Mitkommen als Geschäftsmodell: Eine Bernauerin begleitet Menschen zu fast allen Anlässen

Daniela Steinberger begleitete einen ihren Kunden auch schon zu den Bayreuther Festspielen. Namen nennt sie nicht, Diskretion gehört zum Geschäft.
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Daniela Steinberger begleitete einen ihren Kunden auch schon zu den Bayreuther Festspielen. Namen nennt sie nicht, Diskretion gehört zum Geschäft.
  • Dirk Breitfuß
    vonDirk Breitfuß
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Es klingt ganz einfach: Ich begleite Menschen in (fast) allen Lebenslagen und verdiene damit meinen Lebensunterhalt. Das ist das Geschäftsmodell von Daniela Steinberger aus Bernau. Die 35-Jährige hat mit ihrem „DS Service – Weltweite Begleitung für Jung und Alt“ ihre Berufung gefunden.

Bernau –„Irgendwann hat mich meine erste Kundin gefragt, ob ich sie auf einer Reise in den Bayerischen Wald begleiten will“, erinnert sich Steinberger, wie alles begann. Die Dame in den 70ern ist auf den Rollator angewiesen und hatte Angst, allein zu reisen. „Ich habe nicht lange überlegt und gefunden, was wohl schon immer in mir war: Meine Berufung.“

„Jeder hat eigene Vorstellungen für seine Zeit“

Steinberger wagte den Sprung in die Selbstständigkeit. Inzwischen hat sie schon einen festen Kundenstamm im Alter von 20 bis 85, vom Rollstuhlfahrer, der in die Allianz Arena möchte, über den Geschäftsmann, der eine Begleitung zu den Wagner-Festspielen in Bayreuth sucht bis zum Rentner, der einmal im Leben nach Australien will.

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„Jede Begleitung ist anders“, sagt die junge Frau. „Jeder hat eigene Vorstellungen, wie man Zeit am besten verbringt und natürlich hat jeder seine eigenen Bedürfnisse.“ Sie stellt sich auf alles ein – fast. Anfangs habe es auch eindeutig zweideutige Anfragen gegeben, räumt die 35-Jährige ein. Aber: Liebe auf Zeit kann man bei mir nicht kaufen“, zieht sie eine dicke rote Linie.

Teneriffa, Venedig oder Kroatien: Die 35-Jährige kommt viel rum

Und auch bei allen anderen Anfragen sind ab und an welche dabei, wo die Flexibilität der Bernauerin an Grenzen stößt. Die Einladung eines Blinden zu einer Gletscherwanderung hat sie ebenso ausgeschlagen wie eine Anfrage zur Reisebegleitung in ein Kriegsgebiet.

Was Steinberger anbietet, also einen Begleitservice, gibt es in dieser Form bisher kaum, hat sie zur eigenen Überraschung festgestellt. Teneriffa, Venedig oder Kroatien: Die 35-Jährige kommt viel rum und scheut kaum eine Herausforderung. So hat sie zum Beispiel unlängst eine Frau nach Irland begleitet, weil die Bammel vor dem Linksverkehr auf der grünen Insel hatte. Die Bernauerin übernahm das Steuer und plante auf Wunsch auch vorab die Insel-Rundreise. Und unternahm nach der Rückkehr mit einem Schriftsteller einen Städtetrip zur Vorbereitung für dessen nächstes Buch, weil seine Frau keine Lust auf Städtetrips hatte.

„Social Distancing‘ ist viel älter als die Corona Pandemie“

Vertrauen, Taktgefühl, ein gut sortierter Kleiderschrank und Geduld sind Voraussetzungen für Steinbergers Job. Nicht selten gerät sie an Kunden, die einsam sind und einfach jemand zum Zuhören brauchen, erzählt die Bernauerin. „In einer Zeit, in der wir keine Zeit haben, Zeit zu verlieren, bleibt unsere Seele oft auf der Strecke. ,Social Distancing‘ ist viel älter als die Corona Pandemie. Menschen, die sich einsam fühlen, wissen das. Ja, manchmal bin ich auch als Therapeutin oder Taxifahrer gefragt. Da fließen auch schon mal Tränen.“

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Sie nennt das, was sie anbietet, „Quality Time“. Ihre Vorbildung kommt ihr dabei zugute. Steinberger ist nicht nur Bürokauffrau, sie hat auch als Reiseleiterin und Seniorenassistentin gearbeitet.

Die Corona-Krise hat Steinbergers Geschäft zeitweise vollständig zum Erliegen gebracht. Sie hat die Zeit, die teilweise auch für sie frustrierend gewesen sei, sinnvoll genutzt und ein Fernstudium zur Alltagsbetreuerin begonnen um ihr Portfolio zu erweitern.

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