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Alles begann mit einem schicksalhaften Tripp

Maloja aus Rimsting stattet US-Biathlon-Team für Olympia in Peking aus

Die Biathletinnen Susan Dunklee (links) und Clare Egan in ihren Maloja-Rennoutfits.
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Die Biathletinnen Susan Dunklee (links) und Clare Egan in ihren Maloja-Rennoutfits.
  • VonKatharina Koppetsch
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Bei den Olympischen Winterspielen in Peking gehen die US-Biathleten mit Klamotten aus Rimsting an den Start. Das amerikanische Team wird von Maloja ausgestattet.

Rimsting – Maloja aus Rimsting stattet das US-Biathlon-Team für die Olympischen Winterspiele in Peking aus – und feiert damit Premiere. Maloja-Geschäftsführer Peter Räuber spricht in einem Interview über den sehr persönlichen Entstehungsprozess, eine letzte Reise und die Überlegungen hinter dem Design.

Wie kam es zustande, dass Maloja das US-Biathlon-Team ausstatten darf?

Peter Räuber: Dafür muss man etwas zurückspulen. Ich habe wegen Knieproblemen auf Anraten meines Freundes Gheorge „Schorsch“ Catrici mit dem Langlaufen begonnen. Und bin dem Sport verfallen. 2016 hat mich Schorsch – inzwischen Chef des moldawischen Skiverbands – mit zum Biathlon-Weltcup nach Östersund genommen. Auf der Rückreise fange ich am Stockholmer Flughafen vertraute Wortfetzen auf. Zwei Männer in US-Biathlonbekleidung unterhalten sich auf Bayerisch. Wir kommen ins Gespräch. Amerikaner seien sie zwar nicht, antworten die beiden, aber das Bayerische passe gut zum US-Biathlon-Spirit – und Maloja würde das auch. Das waren Bernd Eisenbichler, damals Chief of Sport und Christian Sieler, zu der Zeit Betreuer und Skitechniker der US-Mannschaft. Am Montag darauf steht der Präsident der US-Biathleten, Max Cobb, mit Bernd bei uns in Rimsting, wo Maloja zu Hause ist. Der Vertrag wird aufgesetzt, unterzeichnet, fertig. Und inzwischen haben wir den Vertrag auch schon um vier weitere Jahre verlängert. Das ganze Thema ist für mich auch mit vielen Emotionen verbunden, weil mein guter Freund Schorsch kurz nach unserer Östersund-Reise verstorben ist. Wir wussten damals schon, dass es sein kann, dass das unsere letzte gemeinsame Reise sein wird. Umso stärker sind die Gefühle, die ich mit diesem schicksalhaften Trip verbinde.

Was umfasst die Ausstattung?

Räuber: Das wichtigste Produkt ist sicherlich der Rennanzug, da steckt am meisten Entwicklungsarbeit von Maloja drinnen. Darüber hinaus erhält das ganze Team von uns wärmende Produkte, Trainingsbekleidung und auch Streetwear, die gemütlich und cool für Reisen und für das Hotel oder für nach dem Training ist.

„Das ganze Team“ bedeutet, nicht nur die Athleten werden von Maloja komplett ausgestattet?

Räuber: Genau, das ist mit der wichtigste Punkt in der ganzen Partnerschaft mit dem US-Biathlon-Team: Wir möchten, dass alle Teammitglieder – von den Athleten über die Physiotherapeuten, die Betreuer bis hin zu den Skitechnikern – dieselbe, hochwertige Ausstattung erhalten und gut aussehen können. Jeder von ihnen ist maßgeblich am Erfolg beteiligt und das soll die Bekleidung auch widerspiegeln. Wir nennen das den Maloja-Ansatz, die Amerikaner sagen „one team, one dream“.

Wie seid Ihr ein solches Projekt angegangen?

Räuber: Am Anfang haben wir uns erst einmal angesehen, welche Produkte es im Biathlon-Zirkus gibt. Dann war relativ schnell klar, dass ein Schwerpunkt unserer Entwicklung darin liegen muss, den Athleten beim Schießen ein Maximum an Stabilität zu geben. Darum haben wir zum Beispiel die Rennanzüge mit speziell positionierten, „Anti-rutsch“-Grippern im Hüftbereich, an den Ellbogen und am Oberarm ausgestattet. Im Arm- und Wadenbereich ist zudem ein aerodynamisches Material verarbeitet, damit die Athleten auch auf den Abfahrten noch ein paar Zehntel-Sekunden herausholen können.

