Wie Marquartstein und St. Andrä in Südtirol ihre Partnerschaft pflegen

Gemeinsamer Kirchenzug der Gemeinden Marquartstein und St. Andrä zum Erntedankgottesdienst beim Festwochenende zum 40. Jubiläum der Ortspartnerschaft in Marquartstein. re

Die Beziehung zwischen den beiden Gemeinden ist mittlerweile mehr als 40 Jahre alt, aber immer noch lebendig. Beide Bergdörfer müssen sich ähnlichen Fragen stellen und Tourismus und Natur miteinander vereinbaren. Nicht zuletzt deshalb ist die Freundschaft für Bürger und Bürgermeister eine Bereicherung.

Marquartstein – Obwohl sie schon ein wenig in die Jahre gekommen ist, engagiert sich Marquartsteins Bürgermeister Andreas Scheck sehr für die Partnerschaft seiner Gemeinde mit St. Andrä in Tirol. Für ihn ist vor allem der Austausch zwischen den Partnergemeinden wichtig: „Bei unseren letzten Besuchen habe ich zum Beispiel festgestellt, dass St. Andrä und Marquartstein vor sehr ähnlichen Fragen stehen. Beide Dörfer sind touristisch geprägt, beide haben Bergbahnen und müssen überlegen, wie sie Tourismus und Natur in Einklang bringen. Beide Dörfer erleben Zuzug, müssen sich öffnen, ohne ihren dörflichen Charakter aufzugeben.“ Es sei für ihn immer sehr bereichernd, sich mit den Südtirolern über diese Frage auszutauschen.

„Teil der weltgrößten Friedensbewegung“

Sowohl für Scheck als auch für Altbürgermeister Hans Daxer, der die Partnerschaft 1979 mitbegründet hat, spielt das Erinnern eine große Rolle. So wünscht sich Daxer, dass auch die kommende Generation daran festhält, damit die Geschichte nicht vergessen werde. Dazu der aktuelle Bürgermeister Scheck: „Als eine von mehr als 12 000 Partnerschaften in Europa ist die Freundschaft zwischen St. Andrä und Marquartstein Teil der weltgrößten Friedensbewegung.“

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In diesem Jahr leidet die Partnerschaft der beiden Berggemeinden unter der Coronakrise und den daraus folgenden Reise- und Kontaktbeschränkungen. So war eigentlich geplant, dass eine Gruppe von 15 bis 20 Senioren aus Marquartstein auf Einladung von dortigen Senioren über Pfingsten nach St. Andrä fährt, um gemeinsam zu wandern. Doch diese Reise fällt genauso ins Wasser wie der Auftritt einer Südtiroler Kapelle bei den Feiern zum 100. Geburtstag des Trachtenvereins Marquartstein. Das Jubiläumsfest musste ebenfalls abgesagt werden.

Niemand hätte gedacht, dass die Grenzkontrollen zurückkehren

2019 jährte sich die Partnerschaft zum 40. Mal, beide Seite haben sich angestrengt, die Freundschaft zu erneuern und zu intensivieren. So gab es im Festsaal des Landschulheims Marquartstein Vorführungen einer Theatergruppe der Heimatbühne St. Andrä und einer Truppe aus Marquartstein. Die Veranstaltung war ein Erfolg, „die Reihen waren gut besetzt“, sagt Ute Fembacher, Mitarbeiterin von Bürgermeister Scheck. Bereits im Frühjahr hatte sich eine Gruppe von Marquartsteiner Mountainbikern mit dem Fahrrad nach St. Andrä aufgemacht, um dort das Frühjahrskonzert der Musikkapelle zu besuchen. Im Herbst wurde der 40. Geburtstag mit einem Festwochenende gefeiert.

Nun ist der Austausch zum Stillstand gekommen. „Keiner kann sagen, wann es wieder weitergeht“, sagt Fembacher. Und keiner wisse, wie sich die Situation an den Grenzen entwickeln werde. Altbürgermeister Daxer habe bei der Gründung der Partnerschaft selbst noch Grenzkontrollen an der österreichischen und der italienischen Grenze erlebt. Damals sei eine Reise nach Südtirol noch richtig aufregend gewesen, sagt Fembacher. „Das war früher fast eine Weltreise.“ Später, im Zuge des Zusammenwachsens zwischen den Staaten Europas, fielen die Kontrollen, die Fahrt über zwei Ländergrenzen hinweg war nichts Besonderes mehr.

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Ist das vielleicht der Grund, warum die Partnerschaft im Lauf der Jahrzehnte ein wenig eingeschlafen ist? „Eingeschlafen ist sicher nicht das richtige Wort. Die Aktivitäten waren weniger, aber auch in den vergangenen Jahren gab es einen Austausch“, sagt der Marquartsteiner Bürgermeister. Einer der Gründe, warum die Intensität des Austausches in den vergangenen Jahren abgenommen hat, sei sicherlich, dass das nahe Ausland gerade für die junge Generation nicht mehr so attraktiv ist. „In den Achtzigerjahren war ein Aufenthalt in Südtirol für viele noch etwas Besonderes; in den vergangenen beiden Jahrzehnten zog es die Menschen eher in die Ferne“, so Scheck.

Bringt Corona einen neuen Schub?

Jetzt spiele die aktuelle Situation wegen Corona der Partnerschaft vielleicht in die Karten. Aber die Lebendigkeit einer solchen Partnerschaft hänge eben sehr stark von wenigen Einzelpersonen ab, die sie aktiv leben und gegenseitige Besuche organisieren. In St. Andrä setzt Scheck da ganz auf seinen Kollegen Peter Brunner und bewährte Gemeinderatsmitglieder wie die Südtiroler Partnerschaftsbeauftragte Sandra Stablum. Eigentlich hätten im Mai in Brixen Kommunalwahlen stattfinden sollen. Die wurden wegen Corona auf den Herbst verschoben. Scheck und seine Mitstreiter hoffen, dass die Wahl auf Personen fällt, denen die Partnerschaft wichtig ist.

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