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Luftiger Genuss über Inzell

Inzell - Bunte Farbflecken zieren die weiße Kreuzfeldwiese, auf der reger Betrieb ist. Emsig gehen gut gelaunte Menschen zwischen den Ballonen und Anhängern hin und her.

Manche Ballone sind noch ganz faltig, andere blähen sich allmählich auf, und die ersten entschweben schon langsam nach oben. Die Ballonfans aus Holland sind wieder da - wie jedes Jahr seit 20 Jahren - heuer etwa 120.

Auch einige Einheimische beobachten neugierig das Treiben. Unsere Pilotin ist Stien Slag. «Sie möchte künftig größere Ballone fahren und muss heute eine Art Prüfung machen», erklärt der Organisator des Treffens, Erik Bosman (60), der seit 26 Jahren vom Ballonfahren lebt und auch als Instruktor tätig ist.

Zu Beginn macht Stien Slag ein kurzes «Briefing» für die Neulinge unter den Fahrgästen, darunter das Paar Bettina Roth und Dietrich Rodler aus Aachen: «Zuerst kommt kalte Luft in den Ballon, dann heiße», erklärt sie. Mit Seilen ist der aufstrebende Ballon an einem Auto befestigt, und nun heißt es, zügig in den Korb einzusteigen. «Wenn wir landen, an den Schlaufen festhalten und leicht in die Knie gehen», erläutert Slag weiter. «Nicht Rauchen. Fotografieren ist okay. Aber wenn etwas passiert, ist die Kamera nicht versichert.»

Die Seile werden gelöst, und fast lautlos - bis auf die Feuerungsschübe des Brenners - schweben wir durch die heiße Luft im Ballon aufwärts. Bald liegt uns die Wiese zu Füßen, und die halb aufgeblasenen Ballone ähneln Riesen-Käfern. Wie Seifenblasen schweben bald an die 20 Ballone in bunten Regenbogenfarben in den stahlblauen Himmel über Inzell. «Es könnte nicht besser sein», schwärmt Bosman am letzten Sonnentag vor dem erneuten Wintereinbruch.

Seit er vor 19 Jahren erstmals nach Inzell kam, zog es ihn Jahr für Jahr wieder in das idyllische Chiemgauer Alpendorf, und seit fünf Jahren organisiert er die Treffen. Mit im Korb sind Wim Hejms, der seit zwölf Jahren als Bosmans «Verfolger» das Equipment vom Ort der Landung wieder zurückbringt, und Inge Kervers, die übers ganze Gesicht strahlt. Die Mitglieder, die sonst bestimmte Aufgaben im Team haben, dürfen sich in der Ballonwoche mal entspannen und ein- oder zweimal nur mitfahren und genießen.

Wir schweben knapp übers Haus Erika, wo seit Jahren ein Großteil der Holländer nächtigt. Hausherr Alfons Schrittenlocher winkt. Im Laufe der Zeit sind bayerisch-holländische Freundschaften entstanden, und Schrittenlocher hat die Ballonfahrer auch schon mal in ihrer Heimat besucht. «Wir haben beim Haus Erika schon mal eine Zwischenlandung gemacht und Kaffee getrunken. So geht das bei Ballonfahrern», erzählt «Erik», wie ihn alle nennen, schmunzelnd. «Ballonfahrer sind Lebensgenießer», klärt mich später ein anderer Pilot des Vereins, René Zwarteveen, auf. Er ist hauptberuflich Linienpilot und kann sich beim Ballonfahren, gerade bei beschaulichen Talfahrten, so richtig entspannen.

Es eilt nichts, man verliert im Ballon das normale Zeitgefühl. Eine Talfahrt machen wir heute auch. Es geht kaum Wind und mit etwa 15 Stundenkilometern recht langsam vorwärts, aber das ist egal, Hauptsache Genuss.

Die Hülle ist 25 Meter hoch, wiegt 200 Kilo und fasst 5200 Kubikmeter. Die üblichen Volumen der Heißluftballone reichen vom Einmann-Ballon mit 500 Kubik bis zum 12000-Kubikmeter-Ballon, der 19 Personen befördern kann. Lautlos mit Gas fahren nur noch einzelne Traditionsvereine, die oft in der Nähe von chemischen Werken angesiedelt sind, bei denen in der Produktion Wasserstoff anfällt, etwa in Augsburg und Burgkirchen, wo in der Region der nächste Verein ist namens «Ballonclub Salzach-Inn».

In Erinnerung an die erste Ballonfahrt der Welt 1783 vor Zehntausenden Zuschauern in Paris, für die die Brüder Montgolfier höchste Ehren bekamen und ihr Vater sogar geadelt wurde, werden Neulinge bei der «Ballontaufe» mit Rosé-Champagner zur «Marquise von Inzell bis Hammer» und zum «Marquis von Inzell bis Hammer» geadelt.

Und unsere niederländischen Freunde? Die verabreden sich zum «Après-Balloning» auf einer Sonnenterrasse und gehen am selben Tag gleich noch mal in die Luft.

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