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FREISTAAT BEZUSCHUSST LUFTREINIGER

Auf die Kommunen abgeschoben? Das Achental diskutiert Luftreiniger in Schulen

Mit Luftreinigern sollen die Schüler unbesorgt in den Unterricht nach den Sommerferien zurückkehren können. Ein entsprechendes Förderprogramm für deren Kauf bietet der Freistaat nun an.
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Mit Luftreinigern sollen die Schüler unbesorgt in den Unterricht nach den Sommerferien zurückkehren können. Ein entsprechendes Förderprogramm für deren Kauf bietet der Freistaat nun an.
  • Heidi Geyer
    VonHeidi Geyer
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Keine Freunde gemacht hat sich der bayerische Kultusminister Piazolo mit der Ankündigung, dass er Präsenzunterricht ab Herbst nicht garantieren kann. Können teure Luftreiniger Abhilfe schaffen? Das fragen sich gerade die Schulen im Achental.

Achental – Dicke Luft gab es in vielen Familien während des Lockdowns, doch auch in den Klassenzimmern des Achentals ist sie nicht immer taufrisch. Der Freistaat will nun Abhilfe schaffen und bezuschusst Kommunen mit der Hälfte der Anschaffungskosten für Lüftungsgeräte, die Lehrer und Schüler vor Covid-19-Infektionen schützen sollen.

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Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) möchte möglichst alle Schulklassen vor dem Herbst mit mobilen Luftfiltern ausstatten. Rund 14  000 Geräte stehen bereits in den Klassen, sagte Söder am Dienstag in einer Pressekonferenz. „Wir möchten, dass das ausgebaut wird“, betonte der Ministerpräsident.

Anders als Söder war der Schulverband Grassau, zu dem Grassau, Marquartstein und Staudach-Egerndach gehören, bislang nicht überzeugt. Erst im Februar hatten sich die Mitglieder mit knapper Mehrheit gegen die Anschaffung von Filtern entschieden.

Angebote von bis zu 150 000 Euro

Vorab hatte die Verwaltung Angebote eingeholt, deren Gesamtkosten zwischen 70 000 und 150 000 Euro lagen. Nach Auskunft von Bürgermeister Stefan Kattari (SPD), der dem Schulverband vorsitzt, habe für die Ablehnung die Information des Landratsamts Traunstein eine Rolle gespielt, dass trotz der Luftfilter die Maskenpflicht weiter bestehe. Ebenso zweifelten einige Entscheider am tatsächlichen Nutzen in Bezug auf den Infektionsschutz (siehe Infokasten).

Nun kommt das Thema nach Söders Ankündigung erneut auf den Tisch. Im Juli wird Kattari zufolge eine Schulverbandssitzung stattfinden, um zu klären, ob Geräte angeschafft werden sollen. Derzeit hole die Verwaltung Angebote für die Luftreiniger ein, weil auch der Schulverband Grassau damit rechnet, dass die Geräte heiß begehrt sind.

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Bürgermeister Stefan Kattari bezweifelt, dass Luftreiniger die Infektionsgefahr senken, möchte sich aber dem Sicherheitsbedürfnis von Schülern, Eltern und Lehrern nicht verschließen. Er kritisiert, dass das Thema aus der Landespolitik nach unten delegiert wird. „Ich finde es fast etwas dreist, wenn der Ministerpräsident sagt, der Spielball liegt nun bei den Kommunen“, sagt Kattari.

Fürsorgepflicht für Schulleiter

Georg Tischler, Schulleiter der Grassauer Mittelschule, spricht sich hingegen für Anschaffung der Geräte aus, weil er eine Fürsorgepflicht für Lehrer und Schüler habe und alles für bestmögliche Bedingungen tun möchte. „Ich weiß außerdem nicht, nach welchen Regeln im kommenden Schuljahr der Unterricht stattfinden kann. Für den Herbst und alle politischen Entscheidungen wollen wir gerüstet sein“ sagt Tischler im Gespräch mit der Chiemgau-Zeitung.

Gute Erfahrungen am LSH Marquartstein

Anders als der Schulverband Grassau hat das Staatliche Landschulheim Marquartstein (LSH) schon Erfahrung mit den Lüftern. Träger des LSH ist nicht der Schulverband, sondern der Freistaat selbst. „Wir haben zehn hochwertige Geräte angeschafft, die jeweils um die 3000 Euro gekostet haben und sonst in OP-Sälen eingesetzt werden“, sagt Schulleiter Dr. Christian Czempinski.

Am LSH habe man gute Erfahrungen mit den Geräten gemacht, die etwa so groß sind wie ein langer fahrbarer Heizkörper und in den Klassenzimmern gut untergebracht werden können. „Im Hintergrund machen sie zwar einen gewissen Lärm, aber sie beeinträchtigen uns nicht“, sagt Czempinski.

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Interesse habe das LSH auch an weiteren Geräten, jedoch müsse geklärt werden, ob der Freistaat als Träger auch die weiteren Kosten übernehmen oder ob dies vom Budget der Schule abgezogen werde. „Jetzt haben wir sehr teure Geräte, da werden wir wohl andere kaufen müssen“, sagt der Schulleiter. Die entscheidende Frage sei für ihn die Verfügbarkeit der Geräte auf dem Markt. Ähnlich wie Kattari rechnet er mit einem Run auf die Lüfter.

Umweltbundesamt sieht Luftreiniger kritisch

Je nach technischer Ausrichtung sind mobile Luftreinigungsgeräte in der Lage, Viren aus der angesaugten Luft zu entfernen. Das Umweltbundesamt (UBA) informiert auf seiner Homepage, dass dies jedoch sehr stark davon abhängig sei, wie und wo das Gerät aufgestellt wird.

Gelüftet werden müsse in Klassenzimmern zusätzlich, weil die Geräte weder Kohlendioxid noch Wasserdampf aus der Luft entfernen können. Prüfberichte erwecken den Eindruck, man könne die Konzentration von Aerosolen in einem Realraum beliebig reduzieren.

Die reale Situation ist jedoch laut UBA verschieden, insofern eine infektiöse Person kontinuierlich virushaltige Aerosole in die Raumluft abgibt. Ein mobiles Gerät kann die Konzentration von Aerosolen in einer realen Situation somit reduzieren, aber zu keinem Zeitpunkt auf null bringen.

Seien mehrere infektiöse Personen anwesend, werde die Reinigungswirkung mobiler Geräte in Bezug auf virushaltige Aerosole entsprechend weiter sinken. Mobile Luftreinigungsgeräte dürfen daher dem UBA zufolge nicht als absoluter Schutz vor infektiösen Aerosolen angesehen werden.

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