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Alz vom Chiemsee bis Altenmarkt

Diskussion über Managementplan für eine der wertvollsten Flusslandschaften Süddeutschlands

„Es geht nur gemeinsam“, betonte Moderatorin Agnes Wagner als Vertreterin der Regierung von Oberbayern mit Blick auf die Umsetzung des Managementplans.
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„Es geht nur gemeinsam“, betonte Moderatorin Agnes Wagner als Vertreterin der Regierung von Oberbayern mit Blick auf die Umsetzung des Managementplans.
  • VonMarkus Müller
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Zu einem Gespräch trafen sich Grundstücksbesitzer, Nutzer, Behörden- und Verbandsvertreter. Sie diskutierten den Managementplans für das Fauna-Flora-Habitat-Gebiet „Als vom Chiemsee bis Altenmarkt“.

Seeon-Seebruck – Das 443 Hektar umfassende Fauna-Flora-Habitat-Gebiet (FFH) „Alz vom Chiemsee bis Altenmarkt“ umfasst ungefähr 18 Kilometer längs der geschwungenen Oberen Alz zwischen Seebruck und Altenmarkt. Dazu gehören neben dem Fluss auch die Wälder, Streuwiesen, weitere Grünlandflächen, das Grabener Moos (Gramsenfilzen) im Seebrucker Ortsteil Graben sowie das flussabwärts liegende Gemeindemoos als Niedermoorbereich.

Da das FFH-Gebiet zu den wertvollsten Flusslandschaften Süddeutschlands gehört und über viele schützenswerte Lebensraumtypen sowie Pflanzen- und Tierarten verfügt, ist zu dessen Erhalt ein Managementplan ausgearbeitet worden. Dieser wurde beim „Runden Tisch“ mit den Grundstücksbesitzern, Nutzern, Behörden- und Verbandsvertretern diskutiert.

„Wir tun in der Gemeinde schon viel für Natur- und Artenschutz und sind dankbar, dass wir diese großartige Landschaft haben, die wir zusammen langfristig schützen wollen“, betonte Bürgermeister Martin Bartlweber. Es handle sich bei dem Managementplan laut Agnes Wagner, Vertreterin der Regierung von Oberbayern, nicht um ein fertiges Werk, sondern um einen Entwurf, den man anpassen könne. Er sei als „Gemeinschaftswerk“ zu betrachten.

Gebiet ist wichtiger Lebensraum

Stefan Gatter vom Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten Ebersberg-Erding und Regionalen Kartierteam Oberbayern erläuterte, dass nur 106 Hektar der FFH-Fläche aus Wald bestünden und davon rund 35 Hektar als Lebensraumtyp festgelegt seien. Ein Problem sei, dass mit der Esche eine wichtige Baumart aufgrund des pilzbedingten Eschentriebsterbens immer mehr ausfalle.

Der Managementplan-Ersteller Simon Putzhammer des Büros Dr. Schober Gesellschaft für Landschaftsplanung mbH berichtete, dass sich die Vielfalt an Lebensraumtypen neben dem Wald durch Stillgewässer, Fließgewässer mit flutender Wasservegetation, kalkreiche Niedermoore und Hochmoore sowie Moorwälder und Mähwiesen zeige. Zu besonders schützenswerten Arten zählte er beispielsweise den Bitterling, den Fischotter, den Scharlachkäfer, die Bachmuschel und das Sumpf-Glanzkraut.

Ein Problem für manche Fischarten sei der Kormoran, dessen Abschuss wieder unkomplizierter werde. Er kritisierte, dass die Bootsfahrer überall anlegen und aussteigen würden. Zudem wünschte er sich, dass künftig weitere Wiesen extensiv genutzt würden, also weniger gedüngt und seltener gemäht werden.

Viele Maßnahmen bereits umgesetzt

Zu den bereits umgesetzten Maßnahmen zählte er das Vertragsnaturschutzprogramm (VNP), das Kulturlandschaftsprogramm (KULAP), die Renaturierung der Gramsenfilzen, eine naturnahe forstwirtschaftliche Nutzung von Waldflächen, eine extensive Beweidung von Talhängen und Grünland in der Aue sowie Maßnahmen zur Besucherlenkung. Zu den notwendigen Maßnahmen Prioritäten zählen die Fortführung der Streuwiesenmahd, die Wiedervernässung von Moorflächen, die Förderung von lebensraumtypischen Baumarten, die Schaffung extensiv genutzter oder ungenutzter Pufferstreifen entlang der Alz, Maßnahmen gegen Störungen durch Tritt, Lagern und Lärm in sensiblen Bereichen sowie Aufklärung.

Einige Landwirte wünschten sich in der Diskussion eine flexiblere Handhabung beim Mähen ihrer Streuwiesen bei sich anbahnendem schlechten Wetter. Gesetzlich ist das erst ab 1. September erlaubt. Das Förderprogramm sei von der EU kofinanziert und deswegen könne man nicht einfach eine Woche früher mähen, so Manfred Mertl von der Unteren Naturschutzbehörde.

Auf die Frage, ob man intensiv genutztes Grünland nach der Extensivierung in die ursprüngliche Nutzungsform zurückführen könne, meinte er, dass dies möglich sei, wenn es über ein Förderprogramm laufe.

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Ein anderer Landwirt befürchtete, dass eine Erweiterung seines Betriebes mit Stallneubau im Bereich des FFH-Gebiets zukünftig nicht mehr möglich sein könnte. „Reden Sie mit der Unteren Naturschutzbehörde“, riet Moderatorin Wagner.

„Das ist nicht im Sinne des bayerischen Fischereigesetzes“

Ein weiterer Teilnehmer echauffierte sich darüber, dass die Fischer am Bifuß bei Ischl teilweise bis zum Wasser fahren und dort sogar campen. „Das geht gar nicht, das ist nicht im Sinne des bayerischen Fischereigesetzes“, sagte Dr. Leonhard Egg von der Fachberatung für Fischerei im Bezirk Oberbayern und appellierte, notfalls die Polizei zu rufen.

Einige Teilnehmer berichteten davon, dass sich die von Alzfahrern verursachte Lärm- und Müllproblematik in den vergangenen Jahren verbessert habe.

Ein weiterer Teilnehmer regte an, die Alz bei sommerlichem Niedrigwasser und hohen Wassertemperaturen für Bootsfahrer zu sperren, um den Stress für die Fische zu minimieren.

Ein Ärgernis seien freilaufende Hunde. „Ich habe gesehen, wie ein Hund ein Reh aus dem Schilf getrieben hat“, warf jemand in die Runde. Sabine Pröls vom Landesbund für Vogelschutz meinte, dass man dem Thema „Besucherlenkung“ noch mehr Aufmerksamkeit schenken müsse.

Ein weiterer Teilnehmer sprach die in der Hauptströmung der Alz angebrachten Versteckmöglichkeiten für Fische an. Da sich diese teils nur knapp unterhalb der Wasseroberfläche befänden, sei dies gefährlich, warnte er. „Wie werden uns das nochmal genau anschauen, aber wir müssen auch was für die Fische tun“, erwiderte Clara Rutkowski vom Wasserwirtschaftsamt.

/JF

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