Es geht wieder aufwärts im Chiemgau - und zwar mit der Seilbahn

Hochplattenbahn: Schweben über Baumwipfeln. re
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Hochplattenbahn: Schweben über Baumwipfeln. re
  • vonMartin Tofern
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Seilbahnen nehmen zu Pfingsten ihren Betrieb wieder auf. Alle Anlagen wurden sorgfältig gewartet und vom TÜV überprüft. Fahrgäste und Mitarbeiter müssen Hygieneregeln beachten.

Marquartstein – Wer hoch oben auf dem Seil einer Bergbahn arbeitet, der hat kein Problem mit Corona, denn er arbeitet allein und immer an der frischen Luft. Und er sorgt für Sicherheit. Für die Fahrgäste dagegen ist das Virus immer noch ein Thema, aber Seilbahnen wie die Hochplattenbahn dürfen ab dem heutigen Samstag wieder fahren. Nach der Frühjahrsrevision und der corona-bedingten Pause fährt sie wieder täglich von 9 bis 17 Uhr. Die Abstands- und Hygieneregeln gelten auch hier. In den Sesseln der Bahn dürfen zwei Personen Platz nehmen, wenn sie zur selben Familie gehören. Ansonsten nur eine Person.

Drahtseilakt: Die Rollen einer Kabine der Rauschbergbahn werden geprüft. re

Hauptrevision von November bis Dezember

Eigentlich war die Bahn schon zum 1. Mai wieder startklar, drei Vollzeitmitarbeiter hatten den Winter damit zugebracht, die Anlage gründlich zu untersuchen, zu warten und – falls nötig – zu reparieren. Wichtigster Teil der Arbeiten im Winter: Die Hauptrevision von November bis Dezember.

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„Dabei wird zunächst die Strecke untersucht“, erklärt Marquartsteins Bürgermeister Andreas Scheck. Dafür wird an jeder Stütze das Förderseil abgenommen. Erst dann können Rollen und Gummiringe auf Laufgeräusche und Lagerverschleiß untersucht werden. „Wenn die Mitarbeiter dabei Auffälligkeiten finden, wird die Rolle getauscht“, erklärt Scheck.

Jeder Teil der Anlage muss sorgfältig überprüft werden

Die Stützpfeiler der 1973 eröffneten Sesselbahn müssen ebenfalls sorgfältig geprüft werden. Sie hat 17 solcher Stützen. Haben die Schweißnähte vielleicht Risse, sitzen die Schraubverbindungen fest? Anschließend wird das Betonfundament auf Risse und Abplatzungen und die Ankerschrauben, die den Stützenschaft fixieren, auf festen Sitz kontrolliert. Zum guten Schluss wird noch der gerade Lauf des Förderseils überprüft und bei Bedarf nachjustiert. „Das ist besonders wichtig, um die Gefahr zu minimieren, dass das Seil entgleist“, betont Scheck. Dieser Prozess wird an allen 17 Stützen durchgeführt.

Anschließend muss noch die sogenannte Umlenkscheibe am Berg überprüft und der Haupt- und Notantrieb gewartet werden. Der Motor ist ein Elektromotor, dessen Getriebe wartungsfrei ist. Das Öl muss nur alle acht Jahre gewechselt werden – es sei denn, es gibt eine undichte Stelle. Was viele nicht wissen: Auch eine Seilbahn hat Bremsen, diese müssen wie bei einem Auto regelmäßig geprüft werden. Die letzte TÜV-Abnahme war im November 2019.

Die Fahrt von der Talstation auf 619 Metern bis zur Bergstation auf 1050 Meter Höhe dauert circa 15 Minuten. Im vergangenen Jahr verzeichnete die Hochplattenbahn 70 000 Berg- und Talfahrten. Die Höhe der Verluste in diesem Jahr ist überschaubar: „Wir haben nur einen Monat Betriebszeit verloren“, sagt Scheck.

Auch die Gondelbahn am Rauschberg und der Sessellift am Unternberg in Ruhpolding dürfen wieder starten. „Wir haben in den vergangenen Wochen am Hygienekonzept gearbeitet“, sagt Kerstin Schnaitmann, Marketingleiterin des Betreibers beider Bahnen. „Im Winter haben unser Betriebsleiter und seine Mitarbeiter alle Wartungsarbeiten technischen Prüfungen durchgeführt.“ Vielleicht hat sich mancher Ruhpoldiger gewundert, dass in der Coronazeit Gondeln rauf und runter fahren. Der Grund ist, dass sie bisweilen bewegt werden müssen.

Die „Großkabinen-Seilschwebebahn“ am Rauschberg wurde bereits 1953 erbaut und in den Jahren 2000 und 2009 modernisiert. Sie überwindet eine Höhendifferenz von 950 Metern, die Bergstation liegt auf 1650 Meter. 20 Leute haben in einer Kabine Platz, doch wegen Corona dürfen nur sieben Personen mitfahren. „Bei zwei Familien, die zusammen gehören, machen wir eine Ausnahme“, so Schnaitmann.

Wegen Corona hat der Betreiber der Rauschbergbahn sogar die Bergstation umgebaut. „Wir haben die Wand durchgebrochen und einen neuen Ausgang gebaut, damit die ankommenden Gäste nicht mit den wartenden in Berührung kommen“, erklärt Schnaitmann.

Auch Rollstuhlfahrer fahren auf den Unternberg

Die Sesselbahn am Unternberg wurde 1971 erbaut. Die Bergstation liegt auf 1450 Meter Höhe. Auch sie wurde in den vergangenen Monaten allen vorgeschriebenen Prüfungen unterzogen und ist längst startklar. Die Besonderheit dieser Bahn: Auch Rollstuhlfahrer werden befördert. Dabei setzt sich der Rollstuhlfahrer mithilfe des Bahnpersonals in einen Sessel. Anschließend fährt die Bahn ein Stück rückwärts und der Rollstuhl wird einen Sessel vor dem Fahrgast eingeladen. Oben geht es anders herum: Erst wird der Stuhl ausgeladen, dann steigt der Fahrgast aus.

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Überhaupt kein Problem mit der Hygiene hat derzeit der Betreiber der Winklmoosalmbahn, die Steinplatte Aufschließungsgesellschaft in Waidring in Tirol. Die Gondelbahn darf nur im Winter fahren, für den Sommer gibt es keine Genehmigung. „Seit Einstellung des Skibetriebs am 15. März haben wir bereits einen Teil der Revisionsarbeiten durchgeführt sowie die Kabinen innen und außen gewaschen und gereinigt“, erklärt Geschäftsführer Andreas Brandtner. Der Rest der Arbeiten soll im Herbst erledigt werden. Dann kommt auch der TÜV zur Überprüfung der Anlage. „Wir hoffen, dass wir den Betrieb am 5. Dezember aufnehmen können“, sagt Brandtner.

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