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Schüler pflegen ihren Dialekt

Mittelschule Prien entwickelt Mund-ART-Weg: Bairisch-Kurs am Wegesrand

Alle freuen sich auf den Mundartweg und haben sich extra fürs Foto in bairische Schale geschmissen: Hinter den Masken verstecken sich (von links) die Schüler Hansi (Johannes) Messerer, Benedikt Ammer, Leon Klampfleitner und Jonas Rappel, Schulleiter Marcus Hübl, Schülersprecherin Isabella Funk, Lehrerin Andrea Fischer, Mitinitiator Herbert Reiter, Schülersprecherin Hanna Schlosser und Lehrerin Daniela Heß, die mit Kollegin Fischer die Umsetzung des Projekts organisiert.
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Alle freuen sich auf den Mundartweg und haben sich extra fürs Foto in bairische Schale geschmissen: Hinter den Masken verstecken sich (von links) die Schüler Hansi (Johannes) Messerer, Benedikt Ammer, Leon Klampfleitner und Jonas Rappel, Schulleiter Marcus Hübl, Schülersprecherin Isabella Funk, Lehrerin Andrea Fischer, Mitinitiator Herbert Reiter, Schülersprecherin Hanna Schlosser und Lehrerin Daniela Heß, die mit Kollegin Fischer die Umsetzung des Projekts organisiert.
  • Dirk Breitfuß
    VonDirk Breitfuß
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Im Sommer 2020 können Einheimische und Gäste quasi im Vorbeigehen Bairisch lernen. Die Schüler der Franziska-Hager-Mittelschule entwickeln gerade einen Mund-ART-Weg mit 100 Begriffserklärungen, verteilt auf Infotafeln in acht Gemeinden.

Prien – „Mei, bist Du ein Depp!“ Andrea Fischer sagt den Satz dreimal und je nach Zungenschlag und Betonung sagt er jedes Mal etwas anders – zwischen Liebeserklärung und Beleidigung. Mit dem Beispiel demonstriert die Lehrerin der Franziska-Hager-Mittelschule, wie vielschichtig die bairische Sprache ist. Das will die Schule nun mit einem Mund-ART-Weg der Öffentlichkeit vor Augen führen.

Bis zum Schuljahresende sollen in jeder Gemeinde des Schulsprengels Wegabschnitte mit bis zu zehn Schildern ausgestattet werden. Auf ihnen wird bildlich, mit erklärenden (hochdeutschen) Texten und QR-Codes als Zugang zu passenden Audio-Dateien ein Mundart-Begriff vorgestellt und erklärt werden.

Prien präsentiert die Landwirtschaft

Jede Kommune habe sich bereits ein Themengebiet und ein Stück Weg reserviert, berichtet Rektor Marcus Hübl. So wird es in Prien rund um den Wanderparkplatz Elperting um landwirtschaftliche Begriffe gehen, am Rimstinger Römerweg in Westernach wird es ums Brauchtum gehen und am Hofanger in Gstadt werden die heimische Flora und Fauna im Mittelpunkt stehen

Herbert Reiter, Leiter der Tourist-Info in Aschau, rannte mit seinem Vorschlag für einen Mund-ART-Weg bei der Priener Schule offene Türen ein. Er ist überzeugt: Des werd a pfundige G´schicht.“ Inspiriert für den Mundart-Erlebnispfad“ hat den kreativen Kopf der Erfolg des Bankerl-Wegs in seiner Heimatgemeinde Aschau.

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Die Kommunen aus dem Schulsprengel gaben schnell grünes Licht, Sponsoren für die etwa 100 Infotafeln waren auch bald gefunden. Der Bayernbund stehe dem Projekt in Person des Rosenheimer Kreisvorsitzenden Christian Glas aus Eggstätt und von Dr. Helmut Wittmann aus Seeon ebenfalls unterstützend zur Seite, freut sich der Schulleiter.

Jetzt machen sich die beiden Lehrerinnen Andrea Fischer und Daniela Heß mit allen Klassen an die Umsetzung. Auch bei den Schülern scheint das Bairisch-Projekt schon sehr angesagt zu sein. „Mir ham gleich oa, zwoa Stund g´ratscht“, berichtet Heßlächelnd von einem Traumstart im Unterricht.

Jeweils zwei bis drei Klassen sollen brainstormen und 15 bis 20 aktuelle bairische Begriffe aus ihrem Themengebiet zusammentragen, aus denen die Gemeinden dann ihre Favoriten auswählen. Zur Ideenfindung stellt der Rektor sogar Exkursionen in Aussicht.

Schüler produzieren Audio-Erklärungen

Ob die Endauswahl dann an einem Schreibtisch im Rathaus passiert oder im Gemeinderat ausführlich ausg´ratscht (diskutiert) wird, sei den Kommunen überlassen, so Hübl. Ein Logo für den Mund-ART-Weg und erste Entwürfe für die optische Darstellung der Begriffe am Beispiel von „Semmiknedl mit Rehrl“ (Semmelknödel mit Pfifferlingen) aus der Feder der Aschauer Grafikerin Cristina Wimmer kursieren schon im Kreis der Beteiligten. Die Infotafeln sollen Fischer zufolge aber auch mit QR-Codes versehen werden. Wer sie scannt gelangt zu Audio-Dateien, in denen Priener Mittelschüler anschauliche Beispiele für die Verwendung des jeweiligen Begriffs aufnehmen.

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Bis jeder einzelne feststeht, könnten noch einige Diskussionen bevorstehen. Sogar in der vermeintlich kleinen Region rund um den Chiemsee gebe es Unterschiede bei der Verwendung bairischer Wörter, gibt Heß zu bedenken und nennt als Beispiel Mille und Muich als je nach Gemeinde verwendete Ausdrücke für Milch.

Der Umgang mit dem heimischen Dialekt wird an der Priener Mittelschule entspannt und unverkrampft gehandhabt. Früher war das anders: Heß erinnert sich, wie sie als junge Referendarin einmal Ärger bekommen hatte, weil sie im Unterricht bairisch sprach.

Schüler dürfen Lehrer duzen

Heute verfährt sie nach eigenen Angaben nach dem Motto „Wie es in den Wald hineinruft, so schallt es heraus“. Das heißt: Wenn ein Schüler die Lehrerin bairisch anredet, antwortet sie auch im Dialekt. Da verschwimmen auch die Grenzen zwischen Du und Sie. „Viele Kinder sagen ,Griaß di‘“, berichtet die Pädagogin. Wichtig sei der Ton, der mache sprichwörtlich die Musik im gegenseitigen, respektvollen Umgang.

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Die beiden Lehrerinnen, die das Mund-ART-Projekt an der Franziska-Hager-Mittelschule leiten, sind Bayerinnen durch und durch. Andrea Fischer stammt aus Greimharting und ist der breiten Öffentlichkeit vor allem als Abteilungsleiterin der Priener TuS-Fußballer bekannt. Die Wurzeln von Daniela Heß reichen bis nach Niederbayern zurück. Aber sie lebt schon lange in Breitbrunn und engagiert sich dort vor allem als Vorsitzende des Reitvereins „D´ Rosserer“.

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