Ist die Ausstattung auf das jeweilige Teammitglied maßgeschneidert?

Räuber: Das Team kommt eigentlich mit unseren Standardgrößen sehr gut klar. Es geht bei den meisten dann bei der Einkleidung nur mehr darum, wie der eigene Geschmack ist, heißt, ob man die Sachen lieber etwas weiter oder etwas enger trägt. Da hat ein jeder und eine jede seine individuelle Wohlfühlgröße.

Können Sie ein bisschen über den Entstehungsprozess der Sportbekleidung erzählen?

Räuber: Wir stehen jedes Jahr für den Entwicklungsprozess im intensiven Austausch mit den Athleten. Da diese ohnehin oft für Trainingslehrgänge und Wettkämpfe in Europa sind, findet dieser Austausch meistens direkt in der Maloja-Firmenzentrale in Rimsting statt. Jedes Jahr im Herbst findet dann die Einkleidung bei uns statt: Da ist immer ein ganz besonderer, spannender Tag, der komplett für das US-Biathlon-Team reserviert ist. Alle Teammitglieder erhalten ihre Bekleidung, alles wird an- und ausprobiert und die ganze Firma isst gemeinsam mit dem Biathlon-Team zu Mittag.

Das US-Biathlon-Team bei der Einkleidung in Rimsting mit den Maloja-Firmengründern Peter Räuber (links außen mittlere Reihe) und Klaus Haas (rechts außen mittlere Reihe).

Maloja habt ebenfalls einen eigenen Membranstoff entwickelt...

Räuber: Wir haben ab nächstem Winter mit „cembra“ eine eigene, umweltfreundliche Wetterschutz-Membran in unseren Jacken und Hosen verarbeitet. Das besondere daran ist, dass das Material großteils recycelt werden kann. Es gibt nicht viele recycelbare Membran-Technologien am Markt, wir haben sehr viel Entwicklungsarbeit in dieses Thema gesteckt und konnten zum Beispiel zum Langlaufen eine eigene cembra breathe-Serie herausbringen, die besonders atmungsaktiv ist. Davon profitieren natürlich auch die US-Biathleten.

Wo liegt die Schwierigkeit bei Entwicklungsprozess?

Räuber: Der Rennanzug muss hauchdünn sein, das ist für die Athleten das wichtigste. Dann geht es darum, über die ganze Saison hinweg die richtige Wärmeleistung zu finden – wir haben dafür drei spezielle Unterwäsche-Sets entwickelt. Die funktionieren von tiefen Januartemperaturen bis hin zum wärmeren Frühlingswetter, denn die Weltcup-Saison dauert ja bis in den März hinein.

Maloja-Geschäftsführer Peter Räuber möchte jeden Biathlon-Wettkampf live im Fernsehen verfolgen.

Maloja arbeitet mit Elementen aus der amerikanischen Flagge. Hattet Ihr bei der Gestaltung frei Hand?

Räuber: Bei der Gestaltung hatten wir komplett freie Hand. Wir freuen uns, dass wir das Thema mit der amerikanischen Flagge so frei bearbeiten konnten. Bei den Männern haben wir mit den Originalfarben der Flagge gearbeitet, bei den Frauen haben wir uns für ein feminineres Rosa entschieden. Das ist insofern erwähnenswert, weil die meisten Nationen für Frauen und Männer dieselben Designs verwenden. Hier sind wir mal wieder unseren eigenen Weg gegangen. Was Olympia betrifft: Wir haben vom IOC ein dickes Büchlein erhalten mit klaren Vorgaben zur Gestaltung der Olympia-Kleidung, inklusive Quadratmillimeter-genauer Angabe zur Logoplatzierung.

Wie werden Sie Olympia mitverfolgen?

Räuber: Die Mannschaft in Maloja zu sehen ist natürlich ein ganz besonderer Moment in unserer Firmengeschichte und wir sind sehr stolz darauf, erstmals als Ausstatter bei Olympischen Spielen dabei zu sein. Wir werden natürlich bei allen Biathlon-Bewerben vor dem TV mitfiebern und drücken unsere Daumen für das US-Biathlon-Team genauso fest wie für alle deutschen Athletinnen und Athleten.

Das erste Biathlon-Rennen findet am 5. Februar um 10 Uhr (deuterscher Zeit) statt. An den Start gehen die Mixed-Staffeln.

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