Markt Prien ernennt Hans-Jürgen Schuster zum Ehrenbürger: Selbstlosigkeit als roter Faden

Bürgermeister Andreas Friedrich (von links) mit den drei derzeitigen Ehrenbürgern der Marktgemeinde Prien: Hans-Jürgen Schuster, Renate Hof und Michael Anner senior. Alle drei waren unter anderem einen sechsjährige Legislaturperiode lang Zweite(r) Bürgermeister(in).
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Bürgermeister Andreas Friedrich (von links) mit den drei derzeitigen Ehrenbürgern der Marktgemeinde Prien: Hans-Jürgen Schuster, Renate Hof und Michael Anner senior. Alle drei waren unter anderem einen sechsjährige Legislaturperiode lang Zweite(r) Bürgermeister(in).

Der Markt Prien hat einen neuen Ehrenbürger: Der frühere Zweite Bürgermeister Hans-Jürgen Schuster bekam Urkunde und Medaille in einem feierlichen Akt im Chiemsee Saal. Die Gemeinde würdigte mit der Ernennung die großen sozialen und poltischen Verdienste des 76-Jährigen.

Von Dirk Breitfuß

Prien –„Selbstloses Eintreten für Andere zieht sich wie ein roter Faden durch Deine Vita.“ Kaum ein Satz aus der Festrede von Bürgermeister Andreas Friedrich beschreibt Schusters Lebensleistung besser. Vor allem Kindern und Jugendlichen galt sein Einsatz, der am 30. April – zumindest in offiziellen Ämtern – mit der Legislaturperiode endete, weil sich Schuster aus dem politischen Leben zurückzog.

Ab September 2017 auch noch Sozialreferent

Seit 2001 saß er für die CSU im Marktgemeinderat. 2014 wurde er vom damaligen Gremium zum Zweiten Bürgermeister und Stellvertreter von Jürgen Seifert gewählt. Die Liste von Schusters politischen Ehrenämtern ist lang. Er saß in zahlreichen Gremien und übernahm zuletzt im September 2017 den Posten des Sozialreferenten, als es Vorgängerin Eva-Maria Munkler aus beruflichen Gründen abgab. Schusters Ernennung war fast zwangsläufig, hatte er sich doch in den Jahren zuvor zum Beispiel bei der Integration von Flüchtlingen immer wieder helfend eingebracht.

„Wer wirklich etwas erreichen will, der findet einen Weg. Die anderen finden eine Entschuldigung.“ Dieses westafrikanische Sprichwort hing gerammt an der Wand in Schusters Dachgeschoss-Büro im zweiten Stock des Rathauses. Seine soziale Ader hat er wohl mit der Muttermilch aufgesogen. Seine Mama bekam für ihr soziales Engagement vor gut 20 Jahren das Bundesverdienstkreuz.

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„Es war und ist für Dich selbstverständlich, zu helfen, wo immer Du gebraucht wirst“ sagte Friedrich und bescheinigte ihm unter andere meine ausgleichende Art, die oft bei schwierigen Verhandlungen „der Türöffner“ gewesen sein. „Deine Energie, Dein Verständnis, Deine Tatkraft waren wirklich enorm und gebühren unserer aller Hochachtung, so der Bürgermeister unter dem Beifall des Marktgemeinderats und einiger weiterer geladener Gäste. Friedrich ob unter anderem Schusters Arbeit als Stellvertretender Bürgermeister hervor, wenn er Jürgen Seifert offiziell vertrat. „Mit viel Geschick und Weitblick lenktest Du zum Wohle des Marktes Prien das Gemeindeschiff, wie das nur ein erfahrener Kapitän meistert. Schuster war im Berufsleben Inhaber einer eigenen Firma, Führungsaufgaben waren für ihn daher kein Neuland.

