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Trends und Gefahren auf dem Chiemsee

Motorsurfer und Zwei-Meter-Wellen – die Wasserwacht Bernau erlebt eine turbulente Saison

Alles im Blick – Forian Bickert (rechts) und Stefan Rotter von der Wasserwacht in Bernau.
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Alles im Blick – Forian Bickert (rechts) und Stefan Rotter von der Wasserwacht in Bernau.
  • Oliver Lang
    VonOliver Lang
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Die Wasserretter zu den aktuellen Entwicklungen auf dem Chiemsee und ihren spektakulärsten Einsätzen der Saison

Bernau – Rettungsschwimmer, Sanitäter, Wasserretter, Bootsführer – die Wasserwacht Bernau ist personell gut aufgestellt. Zum Glück, denn es vergeht kaum ein Tag, an dem die Aktiven nicht aufs Wasser müssen – und zwar meistens dann, wenn es ungemütlich und gefährlich wird. Stefan Rotter, Vorsitzender der Wasserwacht, und Florian Bickert, technischer Leiter, im Interview.

Beobachten Sie auf dem Chiemsee neue Trends?

Stefan Rotter: Relativ neu sind die Wingsurfer, die per „Flügel“ extremen Auf- und Vortrieb kriegen und bei denen die Boards weit über dem Wasser schweben. Dann haben wir inzwischen auch die ersten Surfbretter am See, die unten eine elektrisch betriebene Turbine haben und damit bis zu 45 Kilometer pro Stunde schnell werden. Das kann durchaus zu Gefahren für Schwimmer führen. Insgesamt haben wir sehr viele Wassersportler auf dem See – inzwischen auch weit entfernt von der Wasserkante.

Hat sich – vielleicht auch coronabedingt – die Schwimmkompetenz verschlechtert?

Rotter: Das wäre mir nicht aufgefallen. Es ist vielleicht eher eine Frage des Alters oder der Herkunft. Urlauber ohne Bezug zu Wasser tun sich sicher schwerer.

Sind Flüchtlinge in dieser Hinsicht auffällig?

Rotter: Das war in der Hochphase der Flüchtlingswelle der Fall. Hier haben wir aber viele Projekte umgesetzt, die gut angenommen wurden.

Wie entstehen die gefährlichsten Situationen auf dem Wasser?

Rotter: Das ist sicherlich das Wetter. Gerade auf dem Chiemsee kann sich die Lage schnell und dramatisch ändern. Und dann steht man zwei Meter hohen Wellen gegenüber. Dazu kommt definitiv Leichtsinn. Viele, und damit meine ich auch Einheimische, denken, dass sie mit einem Wassergefährt oder einer Schwimmhilfe sicher sind. Sobald man reinfällt, besonders wenn der Körper erhitzt ist, kann es gefährlich werden. Doch die wenigsten Wassersportler haben Schutzausrüstung wie Rettungswesten oder Bojen dabei.

Was war der spektakulärste Einsatz dieses Jahr?

Florian Bickert: Einer der außergewöhnlichsten Tage war sicherlich der letzte Samstag.

Was ist denn passiert?

Rotter: Wir hatten parallel zwei Einsätze auf der Fraueninsel, was ungewöhnlich ist. Und dann zog auch noch ein Unwetter auf.

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Wie lief der Inseleinsatz ab?

Rotter: Es war gegen 14 Uhr, als der Piepser das erste Mal losging. Laut Rettungsleitstelle stand bei der Betroffenen die Diagnose Schlaganfall im Raum.

Wie ging es weiter?

Rotter: Wir haben uns mit dem hauptamtlichen BRK-Rettungspersonal aus Prien abgestimmt zum weiteren Vorgehen. Abgeholt haben wir die Kollegen an der Anlegestelle vor dem Klinikum. Wir waren gerade dabei, zur Fraueninsel überzusetzen, als der zweite Notruf reinkam. Dabei ging es um eine gestürzte Person, auch sie eine Bewohnerin der Insel. Mit unserem zweiten Boot haben wir daraufhin die Bad Endorfer Rettungsdienstkollegen bei der Wasserwacht in Prien abgeholt.

Ist es gut ausgegangen?

Rotter: Wir haben beide Patienten sicher und in stabilem Zustand zur weiteren Untersuchung an Land gebracht.

Doch damit war der Rettungstag noch nicht vorbei?

Rotter: Nein. Auf der Rückfahrt von der Klinik tauchte am Himmel eine markante Wolkenwalze auf, die uns Böses befürchten ließ. Doch wir mussten nach der langen Strecke erst mal zurück zum Tanken. Vorsichtshalber habe ich unsere Mannschaft aufgefordert, ihre „Bekleidungsdeko“ währenddessen auf Wasserrettung umzustellen – mit Neoprenanzügen, Handschuhen, Westen. Eben mit allem, was dazugehört.

Bickert: Ich war zu dem Zeitpunkt schon beim Setzen der Bojen für das Langstreckenschwimmen von der Fraueninsel zum Strandbad Übersee, das am nächsten Tag mit über 200 Teilnehmern stattfinden sollte. Als ich ein Segelboot entdeckte, das in Bedrängnis zu sein schien, bot ich ihnen an, sie heimzuschleppen. Doch dann kam die Gischt und die Segel gingen auf.

Ein reines Abschleppen war dann nicht mehr möglich?

Bickert: Nein, ich habe die Mannschaft an Bord genommen und hierher gebracht. Ums Segelboot haben sich im Nachgang die Kollegen gekümmert, nachdem sie noch zwei Kanufahrer rausgefischt hatten.

Auch das noch?

Rotter: Auf halber Strecke zum Segelboot mussten wir eine Vollbremsung einlegen, als wir zwei Kanufahrer entdeckten. Eine Frau war bereits im Wasser ohne Möglichkeit, ihr gekentertes Kanu umzudrehen. Mit dem Wurfretter (ein Leinensack mit gut 20 Meter Leine, Anm. d. Red.), den ich der Frau zuwarf, konnte sie an Bord genommen werden. Auch ihren Begleiter nahmen wir auf.

Eine lebensgefährliche Situation?

Rotter: Absolut!

...und die Kanus?

Rotter: Auch die haben wir aufgenommen und sicher an Land gebracht.

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