind der ideale Nährboden für die Plagegeister. Die Larven brauchen nur wenige Tage, um sich zur fertigen Stechmücke zu entwickeln. Übrigens stechen nu die Weibchen der Stechmücke, die auch oft mit anderen Insekten verwechselt wird, zum Beispiel mit Hausmücken. Die Fachleute sprechen daher von „Überschwemmungsmücken“

Im Juni 2019 wegen „diffuser“ Lage kein Einsatz

Zuletzt waren die Biologen von Icybac im Juni 2019 am Chiemsee. Damals gingen beim AUV und in den Rathäusern innerhalb weniger Tage zahlreiche Beschwerden von Vermietern und Urlaubern ein. Mancherorts waren entnervte Urlauber vorzeitig abgereist, obwohl sie eigentlich 14 Tage Chiemsee gebucht hatten. Die Fachleute vom Niederrhein hatten damals ein „diffuses“ Lagebild gezeichnet. Der AUV verzichtete im vergangenen Jahr dann auf den teuren Hubschraubereinsatz. 

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