Schützbedürftig und selten

Mairenke ist Bayerns „Fisch des Jahres“: Am Chiemsee findet man sie vor allem bei Seebruck

Ein Männchen der Mairenke mit Laichausschlag.
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Ein Männchen der Mairenke mit Laichausschlag.
  • vonElisabeth Kirchner
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Die Mairenke kommt deutschlandweit nur in Bayern vor und ist damit die perfekte Repräsentantin für die vielfältige Unterwasserwelt unserer Heimat.“ So hat Albert Göttle, Präsident des Landesfischereiverbands Bayern, die Ernennung der Mairenke zu Bayerns Fisch des Jahres begründet.

Chiemsee – Der Hering sei zwar deutscher Fisch des Jahres, komme aber in Bayern nur auf dem Teller oder in der Semmel vor. Deswegen hätten Bayerns Fischer heuer erstmalig einen eigenen Fisch des Jahres gekürt – Anlass genug, sich mit Anglern und Fischern rund um den Chiemsee über die Bedeutung der Mairenke zu unterhalten, die hierzulande als Schiedling bekannt ist.

Leben als Schwarmfisch

Florian Haiker, Gewässerwart und Ehrenvoritzender des Anglerbunds Chiemsee, erklärt, dass die Mairenke sich am liebsten tief unter Wasser in Voralpenseen tummelt. Auch wenn sie, wie der Hering, als Schwarmfisch lebe, gehöre die Mairenke zur Familie der karpfenartigen Fische. Sie laicht zwischen Mai und Juni an sandigen Uferstellen im See oder Zuflüssen. Daher rührt auch der Name. Mairenken haben Haiker zufolge einen schlanken, lang gestreckten Körper und – im Gegensatz zu den echten und viel populäreren Renken – eine leicht nach oben gerichtete Maulspalte.

Mairenke heißt auch Grünling

Ihr Schuppenkleid ist an den Flanken silbern und oberhalb grünlich gefärbt. Deshalb wird die Mairenke auch Grünling genannt. Weitere Namen sind Seelaube (so heißt sie am Starnberger See) oder Schiedling (so nennt man sie am Chiemsee).

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Ihr Lebensraum sind die voralpinen Seen, insbesondere auch der Chiemsee. Zur Laichzeit im April und Mai ziehe sie in die Zu- und Abläufe ihrer Wohngewässer, wo sie dann leichte Beute fischfressender Vögel werde, erläutert Haiker. Aber auch bei Flussbarschen, Hechten oder anderen Raubfischen stehen Mairenken auf dem Speiseplan.

Laut Landesfischerverband Bayern steht die Mairenke „stellvertretend für weitere 58 heimische Fischarten, ihre Schutzbedürftigkeit sowie die Notwendigkeit zur Wiederherstellung intakter Fischlebensräume in möglichst natürlichen Flüssen, Bächen und Seen“.

Mairenke auf der „Roten Liste“

Die Mairenke ist nach europäischem Naturschutzrecht geschützt und wurde schon in der Roten Liste von 2003 als gefährdete Art eingestuft. Der Hauptgrund dafür sind aber nicht ihre natürlichen Feinde, sondern menschliche Eingriffe in die Gewässer. Stauwehre und Uferverbauungen – vor allem an den Seen– dezimieren die Lebensräume der Mairenken. Außerdem machen ihnen die vielen Einträge von Nährstoffen und Sedimenten in die Seen und Flüsse zu schaffen. Eine Erklärung, die Thomas Lex, Fischereimeister von der Fraueninsel und Vorsitzender der Fischereigenossenschaft Chiemsee, der Vereinigung der Berufsfischer, bestätigt.

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Einst sei die Mairenke ein geschätzter Speisefisch gewesen. Aber wie alle Karpfenfische habe sie viele Gräten, erklärt der Fischer von der Fraueninsel. Deshalb sei sie inzwischen nicht mehr so beliebt „und ihre wirtschaftliche Bedeutung ist gering,“ ergänzt Haiker.

Während er empfiehlt, aus der Mairenke selbstgemachte Bratheringe oder Fischpflanzerl zuzubereiten, präferiert Lex die Verarbeitung nach Matjes-Art. In Salz eingelegt, reifen die Mairenken nach, so dass die Gräten weich werden, so Lex weiter.

Große Schwärme bei Seebruck

Er wartet dann noch mit einer kleinen, belegten Anekdote aus dem Mittelalter über die Mairenken auf, als diese noch bedeutsamer waren als heute und – mit Salz haltbar gemacht – als eiweißreiche Kost dienten. Damals hätten die Fischereirechte bei den Klöstern gelegen.

Als das Kloster Frauenchiemsee mit einem Wehr den Zug der Schiedlinge über die Alz nach Norden zum Kloster Baumburg versperrte, musste der Herzog von Landshut schlichtend eingreifen. „Das Werch“, wie das Wehr damals genannt wurde, musste wieder weg, der freie Zug war wieder gewährleistet. Auch heute noch kann man die Mairenken an der Seebrücke in Seebruck beobachten, berichtet Lex. Ganze Schwärme sammeln sich dort, ehe sie zum Laichen Alz-abwärts schwimmen. „Da ist das Wasser dann ganz schwarz.“

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Die Mairenke (Alburnus chalcoides) ist ein Fisch aus der Familie der Karpfenfische (Cyprinidae). Sie wird zu den Weißfischen gezählt. Die Mairenke erreicht eine Länge von 15 bis 25 Zentimetern und hat einen hochrückigen Körper mit grünlicher Oberseite. Flanken und Bauchseite sind silberfarben. Die Rücken- und Schwanzflosse ist leicht schwarz gefärbt, die anderen farblos.

Eine Fettflosse ist nicht vorhanden, da der Fisch nicht zu den Renken gehört, wie man aufgrund des deutschen Namens annehmen könnte.

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