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Gewalttat hinter Gittern

Mann in der JVA Bernau tödlich verletzt: Mutmaßlicher Täter (28) ab Dienstag vor Gericht

Blick auf die Justizvollzugsanstalt in Bernau am Chiemsee. Zwei Fälle von Gewalt werden in den nächsten Wochen vor dem Landgericht Traunstein verhandelt.
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Blick auf die Justizvollzugsanstalt in Bernau am Chiemsee. Zwei Fälle von Gewalt werden in den nächsten Wochen vor dem Landgericht Traunstein verhandelt.
  • Michael Weiser
    vonMichael Weiser
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Gewalt im Gefängnis ist nicht selten. Wohl aber Konflikte mit tödlichem Ausgang. Am Dienstag wird vorm Landgericht Traunstein einer dieser Fälle verhandelt: Ein Mann verschuldete mutmaßlich den Tod seines Zelleninsassen. Es war der zweite Fall von tödlicher Gewalt an der JVA Bernau innerhalb von etwas mehr als einem Jahr.

Traunstein – Der 1. September 2022 hätte für Traore I, ein besonderer Tag sein können. Denn an diesem Tag wäre eigentlich seine Haftstrafe beendet gewesen. .Wegen versuchten Mordes und Körperverletzung war der heute 28-Jährige im Jahr 2015 zu siebeneinhalb Jahren Gefängnis verurteilt worden.

Wahnvorstellungen als Ursache?

Ab Dienstag, 8. Juni, geht es vor dem Landgericht Traunstein erneut um die Zukunft des Westafrikaners. Wieder wegen Gewalt: Traore I. wird zur Last gelegt, am 8. Oktober vergangenen Jahres in der JVA Bernau seinen Mithäftling so heftig angegriffen zu haben, dass der tags darauf im Klinikum Rosenheim starb. Anders als vor sechs Jahren droht Traore I. keine Haft – laut Staatsanwaltschaft leidet er an einer paranoiden Schizophrenie, seine Tat habe er in einem akuten Stadium unter Wahnvorstellungen begangen.

Beantragt ist die Einweisung in die forensische Psychiatrie. Ehemalige Betreuerinnen wussten zu berichten, dass er in Mali schwerst traumatisiert worden sei.

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Fest steht, dass Traore I., der seine Strafe zunächst in Straubing abgesessen hatte, bevor er in die JVA Bernau verlegt wurde, am Nachmittag des 8. Oktober 2020 Alarmierendes meldete: Sein Mithäftling, ein 30-jähriger Mann aus Eritrea, liege bewusstlos in der Zelle. Der Mann kam daraufhin unverzüglich ins Klinikum Rosenheim, wo er am folgenden Tag gegen Mittag verstarb. Als dringend tatverdächtig ermittelten Staatsanwaltschaft und Polizei den damals 27-jährigen Traore I.

Den Gegner in Schwitzkasten genommen

Er soll den Mitinsassen angegriffen und, das ergab die Obduktion, starken Druck auf den Hals des älteren Mannes ausgeübt haben, wohl durch einen Unterarmgriff, landläufig als „Schwitzkasten“ bezeichnet. Weil sich Traore I. zwar hätte ausrechnen können, dass sein Angriff tödliche Folgen haben könnte, er zu diesem Zeitpunkt aber von schweren Wahnvorstellungen heimgesucht worden sei, soll er schuldunfähig sein. Beantragt wird daher die Unterbringung im Maßregelvollzug. Vorgeworfen wird ihm Körperverletzung mit Todesfolge.

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Vor sechs Jahren war das Schwurgericht in Traunstein zu einem anderen Schluss gekommen. Traore I. hatte als Asylbewerber im Juni 2015 einen Menschen mit dem Messer angegriffen und schwer verletzt. Wegen versuchten Mordes wurde er zu einer Haftstrafe von siebeneinhalb Jahren verurteilt, die er zuletzt in der JVA Bernau verbracht hatte.

Weitere Runde am Landgericht

Sein Angriff dort war bereits der zweite mit tödlicher Folge binnen 14 Monaten. Im August 2019 hatte ein Mann aus Bulgarien einen Mithäftling während eines Volleyballturniers niedergeschlagen und ihm dann noch gegen den Kopf getreten, bevor das Sicherheitspersonal einschreiten konnte. Der zu Boden Gegangene starb. Wegen Körperverletzung mit Todesfolge war der mutmaßliche Angreifer zu fünf Jahren Haft verurteilt worden.

Eine verabredete Auseinandersetzung

Der BGH jedoch kassierte das Urteil: Beide Kontrahenten hätten sich zu der Schlägerei sozusagen verabredet gehabt. Da der Gutachter nicht ausschließen konnte. dass dieser dank der Verabredung nicht rechtswidrige Schlag schon tödlich gewesen sein könnte, wird die fatale Auseinandersetzung bei der Neuauflage der Verhandlung wohl nicht mehr als Tötungsdelikt betrachtet werden. Der Fall soll im Sommer neu verhandelt werden, ein genauer Termin steht noch nicht fest

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