Mit den Augen eines Försters: Neue geführte Wanderung im Achental

Vom Moos bewachsen, von Insekten bevölkert steht ein mehrere hundert Jahre alter Bergahorn. Der Methusalem ist einer der Lieblingsbäume von Förster Max Schweigl, zu dem er seine Mitwanderer gerne führt.
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Vom Moos bewachsen, von Insekten bevölkert steht ein mehrere hundert Jahre alter Bergahorn. Der Methusalem ist einer der Lieblingsbäume von Förster Max Schweigl, zu dem er seine Mitwanderer gerne führt.

Wunder in der Natur gibt es im Achental viele, doch sie zu erkennen, ist für Laien nicht immer einfach. Nun führt ein Fachmann durch den Bergwald. Was die Besucher erwartet.

Unterwössen – Wie könnte man Natur besser erleben, als mit jemandem, der sich auskennt? Diesen Weg gehen nun auch das Ökomodell Achental und der Achental-Tourismusverband. Förster Max Schweigl zeigt Besuchern neuerdings den Bergwald bei einer geführten Wanderung. Schweigl bringt 34 Jahre Erfahrung als Förster mit auf den Weg. Ein ruhiger und zurückhaltender Mann, begrüßt sechs Mitwanderer am Unterwössner Hochgern-Parkplatz.

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Für die Besucher geht es hinauf zur Oberwössner Rechenbergalm und wieder ins Tal. Nach einer kurzen Einweisung in Corona-Schutzvorkehrungen geht es in ruhigem Schritt bergauf.

Verborgene Wege, besondere Bäume und seltene Insekten

Schon auf der Forststraße sehen wir eine Menge. Schweigl erklärt viele Details – was für die Besucher oftmals auch eine willkommene Pause zum Verschnaufen ist.

Über einen verborgenen Steig und einige Kehren geht es hinein in den dichten Wald, zu beeindruckenden Felsformationen und Steilwänden. Und der Förster kennt nicht nur Schleichwege, er kennt sich auch aus. Ohne ihn wären wir am mehrere hundert Jahre alten Bergahorn einfach vorbeigelaufen. Seinen dichten Moosüberzug, den teilweise hohlen Stamm, das darin begünstigte Insektenleben, das wäre uns alles entgangen.

Eine Einkehr ist auch dabei

In der Tierwelt entdecken wir mithilfe von Max Schweigl einen „Alpenbock“, einen gut zwei Zentimeter großen, leuchtend hellblauen Käfer. Zwei bis vier Jahre lebt die Larve im Totholz, der Käfer dann nur wenige Wochen. Gleich zuhauf sehen wir den „Russischen Bären“, einen Schmetterling. Mit seinen auffälligen Farben schreckt er Fressfeinde ab, und kann es sich als Nachtfalter leisten, auch in der Mittagszeit unterwegs zu sein.

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Zu bestaunen gibt es viel: vorbei an der bewirtschafteten Rechenbergalm, noch ein paar Meter hinauf zur Bergaderalm. Dazwischen grandiose Ausblicke auf frisch verschneite Gipfel des österreichischen Alpenhauptkammes und die heimischen Berge. Und auch die Einkehr kann sich sehen lassen: frischer Buttermilch und selbstgemachter Käse. Zurück geht es dann auf einem anderen Weg über die Burgau.

Harte Arbeit in den Bergen

Das Wissen, das Förster Max Schweigl auf der Wanderung vermittelt, ist vielfältig und macht Lust auf mehr. Der Förster erklärt dabei auch Zusammenhänge, etwa wie sich der Mensch die Bergregion erschloss und welchen Einfluss die Salzgewinnung hatte. Wie hart die Arbeit der Holzknechte war, schildert Schweigl bildhaft. „Über die steilen Hänge wurde das Holz mit Schlitten und dann als Treibholz die Ache hinunter bis nach Grabenstätt gebracht“, erklärt Schweigl. Ein mühsamer Job, kein Vergleich zu den heutigen Bedingungen mit Seilbahnen und Traktoren beim Transport. Der Schweiß unseres Aufstiegs relativiert sich schnell.

Gleichgewicht der Natur

Inzwischen gebe es mit weniger Wild, einer guten Durchmischung von Laub- und Nadelbäumen ein ausgewogenes Verhältnis, das den heutigen Wald zum verlässlichen Holzlieferanten und Rückzugsraum für Mensch und Tier mache. An verschiedenen Stellen zeigte Schweigl die enorme Kraft der Natur auf, wie sie sich in ungeheurer Vielfalt ihren Raum erobert.

Heutige Bedrohungen durch Borkenkäfer und Klimawandel

Im Gegenzug schildert der Förster die Bedrohungen durch Borkenkäfer und Klimawandel an Beispielen auf dem Weg. Ob Wolf und Luchs in der Zukunft dazu gehören, ist sich Schweigl nicht sicher: „Es bleibt abzuwarten, ob sich diese als Konkurrenz um das Vieh und trotz dichter Besiedelung Fuß fassen.“ Bei der Rückkehr am frühen Nachmittag sind die Teilnehmer begeistert und werden zukünftig mit anderen Augen durch den Wald wandern.

Im September wird die Führung „Mit dem Förster in den Wald“ jeden Dienstag angeboten. Eine Anmeldung ist beim Achental Tourismus unter Telefon 0 86 41/59 79 10 oder E-Mail info@achental.com, erforderlich.

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