Mit dem E-Roller um den Chiemsee? Neuer Anbieter „e-Gaudi“ möchte expandieren

Am Chiemseeufer in Felden stehen zwei Roller von e-Gaudi direkt an der Liegewiese.
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Am Chiemseeufer in Felden stehen zwei Roller von e-Gaudi direkt an der Liegewiese.

E-Roller gibt es nun auch am Chiemsee. In Bernau, Übersee und Chieming bietet „e-Gaudi“ über eine App E-Scooter zum Mieten an. Das Angebot soll rund um den Chiemsee ausgeweitet werden. Nicht aus allen Rathäusern kommt Begeisterung.

Von Heidi Geyer

Bernau/Chiemsee– Raphael Thomas berät als Anwalt viele Start-ups und pendelt zwischen dem Chiemsee und Berlin. Dort sind E-Roller längst keine Seltenheit mehr. Für ihn ein Grund, auch am Chiemsee ein Angebot zu schaffen: Seit 3. Juli bietet sein Unternehmen e-Gaudi 50 Roller in Chieming, Bernau und Übersee an. „Wir sind überrascht von der Resonanz. Das hätten wir so nicht erwartet.“ 1300 Menschen hätten sich in der App angemeldet. Knapp die Hälfte der Nutzer sind laut Thomas Einheimische.

Chaos soll vermieden werden

Die App auf dem Smartphone wird benötigt, um einen Roller auszuleihen. Dass zu viele E-Roller rumstehen und Stolperfallen werden, stößt in vielen Metropolen auf Kritik. E-Gaudi sei sich dessen bewusst, sagt Thomas. Ein spezielles Anreizsystem mit erlaubten Abstell-Stationen, an denen Nutzer einen Rabatt bekommen, soll dies verhindern. Außerdem hat e-Gaudi nach eigener Auskunft Zonen eingeteilt, die zwar angefahren werden können, wo jedoch keine Rückgabe möglich sei. Thomas hat einen weiteren Schritt installiert, um ein Chaos zu vermeiden: „Wir bekommen von den Nutzern Fotos, wo sie die Roller abstellen. Das ist in der App so eingestellt.“

Geschwindigkeit wird automatisch gedrosselt

Vielerorts gebe es auch Sicherheitsbedenken, räumt Thomas ein. Daher werde bei den Rollern von e-Gaudi in bestimmten Bereichen, etwa auf der Fußgängerpromenade in Felden, die Geschwindigkeit auf zehn km/h gedrosselt. In manchen Bereichen wie Naturschutzgebieten würde der Roller schlicht auch nicht fahren, sagt Thomas. Technisch ließe sich das bei den Rollern problemlos einstellen. Für zusätzliche Sicherheit habe er ein Offroad-Modell ausgewählt, dass extra breite Reifen hat.

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Trotz dieser Regelungen kommt das Projekt beim Priener Bürgermeister nicht gut an. Andreas Friedrich (ÜWG) sieht in den Rollern eine zusätzliche Verkehrsbelastung. Gegen das Fahren mit E-Rollern kann die Marktgemeinde grundsätzlich nichts tun. Erlaubt ist dies laut Deutschem Verkehrssicherheitsrat auf Radwegen, Radfahrstreifen und Fahrradstraßen sowie auf gemeinsamen Geh- und Radwegen. Nur wenn die nicht vorhanden sind, dürfen die Roller auf der Straße fahren.

Die Verwaltung hat jedoch ein Mitspracherecht, sofern die Scooter auf Flächen des Marktes Prien abgestellt werden sollen. Dass nicht mit einer Zustimmung zu rechnen sei, hat Friedrich dem Betreiber bereits signalisiert.

Hümmer begrüßt Angebot

Der Traunsteiner Oberbürgermeister Dr. Christian Hümmer (CSU) sieht E-Roller hingegen positiv: „Die Stadt profitiert von dieser Neuerung, da die Verkehrsbelastung mit einfachen Mitteln gesenkt werden kann.“

E-Gaudi Geschäftsführer Raphael Thomas möchte trotz der unterschiedlichen Rückmeldungen wachsen und rund um den Chiemsee seine Roller anbieten. 100 Roller stehen noch in der Garage und warten auf ihren Einsatz.

Pendeln an den See?

Aus seiner Sicht überwiegen die Vorteile, etwa dass viele Gebiete dadurch leichter erreichbar seien. In Übersee und Bernau könne das Seeufer nun eben direkt vom Bahnhof mit dem Roller erreicht werden. Tatsächlich sei die Strecke nach Feldwies die derzeit am meisten genutzte.

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Noch offen ist, ob die Resonanz der ersten Neugier geschuldet ist und wie die Scooter langfristig ankommen. Bastian Horter (27) aus Bayreuth ist zu Besuch in Bernau und findet die Idee „ganz nett“. „Aber ich bin eher dafür, dass man sich bewegt.“ Er sei mit dem Rad vom Stellplatz zum See gekommen. Auch Wolfgang Riedl (31) aus Bernau ist skeptisch und zieht das Fahrrad aus Kostengründen vor: „Ich zahl nix, wenn ich mit dem Radl zum See fahre.“

Gerade weil E-Scooter stark polarisieren, hat Thomas im Vorfeld Gespräche mit den Bürgermeistern rund um den Chiemsee gesucht. „Mir geht es um gute Zusammenarbeit. Das funktioniert für alle Beteiligten nur im Einklang miteinander“, sagt Thomas. Die Aufregung um die Roller versteht er allerdings nicht: „Beim Auto oder bei E-Bikes sagt auch keiner, dass das gefährlich ist.“

OVB-Reporterin hat es ausprobiert

Mit dem Scooter vom Bernauer Bahnhof zum See, das ist mein Plan. Die App habe ich mir zuhause auf mein Smartphone geladen, dort ist auch meine Kreditkarte hinterlegt. Nachdem ich am Bahnhof geparkt habe, zeigt mir die App an, wo verfügbare Roller stehen. Ich reserviere mir ein Gerät, das freigeschaltet wird. Los geht‘s. Mit der rechten Hand Gas zu geben und die Klingel zu bedienen, ist etwas ungewohnt. Aber die Geschwindigkeit wird zuverlässig gedrosselt, wenn ich mit links die Bremse ziehe. Ich fahre über Schwellen und die Hauptstraße, dann geht es auf dem Kiesweg in Richtung Felden. Der Roller zeigt an, dass ich 19 oder 20 km/h schnell fahre. Am See angekommen, stelle ich den Roller am Straßenrand ab. Die App bittet mich um ein Foto, das zeigt, wo ich den Roller abgestellt habe. 3,90 Euro hat die 10-minütige Fahrt über 2,2 Kilometer gekostet. Da ich den Roller ordnungsgemäß an der dafür vorgesehenen Station abgestellt habe, bekomme ich einen Rabatt von 25 Prozent auf den Preis. Kurze Zeit später schnappe ich mir wieder einen Roller und fahre zurück für 2,71 Euro.

Die App zeigt den Preis und die zurückgelegte Strecke an.

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