Pallinger ist Europas bester Vogelstimmen-Imitator und zwitschert Österreichisch

Helmut Wolfertstetter ist Europameister im Imitieren von Vogelstimmen. Bovers
  • vonKlaus Bovers
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Helmut Wolfertstetter aus Palling kann so zwitschern wie die heimischen Singvögel. Er ist darin sogar Europameister und kennt selbst den Dialekt des österreichischen Federviehs. Seine Technik verfeinert er von Kindesbeinen an, Tonband oder andere Hilfsmittel waren nie sein Ding. Das Porträt eines ungewöhnlichen Hobbys.

Bernau/Palling – „Jetzt im Frühjahr, wenn’s wieder los geht, misch ich mich schon mal ein. Wenn ich merke, der Amselmann singt jetzt grad um ein Weiberl, dann bin ich dabei. Da wird der schon mal richtig sauer!“ – lacht der Europameister im Vogelstimmen imitieren. „Aber bis jetzt ist das immer gut ausgegangen, ich hab noch keinem echt Konkurrenz gemacht!“

Solche Spaßettln lässt er gerne einfließen bei seinen öffentlichen Auftritten, und so hat er in Bernau beispielsweise jüngst ganz schnell alle täuschend echt erklingen die Vogelstimmen, bei denen Zuhörer oftmals vor Staunen Augen und Ohren aufreißen.

Lippenbewegungen kaum sichtbar

Auf der Leinwand ist gerade das Foto eines Buchfinken zu sehen, davor agiert der Europameister, froh gestimmt und ganz entspannt macht er mit – kaum sichtbaren – Lippenbewegungen den lauten und drängenden Lockruf des Finken-Männchens nach. Und zwar eines bayerischen. „Denn die Buchfinken in Österreich“, das weiß er als Europameister, „haben einen eigenen Dialekt“. Der ist auch gleich anschließend zu hören und der Vergleich gibt recht. Er ist rauszuhören.

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Tipps, damit jeder selbst imitieren kann

„Sobald meine Zuhörer Vögel singen hören, sind alle entspannt. Egal ob kleine Kinder oder alte Leute – und das überträgt sich dann auf mich. Lauter positive Resonanz, was will ich mehr?“, freut er sich. Dabei gibt er generell auch sein Wissen weiter: „Da braucht’s nichts weiter als Zunge, Zähne und Lippen,“ versichert der fröhliche Vogelmann aus Palling, „die Technik muss man halt üben, mit dem was jeder hat. Auch ich habe weder eine schiefe Zunge oder die spezielle Zahnlücke, bei mir ist alles ganz normal!“

Begonnen hat Wolfertstetter mit der Vogelzwitscherei selbst mit zehn/elf Jahren. „Bei Vereinsausflügen hab ich es einfach mal versucht und alle fanden es lustig.“ Seine Spezln hätten ihn dann schon mal aufgefordert, bei Wanderungen zu zwitschern und während sie alle nach oben in die Bäume schauten, hätten sie „ihre Gaudi wenn sich das derbleckte Publikum vergeblich den Hals nach einem singenden Vogel verrenkte“.

Im Forst jubiliert und tiriliert es

Seine Technik hat er mit den Jahren verfeinert, Tonband oder andere Hilfsmittel waren nie sein Ding, denn Anhörungs-Material hatte er immer reichlich im Original vor der Haustür. Als Landwirt betreibt der Helmut Milchwirtschaft im Haupterwerb, der Wagnerhof, seit 1625 in der Familie, liegt westlich von Palling im Weiler Höhenstetten. Von dort zieht sich bis fast nach Trostberg ein ausgedehnter Forst, in dem es gerade jetzt wieder jubiliert und tiriliert, dass es eine Freude ist.

Auf das Thema Artensterben angesprochen meint er nach einem Moment des Nachdenkens und sehr überzeugt: „Ich glaube bei uns in Palling passt noch alles!“ Und wie war das genau mit der Europameisterschaft? „Das ist schon ewig her,“ erinnert sich der Helmut, „2007 war das, als der Traunsteiner Hofbräu für einen bunten Abend über die Zeitung einen Vogelzwitscherer gesucht hat. Als bayerische Vertretung gegen ein paar Österreicher, die auftreten sollten. Und weil ich wusste, dass ich das kann, habe ich dort halt erfolgreich mitgezwitschert!“

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Gaudi beim Wettbewerb

Die Nachbarn aus Österreich luden den Kollegen daraufhin später zu einem Wettbewerb ein. Es gibt im Salzkammergut nämlich die alte Tradition, dass man für den Winter Singvögel fängt, für die staade Zeit sozusagen, um sie im Frühjahr wieder frei zu lassen. Wer sie fangen wollte, musste sie locken können, und unter den besten Lock-Zwitscherern gab es dort immer schon Wettbewerbe. Als Wolfertstetter mit antrat, waren mit acht Österreichern und einem Bayer auf einmal zwei Nationen am Start, also machten die unverhofft internationalen Vogelpfeifer einfach eine Europameisterschaft daraus. Mit einer richtigen Fachjury, die heimlich zuhörte. Auch wenn der Wolfertstetter als Bayer den Wettbewerb gewonnen hat, sie hatten trotzdem alle ihre Gaudi.

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Gefiederte Freunde vielen bekannt

Beim Auftritt in Bernau fiel auf, dass eigentlich alle in Bild und Ton gezeigten Vögel – darunter Amsel, Star, ZilpZalp, Waldkauz, Rauchschwalbe, Blaumeise, Kleiber, Pirol und als Krönung die Nachtigall – dem Publikum ohne Ausnahme bekannt waren. „Bei meinen Vorträgen in Schulen und Kindergärten ist das anders. Doch immer wieder sind einer oder zwei dabei, die vielleicht mit ihrem Opa in den Wald gehen, die kennen sich dann richtig gut aus. Alle anderen sind auf jeden Fall begeistert!“ Vermutlich, weil sie diese Naturtöne zum ersten Mal bewusst hören können.

Von Balzruf bis fröhliches Pfeifen

Stichwort: Repertoire. „Eine schwierige Frage. Es ist ja so, dass alle Vögel verschiedene Rufe drauf haben, Warnruf, Balzruf, Lockruf oder einfach fröhlich vor sich hin. Aber so an die vierzig Vogelarten dürften es schon sein.“

Und vor welchem Publikum pfeift er am liebsten? „Mir sind alle Zuhörer gleich lieb. Doch besonders gut verstanden werde ich draußen in der Natur von den Originalen. Wenn wir uns was zu zwitschern ist es ganz selten, dass einer mal nicht reagiert. Außer es ist vielleicht ein Zugvogel, der mich vom letzten Jahr noch kennt und sich denkt: Pfeif du nur, derblecken kann ich mich selber!“

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