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Heimatmuseum

Mit Ausstellung Licht in dunkle Seite der Chiemgauer Kunstgeschichte bringen

Bei der Vernissage im Heimatmuseum (von links): Kulturreferent des Rosenheimer Landkreises, Christoph Maier-Gehring, Bürgermeister Andreas Friedrich, Karina Dingler, Kulturreferentin der Marktgemeinde und Museumsleiter Karl J. Aß.
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Bei der Vernissage im Heimatmuseum (von links): Kulturreferent des Rosenheimer Landkreises, Christoph Maier-Gehring, Bürgermeister Andreas Friedrich, Karina Dingler, Kulturreferentin der Marktgemeinde und Museumsleiter Karl J. Aß.

Vernissage in Priner Heimatmuseum: Retrospektive der Künstlergemeinschaft „Frauenwörther“ soll eine kritische Auseinandersetzung anstoßen.

Von: Petra Wagner

Prien – Die Künstlergemeinschaft „Frauenwörther“ beging im vergangenen Jahr ihr 100. Jubiläum. Im Mai 1921 hatte sie auf der Fraueninsel im ehemaligen Vikarhaus, der heutigen Torhalle, ihre erste Ausstellung eröffnet, wie Karl J. Aß im Heimatmuseum bei der Eröffnung der Retrospektive-Ausstellung jetzt erläuterte.

Bürgermeister Andreas Friedrich wies in seinem Grußwort darauf hin, dass die meisten Exponate aus der eigenen Kunstsammlung stammen würden. Es sei ihm und allen Verantwortlichen Ehre und Verpflichtung zugleich, die über 200 Jahre währende Kunstgeschichte der Chiemgau-Malerei am Leben zu erhalten. Nachdem im vergangenen Jahr der „Welle“ gedacht worden sei, seien heuer die „Frauenwörther“ an der Reihe.

Auf dem Land ihr Glück gesucht

Museumsleiter und Kreisheimatpfleger Karl J. Aß führte anschließend in die Hintergründe ein. Wie schon bei der Künstlergemeinschaft „Die Welle“, die sich ebenfalls in der Region gegründet wurde, verließen die Kunstschaffenden die Städte, um auf dem Land ihr Glück zu suchen. Es sollten Einheimische sowie ein gehobenes touristisches Publikum als Kunden gewonnen werden – was ein gewagter Schritt gewesen sei, so der der Kulturbeauftragte der Gemeinde. Erfolgreich seien nur die „Frauenwörther“ gewesen, die bis 1960 im Chiemgau ausgestellt hätten – vermutlich, weil sie politisch besser vernetzt gewesen seien, erläuterte Aß. Die Künstler der „Welle“ hätten sich ab 1933 aus der Region zurückgezogen.

Trotz der langjährigen künstlerischen Tätigkeit der „Frauenwörther“ liege die 1980 gezeigte Retrospektive lange zurück. Grund sei wahrscheinlich die politische Haltung und Weltanschauung der Künstler, die als „nationalistisch, konservativ und sogar reaktionär“ bezeichnet werden könne. Zu den Gründern gehörten Hiasl Maier-Erding, Thomas Baumgartner, Constantin Gerhardinger, Anton Müller-Wischin und der renommierte Professor an der Münchner Kunstakademie, Hermann Groeber, der schon 1921 Mitglied der NSDAP geworden war. „Seiner politischen und geistigen Ausrichtung steht jedoch ein herausragendes künstlerisches Werk gegenüber“, so Aß. Er wolle mit der Ausstellung Licht in die dunkle Seite der Chiemgauer und der südostbayerischen Kunstgeschichte werfen.

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Es sei wichtig, zu differenzieren – zwischen der Kunst von Künstlern, „die dem nationalsozialistischen Regime nahestanden und damit inakzeptabel sind, und Künstlern, deren Anliegen es war, das Regime schadlos zu überstehen“, so Aß. Er wolle nicht relativieren. Viele hätten fliehen müssen oder seien innerlich emigriert – auch Künstler der „Frauenwörther“. „Aber insgesamt sind es nur wenige der regionalen Kunstszene gewesen, die sich verweigert hatten“, so der Museumsleiter. Es sei eine Auseinandersetzung statt einer Verdammung, ein Diskurs statt einem Verdrängen nötig.

In zwei Maßstäben geurteilt

Bis heute werde in zwei Maßstäben geurteilt. Namhafte Kunstschaffende hätten ebenso der NSDAP nahegestanden und seien dennoch nicht verdammt worden. „Vermutlich weil der Kunsthandel ein hochpreisiges Wort mitzureden hat“, so Aß. Viele Künstler und deren Nachfahren klammerten deshalb diese Zeit in ihren Biographien aus. Mit der kleinen Retrospektive, die noch bis 30. Oktober zu sehen ist, wolle er eine kritische Auseinandersetzung anstoßen.

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