Mann mit dem „kurzen Draht“ zu den Bürgern: Rimstings Bürgermeister Andreas Fenzl

Zusammen sind sie bereits nach 100 Tagen ein eingespieltes Team: Rimstings Erster Bürgermeister Andreas Fenzl mit Gemeinde-Geschäftsführerin Regina Feichtner – hier sind sie mit einer Baumaßnahme befasst. re/privat
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Zusammen sind sie bereits nach 100 Tagen ein eingespieltes Team: Rimstings Erster Bürgermeister Andreas Fenzl mit Gemeinde-Geschäftsführerin Regina Feichtner – hier sind sie mit einer Baumaßnahme befasst. re/privat

100 Tage im Amt als Bürgermeister: In Rimsting sitzt der CSUler Andreas Fenzl im Rathaussessel. Ihn hielten die unterbrochene Mittagsbegtreuung der Schulkinder und viele Entscheidungen während der Corona-Krise in Atem. Trotzdem liebt er sein neues Amt: Vor allem der „kurze Draht“ zu Bürgern macht es ihm leicht.

Rimsting– Die ersten 100 Tage im Amt: Für Andreas Fenzl, Rimstings neuem Rathauschef, sind sie schnell vergangen – schließlich ist in diesem Beruf kein Tag wie der andere. Bis zum 30. April betreute der gelernte Bankkaufmann noch Firmenkunden bei der Sparkasse in Rosenheim, über Nacht wurde der Christ-Soziale zum Ersten Bürgermeister. Zwar macht die Corona-Krise so manchen Amtsträger zum Marathonläufer ob all der dringenden Entscheidungen, so auch Fenzl.

Von der Sparkasse an die Gemeindespitze

Schaut man sich aber seinen Werdegang genauer an, ist man geneigt, in ihm den Ausdauerläufer zu sehen: Mit 16 macht er seine Lehre, arbeitet dann 40 Jahre bei der Bank, ist während dieser Zeit 18 Jahre lang Gemeinderatsmitglied, davon zwölf Jahre ehrenamtlicher Zweiter Bürgermeister. „Dass ich in diesen Jahren viel Erfahrung sammeln konnte, kommt mir jetzt freilich zugute“, sagt Fenzl, und für viele Detailfragen habe er schließlich rund 80 ebenso erfahrene Mitarbeiter. „Das ist allerdings schon neu: Die vielen Mitarbeitergespräche“, schmunzelt er. Überhaupt, Gespräche hätten in den 100 ersten Tagen im Amt, aber auch sonst, für ihn immer eine tragende Rolle gespielt. Weil man sich in Rimsting eben kenne, weil die Gemeinderäte aus allen Ortsteilen kämmen. Und weil er selbst gut vernetzt sei, sei es unter den Bürgern, mit Vereinen oder Verbänden.

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Er hat nun ein eigenes Handy

„Das ist doch schön, wenn man direkt miteinander reden kann, einen kurzen Draht zu allem hat“, das habe er vorher zu schätzen gewusst und jetzt erst recht. Verdrossenheit in der Kommunalpolitik: Bei ihm und in Rimsting Fehlanzeige. Hat er zuletzt auch mal die Erfahrung gemacht, dass der „kurze Draht“ zwischen Gemeinde und Bürgermeister falsch verstanden werden könnte? Oder gar ausgenutzt? „Nein, das ist kein Thema“, versichert Fenzl, und: „mich kann man immer ansprechen, auch wenn ich privat irgendwo bin, aber es ist auch nicht so, dass am Wochenende mein Telefon dauernd klingelt.“ Apropos Telefon: War Fenzl noch im Wahlkampf ein Kandidat ohne Handy, ist er nun auch Besitzer eines Smartphones, worüber sein Mitarbeiterstab froh zu sein scheint: „Er benutzt es wirklich“, schmunzelt Geschäftsführerin Regina Feichtner, aber es sei auch ohne Mobilfunkverbindung „immer Hundert Prozent Verlass“ auf ihn.

Die Stütze im Hintergrund

Feichtner betont den „fast nahtlosen Übergang“, den Fenzl und sein Vorgänger Josef Mayer hingelegt hätten. „Menschlich passt es“, ist ihre persönliche 100-Tage-Bilanz mit dem neuen Ersten Bürgermeister. Und sonst? Steckten in den ersten ein, zwei Gemeinderatssitzungen der Neue und die langjährige Geschäftsführerin noch öfter die Köpfe zusammen, scheint ihnen inzwischen der Blickkontakt, ein Nicken oder kurzes Zuflüstern zu genügen, damit Fenzl sicher seines Amtes walten kann –  etwa dann, wenn es ums Sitzungs-Prozedere an sich geht.

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Umgekehrt sagt er über Feichtner, sie sei seine „große Stütze“. Plus die Mitarbeiter in den Ressorts. Die ersten 100 Tage, sagt Fenzl, standen für ihn vor allem unter dem Motto, Stabilität in schwierigen Zeiten zu schaffen. So müsse er im Moment vor allem die finanzielle Entwicklung der Gemeinde im Auge behalten: „Wir sind vorsichtig optimistisch“, sagt er dazu, und: „Wir werden weiter investieren, trotz Corona, es nicht zu tun, wäre auch keine Lösung.“

Erstmals zur Arbeit im eigenen Wohnort

Besonders umgetrieben hat den Vater dreier erwachsener Kinder, dass die Mittagsbetreuung der Rimstinger Schüler unter dem Lockdown gelitten hat. „Eine vordergründige Aufgabe für uns im Rathaus ist es nun, dass diese Mittagsbetreuung nach den Ferien wieder aufleben kann.“ Er habe sich stark mit der Situation des Betreuungspersonals und der Erzieherinnen auseinandergesetzt, und es sei einmal mehr deutlich geworden, wie wichtig eine Gemeinde als Arbeitgeber ist. Im eigenen Ort zu arbeiten, empfindet der 57-Jährige, der stets nach Rosenheim ins Büro gefahren ist, als „großes Privileg“.

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