"Mit der Schmuddelecke aufräumen"

In der alten Güterhalle sollen das "Haus der Jugend" und die "Schule der Fantasie" ihre dauerhafte Bleibe finden. Foto Wittenzellner
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In der alten Güterhalle sollen das "Haus der Jugend" und die "Schule der Fantasie" ihre dauerhafte Bleibe finden. Foto Wittenzellner

Traunstein - Richtig zur Sache ging es im Stadtrat bei der Vorstellung der Vorentwurfsplanung zur Güterhalle, in der unter anderem der städtische Jugendtreff und die "Schule der Fantasie" untergebracht werden sollen. Insbesondere die CSU-Fraktion monierte die Kostenschätzung für die Sanierung des maroden Gebäudes, die sich - je nach gewählter Variante - auf gerundet bis zu 3,8 Millionen Euro beläuft.

Nachdem 2011 das alte Kurhaus von der Stadt verkauft wurde, musste für den städtischen Jugendtreff eine neue Bleibe gefunden werden. Vorgesehen war auch, die "Schule der Fantasie" dort unterzubringen. Von der Bahn wurde 2012 schließlich die zu diesem Zeitpunkt leerstehende Güterhalle gekauft.

Nach einer ersten Kostenermittlung wurden für den Jugendtreff (412 Quadratmeter) und für die "Schule der Fantasie" (100 Quadratmeter) mit Sanierungskosten von 400000 Euro gerechnet. Gleichzeitig sah man die Kosten für die Komplettsanierung des 1100 Quadratmeter großen Gewerbegebäudes bei 1,4 Millionen Euro. Daneben kristallisierte sich in Gesprächen mit der Regierung von Oberbayern (Städtebauförderung) heraus, dass man für die Sanierungsmaßnahme mit Fördermitteln rechnen könne.

In der Kostenschätzung, die den Räten nun nach mehrmonatigen Planungen zur Abstimmung vorlag, ging es unter anderem um die Sanierung und Schaffung von 471 Quadratmeter Nutzfläche für den Jugendtreff, 148 Quadratmeter für die "Schule der Fantasie" und 612 Quadratmeter Nutzfläche, die vermietet werden sollen. Zum Teil soll es schon konkrete Interessenten geben.

Bisher sind für die Maßnahme (inklusive des 230000 Euro teuren Erwerbs der Güterhalle) Haushaltsmittel in Höhe von 2,43 Millionen Euro bereitgestellt. Der Baubeginn ist für Mai 2015 vorgesehen, die Bauzeit soll 15 Monate betragen. Rund um die Güterhalle herum sollen in den kommenden Jahren neben einem Beherbergungsbetrieb (angedacht ist eine Jugendherberge) auch in Zusammenarbeit mit der Handwerkskammer ein Zentrum für alpine Baukultur entstehen.

In der Aussprache kristallisierte sich schnell heraus, dass die CSU-Fraktion als einzige Kritik an dem vorgestellten Zahlenwerk übte. Fraktionsvorsitzender Wolfgang Osenstätter beklagte, dass dem Stadtrat ursprünglich vorgestellt worden sei, "wir bekommen für 430000 Euro einen Jugendtreff". Erst nach und nach bekomme man die nun deutlich höher ausfallenden Kosten vorgelegt.

Sein Fraktionskollege Ernst Harrecker sagte: "3,7 Millionen Euro reinstecken ist Wahnsinn." Auch Stefan Namberger (CSU) betonte, dass ihn die Baukosten "geschockt" hätten. Die CSU lasse sich aber nicht unterjubeln, dass man gegen einen Jugendtreff sei.

Die Kostendiskussion wollte Konrad Obermaier (SPD) so nicht stehen lassen, bekomme man doch einen "Großteil der Kosten von der Städtebauförderung zurück".

Oberbürgermeister Manfred Kösterke sah in dem Projekt "eine super Sache für die Quartiersentwicklung in dem Bereich" und wies darauf hin, dass trotz dieses Projektes im Haushalt 2014 und dem Finanzplan bis 2017 keine Neuverschuldung der Stadt vorgesehen sei.

Simon Steiner (Traunsteiner Liste) betonte hingegen für seine Fraktion, dass der Mitteleinsatz in keinem Verhältnis stehe und wollte wissen, wie viele Jugendliche denn wirklich das Angebot des "Hauses der Jugend" nutzen würden.

Jugendreferent Wolfgang Lenz (UW) erwiderte, im Jugendtreff habe es im Jahr 2010 rund 10000 "Kontakte" gegeben. Man müsse vorausschauend denken, er sei sogar dafür, dass man die zusätzlichen Restflächen für einen mögliche künftige Jugendarbeit aufbewahre.

UW-Fraktionschef Ernst Haider äußerte seine Verwunderung über die CSU-Position. Nach außen gebe man ein Bekenntnis zu dem Standort ab, im Stadtrat stelle man sich quer.

Dritte Bürgermeisterin Waltraud Wiesholer-Niederlöhner (SPD) sah in der Güterhalle gar ein Industriedenkmal. Die Sanierung ermögliche auch die Inanspruchnahme der Mittel der Städtebauförderung. Ihr Credo: "Mit der Schmuddelecke endlich aufräumen und für die Jugend etwas Gutes hinstellen."

Kösterke betonte, dass ein Neubau eine komplette Untersuchung des Bodens zur Folge hätte. Dies sei nicht unproblematisch, war der Bahnhof doch gerade im Zweiten Weltkrieg Ziel der Bomben der Alliierten.

Ursula Lay (UW) sah in dem Objekt die Chance für ein neues Jugend- und Kulturzentrum, Burgi Mörtl-Körner (Grüne) sagte, eine kinderfreundliche Stadt wie Traunstein brauche einen Platz für Jugendliche.

Weitere Stadträte nahmen Stellung, am Ende wurde mehrheitlich dem Schluss der Debatte zugestimmt. In der eigentlichen Abstimmung für die Weiterverfolgung der Vorentwurfsplanung setzten sich die Befürworter aus den Fraktionen UW und SPD mehrheitlich mit 14:10 durch. wz

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