Statt Stau vor der Schule

„Bus zu Fuß“: Elterninitiative begleitet Rimstinger Kinder zu Fuß sicher zur Schule

Morgens auf dem Weg zur Schule: Julia Härtl (ganz links) und Cathrin Albrecht (rechts) bringen Erstkläßler mit dem „Bus zu Fuß“ sicher an Ort und Stelle. Die Gruppe wird schon von Mutter Irina Göhler erwartet, die ihr Kind „zusteigen“ lässt. Zurzeit ist die Gruppe mit Masken und Warnwesten unterwegs.
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Morgens auf dem Weg zur Schule: Julia Härtl (ganz links) und Cathrin Albrecht (rechts) bringen Erstkläßler mit dem „Bus zu Fuß“ sicher an Ort und Stelle. Die Gruppe wird schon von Mutter Irina Göhler erwartet, die ihr Kind „zusteigen“ lässt. Zurzeit ist die Gruppe mit Masken und Warnwesten unterwegs.
  • Elisabeth Sennhenn
    vonElisabeth Sennhenn
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Der Verkehr ist in Rimsting ein echtes Problem für Kinder – Eltern haben nun die Initiative ergriffen und nach Vorbild des Münchener Umweltvereins Green City den „Bus zu Fuß“ gegründet. Die Idee ist so einfach wie sicher: Freiwillige - meist Mütter und Väter - bringen abwechselnd morgens eine Gruppe Kinder zur Schule. Dabei können diese vor ihrer eigenen Haustür „zusteigen“.

Rimsting – Kommen Kinder in die Schule, ist die größte Sorge vieler Eltern, ob sie sicher dort ankommen. In Rimsting besonders, liegt doch ein Großteil des Wohngebiets jenseits der stark befahrenen Priener Straße, und diese müssen so gut wie alle Schüler überqueren, um zur Grundschule zu gelangen.

Sechs Rimstinger Mütter und ein Vater haben sich nun zusammengetan, um nach dem Vorbild der Münchener Umweltinitiative Green City e.V. Schülergruppen zu Fuß zur Schule zu begleiten. „Bus zu Fuß“ nennt sich das – und erspart Dutzenden Eltern, dass sie ihr Kind individuell mit dem „Mamataxi“ chauffieren. Die Zielgruppe: Vor allem Erst- und Zweitkläßler.

Rathaus begrüßt die Initiative

Die Initiatoren sind alle berufstätig und wechseln sich mit ihrem „Dienst“ ab. Julia Härtl ist eine von ihnen. Um 7.30 Uhr startet sie mit derzeit neun Kindern an der alten Tankstelle am Ortsausgang, überquert mit ihnen die Endorfer Straße und bringt sie über den Höhenweg am Pfarrheim und dem Rathaus vorbei zur Grundschule.

Unterwegs sammelt die Gruppe weitere Schüler ein. Ein zweiter Treffpunkt ist um 7.45 Uhr der höchste Punkt des Höhenwegs. Wer noch „zusteigen“ will, sei herzlich willkommen, so Härtl. Mittags gebe es derzeit keinen Abholdienst, weil die Kinder aus der jetzigen Gruppe in den Hort gingen.

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Dass es in Rimsting einige Hilfen gibt, über die verkehrsbelastete Hauptstraße zu kommen, ist den Müttern bekannt. Aber ihre Standorte sind teils ungünstig. „Die Fußgängerampel auf Höhe der Schule ist gut und wichtig“, so Nina Weinland, selbst Gemeinderätin (Grüne) und Mutter zweier Kinder, „aber sie dient vor allem denjenigen, die vom oberen Ortseingang her kommen. Schüler aus dem unteren Dorfteil sind gezwungen, die Hauptstraße schon weit vorher zu überqueren. Für sie ist der längere Weg zur Ampel gesäumt von Querestraßen, was nicht ganz ungefährlich ist.“

Kampf mit den Behörden

Im Rathaus begrüßt man die Initiative, die eigenen Plänen zuvor gekommen ist: „Wir hatten einen Schulweghelfer-Dienst angedacht“, erzählt Hans-Peter Jakobi vom Bauamt. Die Gemeinde beißt mit ihren Forderungen nach einem Tempolimit auf Teilen der Priener Straße, Tempo 30 direkt vor der Schule und weiteren Übergangshilfen beim Landratsamt seit Jahren auf Granit.

An Rechtslage gescheitert

„Tempo 30 vor der Schule ist bislang an der Rechtslage gescheitert“, schildert Jakobi. Zuletzt hatte man dem Straßenbauamt weiße Markierungen an den Querungshilfen auf Höhe des Altenheims vorgeschlagen, um Autofahrer wachsamer zu machen. Doch auch hier mauere die Behörde: „Das sei in Bayern nicht zulässig, hieß es als Antwort.“ Im Moment hängt die Kommune in der Warteschleife mit ihrer Anfrage nach einem streckenweiten Tempolimit. Derweil sind die Eltern im Einsatz. Sie haben von der Verkehrswacht im Landratsamt zumindest Warnwesten bekommen („Nur die Kelle dürfen wir just auf der Hauptstraße nicht einsetzen.“).

Sie leisten noch ganz andere, nicht minder wertvolle Dienste: „Es geht bei uns nicht nur um Verkehrssicherheit, sondern wir zählen unterwegs auch Schnecken, streicheln Kühe, lachen gemeinsam und genießen so den sonst oft hektischen Tagesanfang“, erzählt Härtl. Sie habe den Eindruck, dass Kinder wie Eltern den morgendlichen Weg sehr genießen. Trotz der Masken, die momentan alle dabei tragen würden.

Fußweg macht Kinder selbständiger

Zwar gibt es in Rimsting auch einen Schulbus, er fährt vom Bahnhof zum Kreisel. Doch fänden viele Eltern, so Härtl, dass die Kinder zu Fuß einfach schneller seien und zudem an der frischen Luft. Nina Weinland ergänzt: „Wir wollen ein lebendiges Dorf sein, in dem sich auch nachmittags die Kinder ohne die Hilfe der Erwachsenen treffen, allein zur Bücherei oder zum Turnverein gelangen können. Das alles geht nur, wenn sie früh lernen, sich im Straßenverkehr zurecht zu finden.“

Eltern, die ihre Kinder mit dem „Bus zu Fuß“ mit schicken wollen, können Julia Härtl unter der Nummer 0172/8268148 erreichen.

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