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AM 26. AUGUST

100. Todestag: Prien ist lebendiges Zeitdokument von Ludwig Thomas Kindheit

Der Rafenauer Weiher ist vielen aus den Lausbuben-Geschichten von Ludwig Thoma bekannt und wurde an der Seestraße wieder angelegt. Im Hintergrund ist der ehemalige Gasthof „Kampenwand“, gepachtet von Thomas Mutter damals zu sehen. Berger
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Der Rafenauer Weiher ist vielen aus den Lausbuben-Geschichten von Ludwig Thoma bekannt und wurde an der Seestraße wieder angelegt. Im Hintergrund ist der ehemalige Gasthof „Kampenwand“, gepachtet von Thomas Mutter damals zu sehen. Berger
  • Silvia Mischi
    VonSilvia Mischi
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Still ruht er da, der See. Beziehungsweise der Weiher. Dort, wo sich einst die legendäre Geschichte um den explodierenden Dampfer abspielte, ranken sich heute die Wasserpflanzen. An der Seestraße in Prien wandelt man auf den Spuren des Dichters Ludwig Thoma. Er starb vor 100 Jahren.

Prien – Seine Jugendjahre verbrachte er in der Marktgemeinde und das – sofern man seinen Lausbuben-Geschichten glaubt – auf turbulente Art und Weise.

Neben dem Eingang des Ludwig-Thoma-Gymnasiums, ragt das gelbe Gebäude der einstigen Gaststätte „Zur Kampenwand“ empor. Diese hatte Thomas Mutter 1876 gepachtet, Sohn Ludwig wurde ins Internat geschickt. Seine Ferien verbrachte der „Lausbub“ aber in Prien – eine Gedenktafel zeugt davon.

Eine Straße von Prien ist auch nach dem Dichter und Schriftsteller benannt.

Ortsführungen und Ausstellungen zum Gedenken

Mit Ortsführungen und Ausstellungen erinnert der Markt Prien immer wieder an einen seiner berühmtesten Söhne. Dabei ist dieser nicht unumstritten. Ludwig Thoma (1867 bis 1921) war ein Schriftsteller, der mit realistischen und satirischen Darstellungen des bayerischen Alltags große Bekanntheit erlangte. Er sei aus der bayerischen Literatur nicht wegzudenken. „Was er schrieb, das ist Bayern in seiner intensivsten Form. Thoma hat das Bayerische deutschlandweit zur Geltung gebracht hat“, sagt der Literaturwissenschaftler Waldemar Fromm.

Snobismus und Bürgertum ein Dorn im Auge

Sozialkritisch begleitete Thoma das Geschehen seiner Zeit über nahezu sein ganzes Leben. Die Schere zwischen Arm und Reich sowie Snobismus waren im ein Dorn im Auge. Einige seiner Streiche hat er in Prien verübt. Eine Blindschleiche im Bett, ein Knallfrosch am Schwanz der Nachbarskatze und zu Bruch gehende Fensterscheiben: Thoma entlarvt in seinen Lausbubengeschichten auf amüsante Weise die Doppelmoral des bayrischen Spießbürgertums. 1964 verkörperte Hansi Kraus den Lausbuben in der Kino-Verfilmung der Streiche Thomas. Zeitlose Komik machen die „Lausbubengeschichten“ zu den populärsten Schulbankerzählungen der deutschen Literatur.

Ambivalenz gut widerspiegelt

Das Gymnasium trägt den Namen Thomas seit Anbeginn. Zuvor war in dem Gebäude die Realschule untergebracht. Nicht verwunderlich ist es ja direkt neben dem ehemaligen Gasthof von dessen Mutter.

Am Ludwig-Thoma-Gymnasium (LTG) – wenngleich nicht im Unterricht, sondern in speziellen Seminaren oder Ausstellungen, setzen sich die Schüler mit Thomas Leben auch differenziert auseinander.

So hängt in der Aula seit Jahren eine Schülerarbeit, ein gebrochenes Gesicht von Thoma, das seine Ambivalenz gut widerspiegelt. Und dazu der scharfe biografische Kontrast. „Der Mann hatte zwei Gesichter“, sagt die Thoma-Biografin Gertrud Rösch. Daran anknüpfend arbeitete auch ein P-Seminar diesen Zwiespalt heraus, nicht zuletzt mit Thomas Textbeispielen.

Thoma war ein schwieriger Schüler

Eine Büste der beiden Lausbuben Arthur und Ludwig steht am Rafenauer Weiher.

Am Ende jedoch fiel ein Schatten auf sein Werk: Im Miesbacher Anzeiger äußerte er sich wiederholt antisemitisch. Mittlerweile ist bekannt, dass er zum Ende seines Lebens hin anonym gegen Juden, Linke und die Demokratie hetzte. Die Texte weisen ihn als zynischen Menschenfeind aus. Dennoch bleibt Ludwig Thoma, der wohl berühmteste Lausbub in der bayerischen Literatur. Thoma wurde als fünftes Kind des Försters Max Thoma und dessen Ehefrau Katharina Thoma in Oberammergau geboren. Er war erst sieben Jahre alt, starb der Vater. Nach seinem Tod fand sich die Familie überraschend gänzlich mittellos: Viktoria Pröbstl musste das Mobiliar des Forsthauses verkaufen, um die Bestattung finanzieren zu können. Nun hatte die Mutter die sieben Kinder allein großzuziehen. Thoma war ein schwieriger Schüler, der wenig vorteilhafte Zeugnisse erhielt: „In seinem Charakter liegt etwas Durchtriebenes.

Bei Tadel und Strafe zeigt er eine für seine Jahre ungewöhnliche Kälte und hartnäckige, trotzige Unempfindlichkeit.“ Die Familie zog 1883 nach Traunstein um, wo die Mutter den Gasthof „Zur Post“ pachtete. Auslöser für den Ortswechsel scheint eine „Schandtat“ Ludwigs gewesen zu sein, die auch dazu führte, dass die Schwester Marie bei einem Verehrer unmöglich gemacht wurde.

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Neben dem Namen des Gymnasiums gibt es auch eine Straße, die nach dem Dichter benannt ist. Sie ist ein Abzweiger der Ernsdorfer Straße. Richtig präsent ist Thoma als große Büste vor dem Gymnasium – eigentlich unverkennbar mit seiner Brille. Diese ist aber nach zahlreichen Vandalismusvorfällen nicht wieder auf die Nase aufgesetzt worden. Sie ist aus Bronze und von Johannes Mielenz gestaltet und von Hans-Georg Lohr gestiftet worden.

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