Neuer Nahverkehrsplan ist in Arbeit - Kreistag fällt Entscheidung im nächsten Jahr

Mindeststandards sind festzulegen

Traunstein - Über die Definition von "ausreichender Verkehrsbedienung" mit Mindeststandards beispielsweise für die verschiedenen Nutzergruppen diskutierte der Ausschuss für Landkreisentwicklung und Verkehrsfragen gestern unter Vorsitz von Landrat Siegfried Walch. Nach Walchs Worten wird jetzt der vor einem Jahr vom Kreistag grundsätzlich beschlossene neue Nahverkehrsplan, den das Fachbüro "Nahverkehrsberatung Südwest" aus Heidelberg erstellt, mit dem notwendigen Inhalt ausgefüllt.

Verkehrsplaner Stefan Kroll präsentierte gestern konkrete Vorschläge. Der Kreisausschuss ermächtigte den Landrat, mit den Verkehrsunternehmen darüber zu verhandeln - um die Maßnahmen baldmöglichst umzusetzen. Über Ergebnisse wird Walch jeweils die zuständigen Kreisgremien informieren. Der Kreistag wird sich voraussichtlich im ersten Quartal 2015 wieder mit dem Nahverkehrsplan befassen.

Eine Rolle unter den Kriterien spielen gemäß Verkehrsplaner Stefan Kroll zum Beispiel die Anforderungen von Schülern oder Pendlern, die Hauptzielorte, die "Hauptquellorte", worunter Ansiedlungen mit mindestens 750 Einwohnern zu verstehen sind, und die "Nebenquellorte" mit 200 bis 750 Einwohnern. Weiter geht es um die notwendige Anzahl an Verbindungen, um deren zeitliche Situierung an Werk- und Feiertagen oder auch um eventuelle Umsteigevorgaben. Als "grundlegende Qualitätsanforderung" bezeichnete Stefan Kroll: "Es muss zur richtigen Zeit am richtigen Ort ein Angebot existieren."

Das bestehende Angebot der konzessionierten Verkehrsunternehmen soll nach Kroll verbessert werden durch Schließen von Bedienungslücken durch zusätzliche Fahrten. Unter verstärkter "differenzierter Bedienung" führte der Planer Ruftaxi und Vario-Bus als Beispiele auf. Das Variobus-Angebot soll außerdem nach Vorbild im Nordosten auf den nordwestlichen Landkreis ausgeweitet werden. Die Informationen für Fahrgäste sollen besser werden, auch mit Hilfe von IT-Technik. Tarifliche Maßnahmen mit unternehmensübergreifend gültigen Fahrscheinen regte der Verkehrsfachmann ebenso an wie Maßnahmen für vollständige Barrierefreiheit bis 2022.

Die großen Ziele des Nahverkehrsplans seien längst definiert, betonte der Landrat gestern. Jetzt müsse man versuchen, schnell realisierbare Maßnahmen zu finden. Man könne nicht jede Lücke schließen. Jede Maßnahme koste Geld. Einen Verkehrstakt wie in München werde man im Flächenlandlkreis Traunstein nicht bieten können. Er sei offen für Vorschläge, erwarte aber auch dazu jeweils ein Finanzierungskonzept.

Stefan Kroll und der für den ÖPNV zuständige Mitarbeiter im Landratsamt, Hans Pagatsch, bezogen zu zahlreichen Einzelfragen Stellung. Landrat Walch fasste zusammen, noch viel Arbeit sei zu leisten. Der Nahverkehrsplan sei hochkomplex und schwierig. So müssten sich auch Verkehrsunternehmen untereinander abstimmen.

Dass "Jugendliche" nur als "Schüler", "Senioren" und "Studenten" gar nicht als Nutzergruppen auftauchen, monierte Andreas Herden (Bündnis 90/Die Grünen). Er vermisste für diese Personenkreise die Bedienung mit Öffentlichem Personennahverkehr an Sonntagen. Das sei richtig, erwiderte Planer Kroll. Jedoch sei der Sonntag der am wenigsten frequentierte Tag der Woche. Weitere Fahrtmöglichkeiten könne man sich wünschen. Aber jeder Unternehmer werde einen Zuschuss vom Landkreis fordern, könne man doch an Sonntagen keine ausreichenden Einnahmen erzielen, gab Kroll zu bedenken. Das Thema "Sonntag" löste eine längere Diskussion aus. Es blieb aber bei dem Vorschlag Krolls.

Walch lieferte gestern auch einen Überblick, welche Kommunen welche Kreiszuschüsse zur Förderung ihres örtlichen ÖPNV-Angebots erhielten. Insgesamt bekamen die Gemeinden heuer knapp 148 000 Euro. Der Ausschuss legte einmütig fest, Bergen, Schleching, Inzell, Reit im Winkl, Ruhpolding, Traunreut und Trostberg Zuschüsse von 37 Prozent des jeweiligen Aufwands zu erstatten. Weiter wurden fünf weitere Zuschüsse zwischen 1 000 und knapp 7 000 Euro vergeben. kd

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