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DR. NIVIEN SHAFIK UNTERRICHTET FLÜCHTLINGE

„Man muss Mathe sprechen können“

Dr. Nivien Shafik bringt jungen Asylbewerbern beim ökumenischen Begleiterkreis Prien Mathe bei.  privat
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Dr. Nivien Shafik bringt jungen Asylbewerbern beim ökumenischen Begleiterkreis Prien Mathe bei. privat

Die deutsche Sprache ist der Schlüssel zur Integration für Asylbewerber. Wenn Flüchtlinge sich verständigen können, ist das aber nur die erste, grundlegende Voraussetzung, um in einer neuen Heimat dauerhaft zurecht zu kommen. Es braucht auch andere Kompetenzen, zum Beispiel Mathe.

Prien – Was hierzulande als selbstverständlich angesehen wird, ist es anderswo auf der Welt längst nicht immer. Die Schulbildung vieler Flüchtlinge ist oft weit entfernt von dem, was in Deutschland Standard ist. Gerade junge Asylbewerber, die eine der sogenannten Integrationsklassen in den Berufsschulen in Rosenheim oder Wasserburg besuchen, um im Berufsleben Fuß fassen zu können, brauchen zuerst die sogenannten Kernkompetenzen, auf die vieles andere aufbaut: Schreiben, Lesen und – Rechnen.

Der ökumenische Begleiterkreis Integration Prien, in dem Ehrenamtliche unter dem Dach der beiden großen Kirchengemeinden auf vielfältige Weise Flüchtlingen helfen, hat das erkannt und glücklicherweise eine Expertin in seinen Reihen: Dr. Nivien Shafik ist studierte Mathematikerin.

Die 34-Jährige hat einige junge Asylbewerber aus Westafrika und Afghanistan unter ihre Fittiche genommen und lässt sich in ihrer Mission auch nicht davon abschrecken, dass es wegen der sprachlichen Barriere anfangs schwerer ist, den Flüchtlingen Bruchrechnen oder Formeln zum Berechnen von Flächeninhalten von Dreiecken oder Trapezen beizubringen, als gleichaltrigen Einheimischen.

In ihrem ehrenamtlichen Unterricht knüpft die Mathematikerin gezielt an die Erfahrung der Flüchtlinge beim Lernen der deutschen Sprache an, indem mathematische Fachbegriffe und Methoden, wie zum Beispiel „einen Bruch kürzen“ in Analogie zu einer Deutschvokabel in eine Art Vokabelheft eingetragen werden und während dem Lösen von Aufgaben so auch das Sprechen und Schreiben von diesen Wörtern trainiert wird.

„Aufgrund der sprachlichen und kulturellen Unterschiede sowie der extrem belasteten Situation der Flüchtlinge potenzieren sich die Herausforderungen, wenn man mit ihnen arbeitet“, berichtet Shafik im Gespräch mit der Chiemgau-Zeitung über ihre Erfahrungen. Andererseits hat sie festgestellt, dass Asylbewerber viel unvoreingenommener an die Herausforderung herangehen als deutsche Schüler, bei denen Mathe in der Regel nicht auf Platz eins der Lieblingsfächer steht. „Alle sind wissbegierig und neugierig“, lobte die Mathematikerin ihre Schützlinge.

Sie wirbt leidenschaftlich für ihr Fachgebiet, das für die Wahl-Riederingerin gleichermaßen Beruf und Berufung ist. „Hierzulande gibt es einen gewissen Verdruss gegenüber Mathe“, weiß sie. Dem möchte die gebürtige Münchenerin mit ägyptischem Vater und deutscher Mutter bald mit einem eigenen Buch entgegenwirken. Dass sie weiß, wovon sie spricht, belegt die Tatsache, dass Shafik unter anderem als Dozentin an der Hochschule in Rosenheim tätig ist.

„Ich versuche spielerisch, mathematische Kompetenzen zu vermitteln.“ Dr. Nivien Shafik

Mathematik ist für sie nicht nur der Umgang mit Zahlen, sondern zum Beispiel auch eine Grundlage für „strukturiertes, präzises Arbeiten. Man muss Mathe sprechen, schreiben, hören und lesen können“, ist für die 34-Jährige Voraussetzung dafür, dieses Fach vollends zu begreifen.

Um „ihren“ jungen Flüchtlingen den Weg dorthin zu ebnen, arbeitet sie „sehr individualisiert“ mit ihnen, denn die jungen Leute haben ganz unterschiedliche Vorkenntnisse und stehen vor verschiedensten Herausforderungen. Dass ihre Lerngruppe recht klein ist, erleichtert es, auf den Einzelnen einzugehen.

Neben dem wöchentlichen Unterricht versucht Shafik, auch anderen Priener Bürgern auf spielerischem Weg mathematische Fähigkeiten zu vermitteln. Oft sitzt sie freitags ab 18 Uhr deshalb im „Café International“ des Ökumenischen Begleiterkreises im evangelischen Gemeindezentrum und spielt mit anderen Gästen Backgammon, Mastermind oder ein anderes Spiel, bei dem logisches Denken und das Erkennen von Strukturen hilfreich sind, um zu gewinnen. Das wöchentliche „Café International“ haben die Ehrenamtlichen in erster Linie ins Leben gerufen, um eine Plattform zur Begegnung und zum gegenseitigen Kennenlernen von Flüchtlingen und Einheimischen zu schaffen. „Dort versuche ich spielerisch, mathematische Kompetenzen zu vermitteln“, erklärt Shafik.

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