Wieder im Trend

Monika Voggenauer fertigt in Prien von Hand Hüte für Damen und Herren

Der Hut ist im Trend – zur Freude der Priener Hutmacherin Monika Voggenauer.
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Der Hut ist im Trend – zur Freude der Priener Hutmacherin Monika Voggenauer.
  • Tanja Weichold
    vonTanja Weichold
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Von wegen alter Hut. Die Priener Hutmacherwerkstatt Brunnhuber hat viel zu tun und macht seit Jahren eine verstärkte Nachfrage aus, wie Inhaberin Monika Voggenauer berichtet.

Prien – Nicht nur Frau trage wieder gerne Hut, auch der Mann. Vor allem sei die Wertschätzung für dieses alte Handwerk deutlich zu spüren. Heuer sind laut Voggenauer speziell die schlichten, klassischen Modelle wieder im Trend. Die Hutmacherin fährt mit ihrem Bügeleisen über die Hutkrempe, die rundherum an ihren Ausläufern mit Nadeln an der Hutform befestigt ist. Der Rohling aus schwarz eingefärbtem Filz stammt von einer traditionsreichen Augsburger Firma.

Arbeit mit Maßband, Nadel und Bügeleisen

Neben Voggenauer hängen aufgerollte Nähfaden in sämtlichen Farben an den Nägeln, die reihenweise aus einem Holzbrett ragen. Nadelkissen, Schere, Bürsten, Maßbänder und Bügelkissen liegen verstreut auf dem Tisch. Auf der heiß geschalteten Campingherdplatte ruhen schwer zwei uralte, kleine Bügeleisen. Dampfapparat und Nähmaschine stehen daneben.

Über 100 Hutformen für die verschiedenen Modelle

Im Regal an der Wand liegen über 100 hölzerne Hutformen, die sich im Laufe der 156-jährigen Geschichte der Hutmacherwerkstatt ansammelten. Auf der anderen Seite der Türe türmen sich im Schrank Bänder, Stoffe und Kisten mit den verschiedensten Materialien, mit denen Hüte aufgeputzt werden – in der Fachsprache nennt sich das garnieren.

Wie in der Küche: Hüte werden gedämpft und garniert

Die Hüte aus der Brunnhuber-Werkstatt sind allesamt in Handarbeit hergestellt. Je nach Modell dauert das fünf bis zehn Stunden. Aufziehen auf die Form, trocknen, dämpfen, garnieren – viele kleine Schritte sind unter den geschickten Händen der Hutmacherin erforderlich, die ihren Beruf seit 42 Jahren mit großer Hingabe ausübt.

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Jeder Hut kann individuell gestaltet werden

„Einer der Vorzüge eines handgemachten Hutes ist, dass er nicht eingeht, wenn er nass wird“, schildert Voggenauer. Ein weiterer, dass er einzeln gefertigt werde und damit die Möglichkeit biete, ihn individuell zu gestalten.

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Mit Federn, Stoffen oder Pelzen verziert

Hüte gibt es in steif oder weich. Für die Verzierung stehen die verschiedensten Bänder, Blumen, Federn, Stoffe und Pelze zur Verfügung. Oder zum Beispiel ein aus Horn geschnitztes Edelweiß von einem Kunsthandwerker, der solche Besonderheiten für die Priener Hutmacherin anfertigt. Gerade diese Freiheit und Kreativität sind es, was Voggenauer an ihrem Beruf so liebt, wie sie schildert.

Zweckmäßige Verwendung an erster Stelle

Hüte sind nach ihrer Aussage beliebt, „wie schon lange nicht mehr“. Dabei stehe sehr oft der Zweck im Vordergrund. „Männer tragen einen Hut, wenn es von oben nass wird. Frauen tragen Hüte, weil sie die Frisur schützen wollen oder die Haare nicht passen.“ Natürlich ist der Hut trotzdem auch ein modisches Detail von sportlich bis elegant, das um seines Aussehens willen getragen wird. Oder als Teil einer Tracht, Uniform oder einer Turnierkleidung, zum Beispiel der klassische Zylinder im Dressursport der Reiter.

Kunden aus ganz Deutschland bei der „Huaderin in Prean“

Überhaupt ist es erstaunlich, wie verbreitet Hüte sind, wenn man nur genauer darüber nachdenkt. In Voggenauers Werkstatt hängt das Bild einer Faschingsgarde, im Laden das der beiden prominenten Schauspielerkunden Bernd Helfrich und August Zirner. Jäger tragen Hüte, Musikanten, oder die Mitarbeiter der Chiemsee-Schifffahrt. Gerade zur kalten Winterszeit ist ein Hut nicht nur chic, sondern auch warm. Kunden kommen aus ganz Deutschland zur „Huaderin aus Prean“, die mit dieser Aufschrift eine Bank in ihrer ursprünglichen Heimatgemeinde Aschau zwischen Pölching und Fellerer gestiftet hat.

Jeder Mensch kann einen Hut tragen

„Ich habe von klein auf Hut getragen“, erzählt sie. Das älteste Kinderfoto, das von ihr existiert, zeige sie mit Dirndl und Strohhut. Die Leidenschaft für Kopfbedeckungen ist geblieben. Vor 20 Jahren übernahm sie nach alter Brunnhuber-Tradition als damals dienstälteste Mitarbeiterin Laden und Werkstatt in sechster Generation. Jeder Mensch habe ein Hutgesicht, sagt sie überzeugt. „Man muss nur den richtigen Hut finden.“ Sie wolle jeden Menschen zumindest einmal anschauen, um zu beurteilen, welcher Hut ihm steht. Manchmal gibt aber einfach der richtige Sitz den Ausschlag.

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