Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für . Danach können Sie gratis weiterlesen.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf
  • Jetzt für nur 0,99€ im ersten Monat testen
  • Unbegrenzter Zugang zu allen Berichten und Exklusiv-Artikeln
  • Lesen Sie nahezu werbefrei mit aktiviertem Ad-Blocker
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.


Neues Angebot vom Chiemgau Tourismus

Mit dem Handbike durch den Chiemgau – Gerda Pamler lässt sich trotz Lähmung nicht bremsen

Mit ihrem Adaptiv-Bike ist Gerda Pamler auch mehrere Tage mit Packtaschen unterwegs.
+
Mit ihrem Adaptiv-Bike ist Gerda Pamler auch mehrere Tage mit Packtaschen unterwegs.
  • Heidi Geyer
    VonHeidi Geyer
    schließen

Ist der Weg zu steil? Gibt es dort barrierefreie Toiletten? Solche Fragen stellen sich viele Handbiker, wenn sie auf Tour gehen. Der Chiemgau Tourismus hat nun Abhilfe geschaffen. Über ein besonderes Angebot und eine Frau, die sich von ihrer Querschnittslähmung nicht bremsen lässt.

Chiemgau – „Ich komme gerade aus Südtirol zurück und bald will ich den Alpe-Adria-Radweg heuer noch fahren.“ Wenn man mit Gerda Pamler (64) aus München telefoniert und sie von ihren sportlichen Plänen berichtet, kommt man gar nicht auf die Idee, dass sie eine Querschnittslähmung hat. Dass sich eine Behinderung und Sport nicht ausschließen müssen, darauf setzt nun auch der Chiemgau Tourismus und bietet mehrere Handbike-Touren an. Einen Großteil davon hat Pamler schon getestet.

Ausgerechnet bei einem Skiunfall hat die Münchnerin sich so schwere Verletzungen zugezogen, dass sie heute auf den Rollstuhl angewiesen ist. Das hält sie aber nicht davon ab, Sport zu treiben. „Was hat man für Möglichkeiten? Entweder ich bleibe deprimiert daheim oder man geht raus und probiert, was geht“, findet Pamler.

Liegefahrräder und Adaptiv-Bikes

Nach wie vor ist das Skifahren ein Favorit, Pamler war sogar in der deutschen Behinderten-Nationalmannschaft. Im Sommer ist das Handbikefahren ihr Favorit. „Da gibt es verschiedene Varianten: Adaptiv-Bikes, die man an den Rollstuhl anklemmt, entweder mit oder ohne Motor“, erklärt sie. Außerdem gebe es noch sogenannte Liegebikes auf dem Markt. „Das sind Dreiräder, die deutlich länger sind und eine andere Gewichtsverteilung haben“, sagt die Radlerin. Mit diesem Typ könne man deutlich schneller fahren und leichter Steigungen überwinden.

Das ist nämlich die entscheidende Frage für Handbiker wie Pamler: „Komm ich da rauf oder nicht?“ Zwar gebe es jede Menge Online-Portale mit GPS-Daten. Aber: „Die Steigungen kann ich nirgendwo richtig rauslesen. Oft sind Steigungen eingezeichnet, aber die Angaben stimmen nicht.“

Gerda Pamler beim Test der Tour am Obinger See. Sie genießt die Landschaft, wobei es ihr die Tour im Achental am meisten angetan hat.

Das Vorderrad dreht durch, wenn es zu steil ist, weil zu wenig Gewicht darauf sei. Wenn es dumm laufe, müsse Pamler in solchen Fällen mitten auf dem Weg wenden. „Und das ist gefährlich, weil man sehr schnell umkippt.“ Sie könne sich zwar meist selbst helfen oder es komme jemand vorbei, aber ideal sei das nicht. „Mir wäre es immer am liebsten, wenn ich Prozentangaben habe. Das steht aber nirgendwo – außer bei den Chiemgau-Touren“, sagt die Münchnerin.

Denn gemeinsam mit Handbike-Fans wurden sieben mehrfach getestete Touren vom Chiemgau Tourismus entwickelt und ausgeschildert. „Das ist eine super G’schicht!“, findet Pamler. Wunderschön seien die Touren, mehrere habe sie ausprobiert. „Die Achental-Tour hat mir am besten gefallen, weil die Landschaft so schön ist“, sagt sie. Mit einem kleinen Kritikpunkt: „Die Touren dürften für mich ein bisschen länger sein!“ Wobei man sie auch kombinieren könne. Und sie sprechen sich schon rum. Denn Pamler gibt auch Fahrsicherheitstrainings für Kinder im Rollstuhl. „Zwei Jugendliche aus dem Chiemgau haben die Touren entdeckt und waren ganz begeistert“, erzählt die Radlerin.

Wenig Verkehr und barrierefreie Toiletten

Die Touren sind auch nach anderen Aspekten genau auf Menschen mit einer Behinderung abgestimmt: Barrierefreie Einkehrmöglichkeiten und Toiletten sind auf den Wegen, zudem sind die Strecken so gewählt, dass es nicht viel Verkehr gibt. Das kann nämlich schnell mal gefährlich werden, erzählt Pamler: „Ich sitze halt einfach weiter unten im Vergleich zu Radfahrern, und das Handbike ist deutlich breiter als ein normales Fahrrad.“

Aus Sicht von Stephan Semmelmayr, Geschäftsführer des Chiemgau Tourismus, soll die Region ein Urlaubsziel für alle Bevölkerungsgruppen sein. Schon jetzt ist der Chiemgau eine Radl-Destination. Seit 2015 ist sie vom Allgemeinen Deutschen Fahrradclub als „RadReiseRegion“ zertifiziert. Davon gibt es in Deutschland nur sieben.

Dass es noch für Menschen mit einer Behinderung noch viele Potenziale gibt, was Urlaub angeht, sieht auch Pamler so. „Es gibt zu wenig Angebote“, sagt sie. Wenn eine Tour plane, müsse sie die Tagesetappen meist davon abhängig machen, wo es barrierefreie Hotels gebe – so auch jetzt beim Alpe-Adria-Radweg.

Mehr zum Thema

Kommentare