Auf der Suche nach Mineralien und Fossilien

Mit Hammer und Meißel um die Welt: Der Schatzsucher von Rimsting

Sepp Buckl aus Rimsting mit einem slebst gefundenen Calcit aus dem Jahr 1972.
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Sepp Buckl aus Rimsting mit einem slebst gefundenen Calcit aus dem Jahr 1972.
  • Anton Hötzelsperger
    vonAnton Hötzelsperger
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Josef Buckl aus Rimsting folgte seiner Leidenschaft für Mineralien und Fossilien durch Europa und bis nach Brasilien. In Jahrzehnten des Suchens und Findens hat sich eine beeindruckende Sammlung ergeben. Großzügig hat der heute 82-Jährige seine Boden-Schätze aber auch mit Museen und anderen passionierten Mineraliensuchern geteilt.

Rimsting – Als Josef Buckl aus Pinswang bei Rimsting vor fast 60 Jahren mit seiner Frau Anna seine Hochzeitsreise in die Nähe von Lyon unternahm, da erwachte beim Frischvermählten noch eine zweite Leidenschaft. Denn in Frankreich fand der Chiemgauer Bleiglanzkristalle, für ihn „ein Stein wie vom anderen Stern“. Von da an wuchs Buckls Begeisterung für besondere Bodenschätze Jahr für Jahr. Dafür interessiert hat sich der frühere Monteur der Isar-Amperwerken schon in jungen Jahren: Mit Freunden zusammen war es ihm ein großer Spaß, an besonderen Plätzen spannende Funde wie Mineralien- und Fossilien aus dem Boden zu holen und sich so Wissen zur Heimatgeschichte zu erwerben.

Mit Hammer und Meißel durch Europa bis nach Brasilien

Der Kreis der Bekanntschaften, die sich miteinander auf den Weg zur Mineraliensuche machten, die er auf Fachmessen kennenlernte und der Radius der Exkursionen wuchsen gleichermaßen. Letztlich wurde Buckl zu einem Weltenbummler. Anfangs sammelte er Funde während gemeinsamer Urlaube mit seiner Frau, Hammer und Meißel stets im Gepäck. Später ging es quer durch Europa, nach Tirol, Jugoslawien, Portugal, Spanien, Frankreich, Österreich und Ungarn.

Sepp Buckl bei Fossilien-Grabungen in der Lettenmeyrhöhle in Kremsmünster im Jahr 1972.

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„Je schwieriger die Bedingungen beim Ausgraben waren, desto mehr schätzten wir unsere Funde“, so der heute 82-Jährige. Die größte und abenteuerlichste Reise führte ihn mit Gleichgesinnten 1973 nach Brasilien. „Damals bekamen wir einen Auftrag von einem Großhändler, der dort 30 Quadratkilometer Grund gekauft hatte und einen ganzen Trupp engagierte, um nach wertvollen und seltenen Steinen zu suchen“, erzählt der Rimstinger, und lacht: „Das war das einzige Mal, dass meine Reisekosten übernommen wurden, ansonsten war es ein teures und zeitraubendes Hobby.“

Sammlung fossiler Seeigel

Oft war Buckl in Regionen unterwegs, die heute geschützt sind und in denen nicht mehr gegraben werden darf – gerade deswegen sind viele seiner Exponate etwas Besonderes. Unterwegs war er auch im Chiemgau, etwa im Sachranger Tal und im Priener Kirchwald, wo er einen Teil seiner fossilen Seeigel-Sammlung fand. Der jüngste Fund lag vor seiner Haustür: Beim jüngsten Hochwasser förderte er eine 30 Zentimeter große Koralle aus dem Pinswanger Bach zu Tage, „was der Beweis dafür ist, dass an dieser Stelle im Priener Westen früher ein Meer gewesen ist.“

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Alle Einzelstücke hat er zu Hause beschriftet und katalogisiert, dabei werden Fundort und Funddatum ebenso festgehalten wie die fachliche Zuordnung. Hierzu haben in all den Jahrzehnten der Besuch von Fach-Börsen, Mineralien-Messen und viel Fach-Literatur geholfen.

Bernstein, Korallen und Fossilien für die heimischen Museen

Angeschlossen hat er sich auch der Vereinigung der Chiemgauer Mineralien- und Fossilienfreunde Traunstein. Bei den Zusammenkünften tauschen die Mitglieder nicht nur neue Erkenntnisse, sondern auch Fundstücke aus.

„Das geschah auch international, auf einer Messe in Ungarn zum Beispiel freundete ich mich mit einem Sammler aus China an und wir trafen uns mehrmals bei Fach-Messen. Dabei hatte jeder von uns für den anderen etwas Interessantes zum Tauschen dabei“, erzählt Buckl. Zahlreiche seiner Mineralien und Fossilien hat er dem Urwelt-Museum in Kleinholzhausen zur Verfügung gestellt. Dem Siegsdorfer Mammut-Museum hat er zur Eröffnung eine rote Koralle aus dem Geigelsteingebiet geschenkt, einen großen Bernstein, Lazulithkristalle und Fossilien. Ihm wiederum kam aus einem Nachlass ein in Russland gefundener Meteorit zu. Sammler Buckl will seine glitzernden Unikate nicht verkaufen. Sie sind für ihn ein kostbarer Spiegel beim Blick zurück auf ein außergewöhnliches Schatzsucher-Leben.

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