Schuster ist seit vielen Jahren Vorsitzender des Priener Diakonievereins, seit Jahrzehnten Kirchenpfleger und im Kirchenvorstand der evangelischen Gemeinde Prien. Bei über einem Dutzend Ortsvereinen steht der 76-Jährige im Mitgliederverzeichnis.

Sein besonderes Engagement für die junge Generation spiegelt sich in einer ganzen Reihe von Initiativen wider. So gründete Schuster schon 2002 einen „runden Tisch“ der örtlichen Kindergärten, ebnete den Weg für den Grundstückskauf am Fliederweg und den Neubau des Haus für Kinder Marquette dort, trieb den Ausbau der Kindergartenplätze im Ort voran, bis sie sich in den 19 Jahren seiner Zeit als Marktgemeinderat mit knapp 400 fast verdoppelt hatten.

Schuster: „Narrische Freunde und ein bisschen Stolz“

Schuster verstand es nicht zuletzt dank seines großen Netzwerks wie wenige, Gelder für gute Zwecke aufzutreiben „Was wir Geld gesammelt haben“, fing er im Gespräch mit der Chiemgau-Zeitung an, im Kopf für sich Spenden und Spender aufzuzählen und schüttelte bald selbst fast ungläubig den Kopf. Sein Erfolgsgeheimnis klingt simpel: Sich Zeit nehmen für Gespräche.

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„Narrische Freunde und ein bisschen Stolz“ empfand Schuster ,als er nach der Ernennung ans Rednerpult trat. Eigentlich hatte er sich vorgenommen, an diesem Abend nichts zu sagen – tat es aber dann doch. „Durch gemeinsame Beschlüsse konnten wir vieles leisten und unglaublich viel erreichen, vor allem für unsere Kinder“, blickte der sechsfache Großvater auf seine kommunalpolitisch aktive Zeit zurück und übte sich in Bescheidenheit: „Für mich ist die Ehrenbürgerwürde auch eine Anerkennung für die Arbeit aller im Marktgemeinderat.“

Hans-Jürgen Schuster ist Priens 25. Ehrenbürger. Auf einer Tafel im Rathaus sind sie alle verewigt:

Heinrich Auer, Kgl. Bezirksamtmann (1887), Ludwig Kornegger, Bahnmeister (1897), Josef Oberhauser, Schlossermeister (1898), Anton Hager, Oberlehrer (1899), Franz Paul Wiedemann, Molkereibesitzer (1910), Johann Baptist Haas, Kaufmann (1920), Friedrich Häringer, Schuhmachermeister (1927), Franz Rappel, Landwirt (1929), Georg Schelle, Spenglermeister (1929), Theodor von Bomhard, General der Artillerie (1930), Anna Weinhart, Apothekenbesitzerin (1952), Josef Schröder, Landwirt (1959), Franziska Hager, Schriftstellerin (1959), Anton Jäger, Geistlicher Rat (1959), Wilhelm Mayer, Oberpostmeister (1962), Ludwig Kornegger, Geschäftsführer (1969), Adolf von Bomhard, Erster Bürgermeister (1971), Andreas Bals, Geistlicher Rat (1975) Franz Seebauer, Erster Bürgermeister (1978), Paul Paulus, Bankdirektor (1995), Franz Xaver Eisenrichter, Postbeamter (2001), Lorenz Kollmannsberger, Erster Bürgermeister (2002), Michael Anner, Zweiter Bürgermeister (2008), Renate Hof, Zweite Bürgermeisterin (2014).

Zu Adolf von Bomhart wurde die Ehrentafel nach einem Beschluss des Marktgemeinderats im Mai 2013 mit folgender Fußnote ergänzt: „Der Marktgemeinderat distanziert sich von den Handlungen und Anordnungen des Herrn Adolf von Bomhart, die zur Verletzung der Menschenrechte im Dritten Reich geführt haben. Aufgrund der neuen Erkenntnisse würde das Ehrenbürgerrecht aus heutiger Sicht nicht mehr verliehen werden.“

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