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Wechsel nach München

„Mit Wehmut verbunden“ – Pfarrer verlässt Seeon

Pfarrer Rüdiger Karmann bewohnte zwei Jahre lang eines der idyllischsten Pfarrhäuser Deutschlands – direkt am Seeoner See.
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Pfarrer Rüdiger Karmann bewohnte zwei Jahre lang eines der idyllischsten Pfarrhäuser Deutschlands – direkt am Seeoner See.

Keine einfache Zeit liegt hinter Pfarrer Rüdiger Karmann. Nun verlässt er Seeon und wechselt in die Krankenhausseelsorge. Über ein einsames Pfarrhaus, die Pandemie und Konflikte in der Pfarrei.

Seeon-Seebruck – Pfarrer Rüdiger Karmann, der seit Juli 2019 den Pfarrverband Seeon-Seebruck leitet, wird Ende Mai Seeon verlassen und als Klinikseelsorger nach München wechseln, wo er gebraucht werde. Der Vorschlag zum Wechsel ging vom Ordinariat aus, Pfarrer Karmann äußerte in Gesprächen mit dem Ordinariat, sich vom Dienst in der Pfarrei in die kategoriale Klinikseelsorge zu verändern.

Nun erhielt Karmann den Bescheid aus München, dass seine Gemeindeleitung zum 1. Juni endet. „Eine gute pastorale Versorgung des Pfarrverbands soll jedoch trotz der personellen Veränderung erhalten bleiben“: So steht es im Veröffentlichungstext des Erzbischöflichen Ordinariats, der von Pfarrer Karmann am zweiten Fastensonntag in den Gottesdiensten mitgeteilt wurde.

Einsames Pfarrhaus und Corona

In den letzten zwei Jahren hat Karmann eines der idyllischsten Pfarrhäuser in Deutschland – direkt am Seeoner See, neben der Walpurgis-Kapelle, vor der Klosterkirche gelegen - bewohnt, im Gespräch mit der Lokalzeitung betont er aber, er sei nicht wegen dem See in den Chiemgau gekommen, sondern wegen den Menschen. Für ihn habe das Pfarrhaus allerdings nicht die ideale Lage, weil es nicht bei den Menschen im Ort liegt. „Über dem Pfarrhaus in Seeon liegt eine gewisse Einsamkeit“, so Karmann. Allerdings habe er im Sommer viele Kontakte zu den Touristen knüpfen können, die das ehemalige Kloster besucht haben.

Die zurückliegenden 29 Monate im Pfarrverband seien für das Leben in der Pfarrei nicht einfach gewesen, weil 24 Monate davon vom Corona-Krisenmanagement geprägt waren. Karmann sieht sich als Seelsorger, der den Gläubigen die bedingungslose Liebe Gottes verkünden möchte. „Wie Du einen Säugling anschaust, so schaut dich Gott an“, drückt er sich aus. Die Liebe Gottes möchte er zu den Menschen bringen, deshalb sei er gerne Priester.

Nicht nur Zustimmung

Pfarrer Karmann gibt zu, dass er im Pfarrverband nicht nur auf Zustimmung durch die ihm anvertrauten Gläubigen gestoßen sei. Er führt dies unter anderem auf die nicht einfachen Rahmenbedingungen der letzten beiden Jahre zurück. „Das erste Osterfest durfte nicht gefeiert werden, wir haben ein paarmal Zoom-Meetings abgehalten, in Seeon habe ich zum Beispiel wegen Corona noch keine Fronleichnamsprozession erlebt.“

Auch die ihm wichtige Ministranten- und Jugendarbeit sei schwer durchzuführen gewesen: „Im Sommer 2019 konnte ich die Ministranten noch zum Pizza-Essen ins Truchtlachinger Pfarrheim einladen und die Vorstandschaften der Frauengemeinschaften ins Pfarrhaus nach Seeon, aber im zweiten Jahr waren keine Einladungen, Ausflüge und Zusammenkünfte mehr möglich.“ Karmann hinterfragte Zusammenhänge als neuer Pfarrer von Seeon, „aber das verstehen nicht alle Pfarreimitglieder.“ Aus Sicht von Pfarrer Karmann können Konflikte zur Triebfeder des Wachstums und der Entwicklung in der Pfarrei werden, wenn diese konstruktiv bearbeitet sind.

Im Wesentlichen sehe sich Karmann als Teamplayer, der zusammen mit Menschen eine lebendige Kirche entwickeln möchte. Nach dem Wechsel von Mitarbeitern habe es ein paar Mediationssitzungen mit Vertretern der Pfarreien gegeben.

Nach der dritten Sitzung war aus Sicht von Pfarrer Karmann eine weitgehende Einvernehmlichkeit der Gesprächspartner hergestellt, er habe die an ihn gerichteten Fragen versucht zu beantworten. Einer der Problempunkte sei gewesen, dass es eine Fusion der drei Pfarrbüros nach Seeon gab. Diese haben aber bereits seine Vorgänger in der Leitung des Pfarrverbands auf den Weg gebracht.

„Wir brauchen dich woanders“

Für Pfarrer Karmann sei sein bevorstehender Abschied aus dem Pfarrverband „mit Wehmut verbunden“. „Solange ich hier im Pfarrverband bin, bin ich gerne mit vollem Engagement da. Aber der Erzbischof hat entschieden, `Wir brauchen dich woanders‘“. So freue er sich, nach mehreren Stationen als Gemeindeleiter in eine andere Form der Seelsorge kommen zu dürfen. Seinem Einsatz als Klinikseelsorger gehe eine mehrwöchige Fortbildung voraus, „der Wechsel in die Klinikseelsorge ist für mich somit keine ‚unliebsame Versetzung‘, sondern die große Chance, mich noch einmal in eine andere Form der Seelsorge einzuarbeiten, und darauf freue ich mich schon.“

zandl

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