Marquartstein Bürger reden bei Bauprojekten mit

Mit einem Planungsworkshop schaffte die Gemeinde Marquartstein eine zusätzliche Möglichkeit der Bürgerbeteiligung bei der Überplanung des Areals „Am Sportplatz“. Eine Arbeitsgruppe mit Franz Hell, den Gemeinderäten Martin Riedl (CSU) und Toni Entfellner(Grüne/Offene Liste), Gemeinderätin Maria-Luisa Bauer (CSU), Gemeinderat Christian Dögerl (CSU), Katharina Illner (BI „Lebenswert statt zugeteert“) und Diakon Johannes Notter (von links) erarbeitete Vorschläge, wie die Gestaltung aussehen könnte.

Um den Bürgern mehr Gelegenheit zur Mitsprache zu bieten, veranstaltet die Gemeinde einen Planungsworkshop zur Gestaltung eines Neubaugebiets. Stein des Anstoßes war ein Projekt für selbstbestimmtes Wohnen, das vielen Bürgern zu groß geraten scheint.

Marquartstein – Wie viele Gemeinden braucht auch Marquartstein Platz für mehr bezahlbaren Wohnraum und die Gewerbeansiedlung. Deshalb hat sich die Gemeinde entschlossen, in Freiweidach eine Gesamtfläche von rund 32 000 Quadratmetern zu überplanen. Dort sollen eine Wohnbebauung, ein Mischgebiet sowie Gewerbeflächen geschaffen werden. Das Gebiet liegt zwischen dem Wohnbaugebiet „Brandäcker“ und dem Sportplatz.

Nach der Verabschiedung des Vorhabens im Gemeinderat im Juli vergangenen Jahres formierte sich Widerstand, der letztlich zur Gründung der Bürgerinitiative „Lebenswert statt zugeteert“ (BI) führte. Abhilfe sollte nun ein Planungsworkshop bringen, dessen Ergebnisse in der Abwägung der weiteren Entscheidungen berücksichtigt werden sollten.

Bürgerbegehren nicht zugelassen

Stein des Anstoßes war ein Projekt der MARO Genossenschaft, die auf einer Fläche von 4200 Quadratmetern 25 Wohnungen für selbstbestimmtes Wohnen und eine Demenzstation bauen will. Die Bürger sahen die Gebäude für das Wohnprojekt als zu massiv an. Aber es stellten sich auch Bedenken wegen aufkommender Verkehrs- und Hochwasserproblemen ein. Nach der Gründung sammelte die BI ausreichend Unterschriften für ein Bürgerbegehren. Doch das eingereichte Bürgerbegehren wurde im Februar wegen verschiedener Gründe nicht zugelassen.

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Der Gemeinderat von Marquartstein war sich jedoch einig, den Unterzeichnern durch eine zusätzliche Möglichkeit zu bieten, sich zu beteiligen – und das in Form eines Planungsworkshops. Wie aus einer vorangegangenen Gemeinderatssitzung zu hören war, sollten die Ergebnisse und Vorschläge aus dem Workshop in die künftigen Entscheidungen einfließen und in der Abwägung berücksichtigt werden. Weiter sollten die abschließenden Entscheidungen des Gemeinderates zu den Planungen nachvollziehbar begründet werden. Dieser Planungsworkshop fand nun mit Vertretern der Bürgerinitiative, betroffenen Anwohnern, der MARO Genossenschaft, den Planern sowie dem Gemeinderat im Alten Schwimmbad in Unterwössen statt. Für die Moderation setzten die Veranstalter auf Lothar Sippl vom Büro Challenge Learning. Für die fachliche und rechtliche Beratung standen Fachplaner und Vertreter der Bauverwaltung zur Verfügung. Bereits am Vortag des Workshops besuchte ein großer Teil der Beteiligten Weyarn und besichtigten das dortige Quartier „Wohnen am Klosteranger“ mit verschiedenen Wohnmodellen.

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Über den Tag hinweg erarbeiteten die Teilnehmer in verschiedenen Gruppenarbeiten, welche Rahmenbedingungen und Ziele für die Allgemeinheit für eine Bebauung des Areals aus Sicht der Anlieger entscheidend sind.

3D-Modell soll Bauten darstellen

Es ging aber auch darum, wie die Bedenken der BI und der Anlieger ausgeräumt werden könnten und ebenso darum, wie die Ziele der Gemeinde erreicht und die Einbeziehung des Gemeinwohls am besten gelöst werden könnten.

In der Abschlussrunde mit den Vorstellungen der Ergebnisse aus den Arbeitsgruppen gab es viele Parallelen. Einhellig kam der Wunsch, dass die beabsichtigte Bebauung durch ein 3D-Modell gezeigt und vorgestellt werden soll, um sich die Dimension der Gebäude und deren Relation zur vorhandenen Bebauung vorstellen zu können. Um die befürchtet Höhenunterschied zur bestehenden Wohnbebauung abzufedern, kam der Vorschlag, die geplanten dreistöckigen Gebäude mehr nach Norden zu verschieben und durch eine gezielte städtebauliche Planung eine Gettoisierung zu vermeiden. Um den Flächenverbrauch und die damit verbundene Versiegelung für Stellplätze zu reduzieren, könnte nach dem Weyarner Vorbild ein zentraler „Parkstadel“ entstehen. Wobei auch „Carsharing“ ermöglicht werden sollte.

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Es kam auch der Einwand, ob andere Standorte, wie das Ortszentrum oder das Bahnareal, denn schon ausreichende für die Ortsentwicklung einbezogen worden seien. Darauf erklärte der Geschäftsleiter der Gemeinde, Florian Stephan, dass die Überplanung „Am Sportplatz“ nicht isoliert gesehen werden dürfe. In den erwähnten Ortsbereichen würden ebenfalls Entwürfe mit Nahversorgung, Wohnen und Geschäften entwickelt. Überwiegende Einigkeit herrschte auch beim Punkt Gemeinschaftsflächen und Gehwegen in Verbindung mit der entsprechenden Begrünung.

Einwände könnten Projekt verzögern

Bürgermeister Andreas Scheck (Bürger für Marquartstein) wies darauf hin, dass der Bebauungsplan momentan im vereinfachten Verfahren realisiert worden sei. Wenn nun ein neuer Bebauungsplan erforderlich werde, könne es zu Zeitverzögerungen kommen. Außerdem könnten weitere Ausgleichsflächen benötigt werden. Darauf erklärte Hermann Eschenbeck von der Ortsgruppe Achental des Bunds Naturschutz, dass viele der Ausgleichsmaßnahmen bereits im Vorfeld durch eine gezielte Planung auf dem beabsichtigten Areal realisiert werden könnten.

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