Märchenpark-Betreiber in Marquartstein hoffen auf ein Ende des Dornröschenschlafs durch Corona

Märchenpark Marquartstein: Alles ist nach der Winterpause gerichtet, doch das Gelände ist immer noch geschlossen. Die ausbleibenden Gäste sind für den Betrieb fatal. re
  • vonMartin Tofern
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Wegen der Coronakrise bleiben im Märchenpark Marquartstein die Besucher aus. Der Betreiber setzt auf eine baldige Öffnung, steht aber hinter den Maßnahmen der Regierung.

Marquartstein – Mit dem Frühling kommen normalerweise die ersten Besucher in den Märchenpark in Marquartstein. Doch wegen der Corona-Pandemie verliert sich kein Mensch auf dem großzügigen Gelände, es herrscht eine geradezu märchenhafte Ruhe. Für Peter Aigner, den Betreiber des Parks, heißt das aber: keine Besucher, keine Einnahmen. Das sei schon knackig. „Aber wir stehen voll hinter den Maßnahmen der Regierung. Die Gesundheit ist ja unser höchstes Gut“, sagt Aigner. „Wir haben selbst zwei Senioren im Haus und wissen, wie wichtig es ist, die Ansteckungsgefahr zu minimieren.“

Ponyderby auch in diesem Jahr die Attraktion

Trotz der derzeitigen Beschränkungen hofft Aigner, seinen Freizeitpark bald wieder öffnen zu dürfen. Der sei schließlich ein Saisonbetrieb und müsse den Umsatz eines ganzen Jahres in nur sieben Monaten einfahren. „Eigentlich hätten wir Anfang April eröffnet, doch derzeit ist ein Termin leider nicht absehbar“, sagt er bedauernd. Dabei habe sein Park im vergangenen Jahr eine neue Attraktion gebaut, die sicher noch nicht alle gesehen hätten: eine Maschine namens  Ponyderby. Dabei können Kinder auf Ponys, die so ähnlich gebaut sind wie Schaukelpferde, um die Wette reiten. „Von dieser Attraktion könnten wir dieses Jahr noch profitieren.“ Aigner ist gelernter Maschinenbauer, hat die Anlage selbst konstruiert und sich auch patentieren lassen.

Aktuell nur vier Handwerker beschäftigt

In der Saison sind im Park 20 Leute tätig. Derzeit reicht die Arbeit nur für vier Handwerker: Sie halten Geräte und Anlagen in Schuss. Sie arbeiten in Schichten, damit sie sich nicht zu nahe kommen und sich nicht gegenseitig anstecken. Wie jedes Jahr haben sie die Sicherheitsprüfung durch den TÜV begleitet, alle Geräte sind kontrolliert. Und selbstverständlich auch die weithin bekannte Sommerrodelbahn.

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Hier muss man zum oberen Ende hochsteigen, um hinunter zu fahren. Ein Schild gibt einen Anhaltspunkt, was man im Vergleich zu den verlorenen Kalorien konsumieren könnte. Die Angaben sind nach verschiedenen Gerichten gestaffelt. Das Lokal des Märchenparks ist zurzeit geschlossen. Aigner hat es verpachtet, das Personal hält sich auf Abruf bereit.

Die Pflanzen und Tiere, die ebenfalls zum Park gehören, müssen natürlich auch dann gepflegt und versorgt werden, wenn keine Besucher kommen. Im Streichelzoo gibt es Ziegen und später auch Schafe, die von einem Bauern ausgeliehen werden, außerdem Dam- und Rotwild in einem Gehege. Wenn der Park geöffnet ist, bekommen die Tiere einen Teil ihres Futters von den Besuchern, die es am Automaten oder gleich an der Kasse kaufen können.

Zum ersten Mal an Ostern nicht gearbeitet

Aber noch sind die Tiere ganz für sich. „Wir haben alles heruntergefahren“, sagt Aigner. Manchmal hört man doch Erstaunen durch bei ihm und auch Enttäuschung: „So weit ich mich zurückerinnern kann, ist es das allererste Ostern, an dem wir als Familie nicht gearbeitet haben.“ Früher sei es schon mal vorgekommen, dass es drei Tage vor Eröffnung heftig geschneit habe und die ganze Familie die Gleise der Parkeisenbahn freischaufeln musste. Eine kleine Erinnerung an die Tradition des Parks, den Aigners Vater Peter Aigner senior im Jahr 1971 gegründet hat.

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Trotz der nachdenklichen Momente gibt sich Peter Aigner junior, der den Betrieb 1997 übernommen hat, zuversichtlich: „Ich bin optimistisch. Wenn es wieder losgeht, dann fahren wir den Betrieb wieder hoch.“ Er rechnet damit, dass er den Märchenpark bis spätestens Pfingsten wieder öffnen darf. Wenn nicht, „dann wird es natürlich langsam bitter.“ Über die durchschnittliche Zahl der Besucher in normalen Jahren oder gar die Geschäftszahlen will Aigner nicht sprechen: „Das hat bei uns Tradition.“

Aigner hofft auf Besucheransturm im Sommer

Ein Grund für seine Zuversicht für dieses Jahr sei, dass er glaube, dass die meisten Deutschen ihren Sommerurlaub im Lande verbringen werden. „Das Thema Auslandsurlaub hat sich für dieses Jahr wegen Corona doch erledigt.“ Bei allen Unwägbarkeiten wegen der Pandemie, im kommenden Jahr gibt es auf jeden Fall wieder etwas zu feiern, denn dann wird der Park 50 Jahre alt.

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