Nachruf

Marquartsteiner Altbürgermeister Matthias Dögerl verstorben

Unser Archivbild zeigt Matthias Dögerl (rechts) und den damaligen Landrat Jakob Strobl bei der Einweihung des neuen Rathauses im September 2001.
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Unser Archivbild zeigt Matthias Dögerl (rechts) und den damaligen Landrat Jakob Strobl bei der Einweihung des neuen Rathauses im September 2001.
  • vonChristiane Giesen
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„Er hatte eine natürliche Autorität, die die Leute einfach anerkannt haben“, ist ein von alten Marquartsteiner Bürgern öfter geäußerter Kommentar zum Tod des langjährigen Bürgermeisters Matthias Dögerl.

Marquartstein – Nach langer Krankheit starb er nun in seinem Haus an der Loitshauserstraße in Marquartstein, umsorgt von seiner Familie und seiner langjährigen Pflegerin Grazyna.

Vom Holzknecht zum Bürgermeister

Matthias Dögerl, am 6. November 1938 geboren und in den wirtschaftlich kargen Bedingungen nach dem Krieg aufgewachsen, war im Brotberuf Holzknecht, heute Forstwirt genannt. Er stand im Dienst der Bayerischen Staatsforsten. Schon ab 1966 wurde er Mitglied des Gemeinderats, ab 1978 Zweiter Bürgermeister der Gemeinde Marquartstein. Bei den Gemeinderatswahlen 1984 setzte er sich gegen den amtierenden Bürgermeister Hans Daxer von der CSU durch und übernahm für die SPD das Amt als Erster Bürgermeister und als Vorsitzender der Verwaltungsgemeinschaft Marquartstein/Staudach-Egerndach.

Im Jahr 2002 trat er nicht mehr zur Wahl an. Zuvor hatte er dafür gesorgt, dass sein Nachfolger wegen der gestiegenen Einwohnerzahlen hauptamtlicher Bürgmeister wurde. Er selbst war wie alle seine Vorgänger ehrenamtlich gewesen.

Mit Engagement, Weitblick und instinktiver Menschenkenntnis

Bald nach seinem Rückzug von der Gemeindepolitik wurde ihm in Anerkennung seiner großen Leistungen für die Gemeinde der Ehrentitel des Altbürgermeisters zuerkannt. Mit persönlichem Engagement, Weitblick und instinktiver Menschenkenntnis trieb Matthias Dögerl die Entwicklung der Gemeinde voran. In seine Amtszeit fiel unter anderem die Gebietsreform, vorangetrieben vom damaligen Landrat Leonhard Schmucker, während derer auch die Verwaltungsgemeinschaft mit Staudach-Egerndach entstand. Mit den Bürgermeisterkollegen der übrigen Achental-Gemeinden verstand es Dögerl gut zusammen zu arbeiten, so auch mit dem damaligen CSU-Bürgermeister Karl Kaditzky der Nachbargemeinde Staudach-Egerndach.

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Ortssanierung und Rathausbau

In Matthias Dögerls Amtszeit fiel auch die Ortssanierung mit dem Bau der Umgehungsstraße. Die Straße hatte zuvor direkt durch die heutige verkehrsberuhigte Zone geführt. Krönender Abschluss der Ortssanierung war der Bau des neuen Rathauses in der Ortsmitte nach aufwändigem Architektenwettbewerb. Mit großem Verhandlungsgeschick gelang es Dögerl auch mit Hilfe der Verwaltungsmitarbeiter große Summen öffentlicher Gelder zur Finanzierung der Projekte für die Ortssanierung zu erlangen. Matthias Dögerl war zudem Mitinitiator und Gründungsvorsitzender des Heimat- und Geschichtsvereins Achental. Im Rückblick waren auch seine jährlichen Bürgerversammlungen bemerkenswert: Ohne die heutigen technischen Hilfsmittel beschränkte sich sein Rechenschaftsbericht immer knapp und sachlich auf das Wesentliche und dauerte kaum über eine dreiviertel Stunde. Obwohl also genügend Zeit vorhanden gewesen wäre, gab es dennoch meistens nur wenige, oftmals auch gar keine Wortmeldungen.

Sohn tritt im Rathaus die Nachfolge an

Bei den Wahlen im Frühjahr 2002 kandidierte Matthias Dögerl nicht mehr. Sein Sohn Andreas wurde in zwei Amtsperioden zum Ersten Bürgermeister gewählt. Wegen der Corona-Pandemie findet die Urnenbeisetzung im engsten Familienkreis statt.

„Äußerst beliebte und geschätzte Persönlichkeit“

Im von allen drei Bürgermeistern unterzeichnete Nachruf auf Matthias Dögler loben sie das große Engagement und Durchsetzungsvermögen des nun verstorbenen früheren Bürgermeisters. „Sein Sachverstand, seine unbändige Tatkraft in Verbindung mit seiner sachlichen und besonnenen Art zeichneten ihn besonders aus und machten ihn zu einer äußerst beliebten und geschätzten Persönlichkeit. Für seine großen Verdienste gebühren ihm Anerkennung und aufrichtiger Dank.“

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