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Der Weg einer Künstlerin

Mit Langsamkeit zum Erfolg: Barbara Nedbal aus Prien ist als Malerin angekommen

Malerin Barbara Nedbal in ihrem kleinen Showroom, umringt von ihren Schwerpunktarbeiten – Werke aus Tusche, natürlichen Farbpigmenten und dem Mineral Muskovit. Schilf und Gräser, Fische und „Steinbilder“ (unten rechts) kennzeichnen Nedbals Motivwelt.
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Malerin Barbara Nedbal in ihrem kleinen Showroom, umringt von ihren Schwerpunktarbeiten – Werke aus Tusche, natürlichen Farbpigmenten und dem Mineral Muskovit. Schilf und Gräser, Fische und „Steinbilder“ (unten rechts) kennzeichnen Nedbals Motivwelt.
  • Elisabeth Sennhenn
    VonElisabeth Sennhenn
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Die Priener Malerin Barbara Nedbal hat keine Angst vor der Langsamkeit. Nach vielen Jahren harter Arbeit zahlt sich für sie aus, dass ihre Biografie anders verlaufen ist als die vieler anderer Kunstschaffender. Eine Begegnung zwischen Fischen, Schilf und Steinen.

Prien – „Es ist gut, wenn uns die verrinnende Zeit nicht als etwas erscheint, das uns verbraucht oder zerstört, sondern als etwas, das uns vollendet“, soll einst der Schriftsteller Antoine de Saint-Exupéry gesagt haben.

Positive Worte zum Faktor Zeit, der in unserer Gesellschaft selten als etwas gesehen wird, das einem auch dienlich sein kann. Ein gutes Beispiel dafür ist die Biografie der Priener Malerin Barbara Nedbal. Freimütig spricht die Künstlerin („mit diesem Begriff tue ich mich irgendwie schwer“) mit der Chiemgau-Zeitung darüber, wie das ist, wenn man einen langen Atem braucht, um in der Kunstszene anzukommen.

Auf der Suche nach der eigenen Mitte

Und wie sie für sich selbst den Zeitpunkt fand, an dem sie sich „für soweit“ hielt, mit ihren Werken an die Öffentlichkeit zu gehen. Seit sieben Jahren kann die Mittfünfzigerin mit den zart ergrauten Locken hauptberuflich von ihrer Kunst leben. All die Jahre davor, sagt sie heute, sei sie – nach einer schwierigen Kindheit und Jugendzeit – auf der „Suche nach der eigenen Mitte“ gewesen.

„Mitte“ nennt sie auch ihre Serie aus Tuschezeichnungen. Kreise aus feinsten, symmetrischen Strichen, die von einem winzigen Punkt in der Mitte ausgehen. Je näher man den Bildern kommt und je länger man sie betrachtet, desto mehr verliert man sich im entstehenden 3D-Effekt.

Aktuell sieht man einige von Nedbals Werken im Rahmen der Priener „KunstZeit“ in den Schaufenstern von „Amon“ in der Wendelsteinstraße: großformatige, goldfarbene Fische, forellengleich schlängelnd, nicht unbedingt naturgetreu. Aber auf jeden Fall eine Reminiszenz an den Chiemsee, seit 1988 Nedbals Wahlheimat. Ihr Atelier hat sie bei sich zu Hause in der Rosenstraße, ihren Showroom im „Amon“-Hinterhof. Hier findet sich eine Auswahl von Schwerpunktarbeiten: Zarte Blütenschauer, Fischschuppen, Schilfblätter und Gräser auf monofarbigen Flächen, die Tuschezeichnungen und die „Steinbilder“. Muskovit, ein besonderes Silikatmineral, das weiß, beige oder hellbraun schimmert, zerschneidet Nedbal dazu in langwieriger Feinstarbeit in hauchdünne Plättchen und legt sie zu großflächigen, irisierenden Mosaiken.

Tintenfisch und Austernschale

Immer wieder kommt der Betrachter in Versuchung, diese eine Frage zu stellen: Wie lange hat sie bloß daran gearbeitet? Nedbal lächelt vielsagend. Für manche Werke brauche sie Wochen: Langsamkeit ist für sie nichts Negatives. „Ich versuche, beim Malen die Zeit aufzulösen, das hat für mich etwas kontemplatives. Meine Techniken sind darauf ausgerichtet, Zeitlosigkeit zu erlauben. Das darf man ruhig spüren in den Bildern.“ Das fange schon bei den Farben an. Nedbal greift nicht einfach zur Tube mit der fertig gemischten Farbe, sondern mischt selbst, bis es für sie passt. „Ich vermale historische Farben, die aus Erden, Erzen, Mineralien, organischen Grundstoffen gewonnen wurden“, erzählt sie. Zum Beispiel Sepia, den natürlichen Pigmentfarbstoff des Tintenfischs. Und Gofun, das wichtigste Weißpigment der japanischen Kunst, das aus der Austernschale gewonnen wird.

Der japanischen und der nordischen Ästhetik fühlt sich Nedbal nicht nur in der Kunst eng verbunden. Sie mag das Stille, Harmonische, dabei aber auch das Raue und Unvollkommene.

So hat sie sich selbst lange gefühlt: „Ich habe nicht diese typische Künstlerbiografie, mit Ausbildungen an bekannten Akademien, bei berühmten Professoren“, erzählt sie. Ihre Lehrmeisterin war ihr das Leben selbst, seit ihren 20ern widmete sie sich immer intensiver dem Malen. Heute kann sie selbstbewusst von sich sagen, sie sei „nicht verbildet“. Ihre Mentoren und Käufer hat sie gefunden. Oder umgekehrt. Mittlerweile hat sie auch vielfach ausgestellt.

Sie kombiniert Kunst am liebsten mit Kunst

Jahrelang hat sie für ihren Traum, einfach „nur“ Malerin sein zu dürfen, in einem Priener Café gearbeitet. Gern, wie sie sagt. Bis heute fühlt sie sich dem Chiemsee, der ganzen Gegend, eng verbunden. Hier inspirieren sie das Wasser und die Berge, in die es sie zum Klettern zieht. In Prien engagiert sie sich bei „Salon 21“, hat ihre große Liebe kennengelernt und plant – „endlich wieder!“ neue Ausstellungen und Projekte. Am liebsten ist es ihr, Kunst mit Kunst zu kombinieren, also ihre Werke mit Musik, Tanz und Literatur zu präsentieren. Eine Ausstellung, bei der sie sich thematisch an den norwegischen Autor Jon Fosse anlehnen will, soll im November auf dem Gelände der solidarischen Gärtnerei Jolling in Bad Endorf stattfinden.

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